Wo die Brauerei Locher den Most fürs Bschorle holt

Wo die Brauerei Locher den Most fürs Bschorle holt

Quöllfrisch unterwegs in Oberegg AI

Das alkoholfreie Biermischgetränk Bschorle von Appenzeller Bier enthält insgesamt 28 Sorten Äpfel und Birnen. Und zwar von den letzten Hochstamm-Obstanlagen im Appenzellerland. Zur Obstlese ist Quöllfrisch unterwegs bei Fredi Klee in Oberegg AI.

Immer am Mekti“, sagt Fredi Klee ins Telefon, als ich anrufe, um bei der diesjährigen Apfel- und Birnenernte dabei zu sein. „Mekti, was ist das schon wieder? Ich glaube: Mittwoch, oder?“, sagt der in Heiden Aufgewachsene, dem ausserrhodischen Nachbarort des innerrhodischen Oberegg. Hier stehen die meisten Hochstämme des Appenzellerlands mit den alten Apfel- und Birnensorten. Es habe dieses Jahr aber gar nicht viel Obst gegeben. Wieder liegts am Kälteeinbruch im April. Unzählige der Blüten seien danach abgefallen. Zuvor hatte der Föhn die Bäume sehr früh austreiben lassen. Nun sei die Apfellese – kaum begonnen – schon fast vorbei.

Tag des Apfels – und die Birne?

Zürich, 20. September 2017. Am Mittwoch der sonnenklaren Bundesratswahlen muss ich also los, wenn ich noch ein paar reife Äpfel und Birnen in den Hochstämmen erwischen will. Der Tag ist am Morgen alles andere als sonnenklar, aber das Wetter soll besser werden. Es reiche, wenn ich so um sechzehn Uhr herum bei ihnen in Oberegg sei, sagt Fredi Klee. So kann ich noch abwägen, von wo aus ich von ÖV auf das Quöllfrisch-Bike wechseln will: St. Gallen? Etwas über 20 Kilometer. Über das erinnerungsträchtige Heiden, wo ich aufgewachsen bin? Oder über Rehetobel? Ersteres ist etwas länger und flacher, aber eigentlich Hans was Heiri. Übermorgen, also am 22. September 2017, feiert der „Tag des Apfels“ seinen 25. Geburtstag. Da ist Quöllfrisch ja wieder mal Tell-mässig treffsicher unterwegs. Obs wohl auch einen Tag der Birne gibt?

Inzwischen scheint in Zürich die Sonne, aber es ist kühl. Der neue Bundesrat heisst – wen wunderts? – Ignazio Cassis. HB Zürich, High noon. Ich bin gottenfroh, keinen Anhänger mitschleppen zu müssen. Mit Mühe hänge ich das widerspenstig schwere Bike an den Haken neben der Tür zum vorderen Wagen. Nun versperrt es den Durchgang zwischen den Wagen, aber alles ist so, wie die SBB das – nicht sehr durchdacht, eher notlösungsmässig und alles andere als userfreundlich – eingerichtet hat. Am Flughafen Zürich steigt ein ziemlich beleibter Bärtiger in Nike-DryFit-T-Shirt der Farbe Lemon – wie die neue Feuerwehr in Zürich und ich wage zu behaupten, irgendwann auch im Appenzellerland – und schwarzen Shorts zu. Haarige Beine, hellblaue Sneakers, Nike Air natürlich. Er riecht streng nach Schweiss und verteilt ziemlich gestresst bis aggressiv sein vielkoffriges Gepäck. Danach schiebt er mir gegenüber mit Stäbchen sein asiatisches Take-away-Gemampfe rein, ohne gross zu kauen. Es riecht nach Schweiss und Asia-Food. Nervös, gestresst, ungemütlich. Tja, Quöllfrisch-Blogger zu sein ist kein Schleck, im Fall. Jedenfalls nicht durchwegs. Inzwischen ist mein wahrscheinlich mit Flugzeug sanft vom Himmel gefallenes Gegenüber etwas herunter gekommen und töggelt wie ich in seinem Laptop rum. Ich habe mich übrigens für St. Gallen entschieden, um über Rehetobel nach Oberegg zu velölen.

Das Appenzeller Bierglas hätte ich noch drehen müssen, aber das Bschorle schmeckte auch so.
Noch eine Viehschau in Oberegg-Reute.
In Rehetobel gibts ein Velomuseum, in dem später vielleicht auch das Quöllfrisch unterwegs-Bike zu bestaunen sein wird.

Den Entschluss bereue ich schnell. Die Strasse bis zur Scheidweghütte, wo ich mir ein Bschorle genehmige und mich daran erinnere, dass ich am Hang dahinter Zwangsskifahren lernen musste, ist fast so höllisch wie die Tunnels im Bündnerland. Wie sie hier an einsamen Velofahrern vorbeiblochen, ist nicht lustig. Ist ja eh Wildwestgebiet, wenn man an die Schiesserei denkt, die zu Jahresbeginn die ganze Schweiz in Atem gehalten hat. Auf dem Parkplatz wird grad ein Zelt aufgestellt für die Festbeiz zur Rehetobler Viehschau vom Freitag. In Oberegg mache ich Halt im Ochsen. Die Swisscom heisst mich Willkommen in Deutschland. Kurz vor Fredi Klees Hof dasselbe für Österreich. Da scheinen Grenzluftlöcher wirksam zu sein. Die Serviererin jedenfalls ist daran gewöhnt.

Hochstämme prägen die Appenzeller Landschaft.

Kultgetränk Bschorle – per Handschlag zum Erfolg

Sie zeigt mir einen Bericht im Informationsblatt des Bezirks Oberegg AI Rondom de St. Anton. Das Kultgetränk Bschorle ist Dorfgespräch. Und nominiert für den agroPreis 2017. Von fünfzig eingesendeten wurden vier innovative Landwirtschaftsprojekte für den Preis nominiert, darunter eben das Hochstamm-Rettungsprojekt von Fredi Klee bzw. der IG Appenzeller Obst, die zurzeit gut 30 Mitglieder aus beiden Halbkantonen zählt. Sie hat zusammen mit der Brauerei Locher und der Mosterei Kobelt in Marbach im St. Galler Rheintal – laut Fredi Klee „fast eine Ballenberg-Mosterei, so klein und urchig“ – die Initialzündung für die Entwicklung des alkoholfreien Biermischgetränks mit dem Saft ihrer Hochstamm-Äpfel und -Birnen sowie des Bschorle Balsamessigs. Letzterer werde nun auch in 5l-Behältern verkauft, seit eine Mutter anfragte, ob es keine grösseren Behältnisse gebe, ihre Kinder tränken ihr den Bschorle-Essig immer weg. Am 2. November 2017 haben Fredi Klee & Co. vier Minuten Zeit, ihr Hochstamm-Bschorle-Projekt einer Jury in Bern vorzustellen. Wir wünschen ihnen viel Glück.

Als er für 100 Kilogramm Obst noch ganze acht Franken erhalten habe und von Leuten hörte, die ihre Äpfel und Birnen der Grünabfuhr mitgaben, sagte Fredi Klee sich: Das kann es doch nicht sein. Viele liessen das Obst einfach liegen oder verfütterten es an die Tiere. Also gründete er mit andern die IG Appenzeller Obst, um zusammen mit der Mosterei Kobelt eine Lösung zu finden, wie die Appenzeller Obstbauern wieder einen fairen Preis erzielen konnten. Und schon beim ersten Gespräch mit Karl Locher kam man überein, ein alkoholfreies Mischgetränk aus Appenzeller Apfel- und Birnensaft und Appenzeller Bier zu entwickeln – das Bschorle.

Die IG Appenzeller Obst ist fürs Einsammeln der Äpfel und Birnen, das Pressen und auch für die Verdickung zum Konzentrat zuständig. Die Brauerei Locher kauft die gesamte Jahresproduktion zum von Fredi Klee errechneten Preis, stellt das Bschorle her und vertreibt es. Bis zur Pressekonferenz im Juni 2016 habe strengste Geheimhaltung geherrscht. Es sei mühsam gewesen, „went all mosch ufs Muul hocke“. Und sichtlich beeindruckt, fügt Fredi Klee hinzu: „Das alles haben wir mit Karl Locher per Handschlag besiegelt. So etwas geht nur noch im Appenzellerland.“ Er habe grad die Liste von über 120 Coop-Läden bekommen, die das Bschorle in der ganzen Schweiz verkaufen.

Bschorle-Etikette mit der Kirche Oberegg samt Photovoltaik-Dach; unten rechts das Label von Hochstamm Suisse.

Das Bschorle-Etikett sei übrigens der Renner im Dorf. Ganz Oberegg inklusive Pfarrer sei total stolz, dass ihr Dorf darauf abgebildet sei. Mit Kirche und PV-Anlage. PV-Anlage? Eine Photovoltaik-Anlage. Ach so, Solarzellen! Ebendiese Kirche ist samt PV-Dach auf dem Etikett zu bestaunen. Mit blühenden und gleichzeitig Früchte tragenden Bäumen. Fredi Klee musste sich durch einen Fotobeweis überzeugen lassen, dass es tatsächlich vorkommen kann, dass ein Baum blüht und gleichzeitig Früchte trägt. Ansonsten würden wir es in der Schublade der künstlerischen Freiheit verorten, gell. Alle Obstlieferanten und Bewohner aus der umliegenden Region von Oberegg identifizieren sich jedenfalls sehr mit ihrem Bschorle und verschenken das Getränk in der ganzen Schweiz als typisches Mitbringsel aus ihrem Dorf. Das habe es noch nie gegeben, dass Oberegg auf einer Etikette zum Thema Appenzell vorkomme. Gleichwertig wie die üblichen Sujets Alpstein, Ebenalp, Seealpsee und so weiter.

Fredi Klee – Sattler und Landwirt

„Der Hof mit den Sonnenkollektoren auf den Dächern“, beschrieb Fredi Klee das Ziel.
Auf dem Kuhstall jedenfalls scheint immer die Sonne – darum parkierte der Blogger durchnässt und durchfroren seinen Flyer davor.
Stillleben mit Blumen, Mähmaschine und Wiegemesser.

Ich bin ziemlich verregnet und durchfroren, als ich bei Fredi Klees Hof mit den PV-Anlagen auf den Dächern ankomme. Die hornlosen Kühe schauen mich neugierig und freundlich an, als ich grüssend vorbeifräse. Das Quöllfrisch-Bike parkiere ich neben dem Kuhstall, auf dem eine grosse gelbe Sonne prangt und begutachte nach der Begrüssung Fredi Klees Sattlerei. Ein wunderbares kleines Rückzugsreich der handarbeitenden Meditationsruhe. Nähmaschine der Marke Adler. Diverses Werkzeug, das scharfe Wiegemesser vom Sattlerei-Signet zum Durchtrennen des dicken Leders. Ich bestelle einen nackten Appenzeller Gurt, um dann die einzelne Motive später selbst zu entwerfen und drauf machen zu lassen. Das ist die Lederqualität, die Generationen lang hält und immer seltener wird. Und die ich bei meinem überteuert erstandenen Appenzellergurt vermisse. Fredi Klee schnitzt auch komplexe Sujets ins Leder; man bringt eine Fotografie und er setzt sie um.

Fredi Klee in seinem kleinen Rückzugsreich, der Sattlerei. Manche denken, mit dem Bschorle habe er das grosse Los gezogen.
Auf dem Schellengurt ganz links prangt eine Schnitzerei von Fredi Klee.

Seine Frau Andrea habe ich durch die Serviertochert im Ochsen schon kennengelernt, als diese mir den Weg erklärte. Sie kehrte gerade vom Einkauf zurück zur laufenden Blutspende-Aktion mit dem Samariterverein. Zusammen betreibt das Ehepaar den Hof mit Mutterkuhhaltung und Hochstammobstbäumen. Ein Bauer mit Kühen, der die Milch im Laden kaufen muss, das sei anfangs schon ein sehr merkwürdiges Gefühl gewesen, erinnert sich Fredi Klee. Auf die Frage nach Kindern stockt er etwas: Das sei gar nicht so einfach. Ein eigener Sohn sei 17 Jahre alt. Aber ebenso zur Familie gehörten ein Adoptivsohn und diverse Pflegekinder. Und natürlich auch der noch junge Hund Filou.

Rettung der Hochstamm-Kultur

1870 zählte man in den Appenzeller Gemeinden nicht weniger als 120 Apfel- und 80 Birnensorten. Und viele Mostereien. Tempi passati. In den letzten Jahren fielen unzählige der landschaftsprägenden Hochstamm-Obstbäume dem Feuerbrand zum Opfer. Ersatzlos. Oder sie wurden als störend einfach ausgerissen. Man stelle sich das hüglige Appenzellerland ohne diese Akzente setzenden Bäume vor. Trostlos und dumm wie Christian Morgensterns Lattenzaun, bei dem nur noch die „Latten ohne was herum“ standen, weil ein Architekt aus dem Zwischenraum ein grosses Haus gebaut hatte. „Ein Anblick grässlich und gemein“, heisst es bei Morgenstern weiter. Und damit ist auch die Absurdität der ganzen Hochstamm-Geschichte auf den Punkt gebracht. Dank Fredi Klee und der IG Appenzeller Obst mit Happy End: Das rettende Bschorle kann seit über einem Jahr von Jung und Alt genossen werden. Und: „Es werden wieder Obstbäume gepflanzt.“

Die robusten Bäume sind wichtig für allerlei Getier: Fledermäuse, Sieben- und andere Schläfer, Schwebfliegen – über 1’000 Arten von Insekten, Spinnentieren, Tausendfüsslern und über 35 Vogelarten kreuchen und fleuchen darin. Sind diese Tierchen weg, schaut auch der Mensch in die Röhre. Vielleicht gibts dann ersatzweise herumschwirrende, multifunktionale Nanocomputer-Insekten, die die Blüten bestäuben und Honig erzeugen. Wer weiss. Angesichts beunruhigender Rückgangsmeldungen des Insektenbestands – nicht nur in der Schweiz –, braucht es aber eher noch mehr dieser Bäume. Will aber niemand für das Obst faire Preise bezahlen, wird die Hochstammkultur verkümmern und damit wieder ein Stückchen gute alte Welt absterben. Digitalisierung und Globalisierung lassen den im Sozialmediennetz zappelnden Menschen Absurditäten wie zukünftiges Leben auf dem unbewohnbaren Mars, Antibiotikatierzucht und pestizidsüchtigen Monokulturgigantismus vorantreiben, während das Leben vor der Haustür einfach verludert und vernachlässigt wird. Wir müssen wieder lernen, lokal und mit gesundem Menschenverstand (Englisch: common sense!) gesunde und wohlschmeckende Nahrungsmittel zu produzieren.

Anlieferung des Mostobsts in Marbach

Nachdem mir Fredi Knecht die ausführliche Geschichte der Hochstamm-Rettung erzählt hat, machen wir uns so um 19 Uhr auf, um in der Mosterei Kobelt in Marbach die Obstanlieferung zu erleben. Einen Baum mit Früchten werde ich also nicht mehr zu sehen bekommen. Heute wurde an zwei Sammelstellen Obst angeliefert: 18.30 – 19 Uhr in Büriswilen bei Walzenhausen, zuvor von 13 – 18 Uhr in Oberegg. Der Lastwagen trudelt spät ein. Grund: Einer habe sein Obst zu spät gebracht, natürlich immer derselbe.

So haben wir Zeit, uns mit Geoffrey die „seit 111 Jahren kleinste Mosterei der Schweiz“ anzusehen. Geoffrey und sein Vater Ruedi betreiben sie zusammen. Und sie brennen auch Edelspirituosen. Zum 111-Jahr-Jubiläum zum Beispiel einen Whisky mit 60%-igen Liebhaber-Whisky, von dem es nur 111 Flaschen gibt. Oder den Glen Rhine Whiskey. Geoffrey habe im Fall schon viele Medaillen eingeheimst für seine Brände, betont Fredi. Einmal habe er drei verschiedene Williams degustiert, die gleiche Birne aus Puschlav, Wallis und Rheintal. Das seien Welten, hätte er nie gedacht. „Das ist wie beim Wein mit dem Terroir“, sagt Geoffrey mit nüchterner Sachlichkeit.

Nach 20 Uhr schauen wir mal nach dem Lastwagen. Es ist inzwischen stockdunkel und ich habe natürlich keinen Blitz dabei. Eine Lampe am Gebäude butzts, als wir sie einschalten. Zum Glück hat der Lastwagen so starke Rücklichter. Erst werden die Birnen in fünf Kisten à je rund 400 Kilogramm abgefüllt. Die ebenfalls rund zwei Tonnen Äpfel werden kommen direkt in einen der beiden Sammeltrichter. Der andere werde morgen gefüllt. Es brauche jeweils 5 Tonnen, um mit dem Auspressen zu beginnen. Es brauche jeweils fünf Tonnen für eine Presse. Die Birnen kämen danach und lassen sich einfacher auszupressen, erklärt Geoffrey.

Geoffrey Kobelt und Fredi Klee – kurz vor Feierabend. Allerdings: Fredi muss noch in den Stall.

Schockschwerenot vor dem Orient-Express

Am Bahnhof Altstätten SG. Es ist mittlerweile weit nach 21 Uhr. Ich finde eine Verbindung Richtung Sargans, Umsteigen in Buchs. Gebongt. Billett im Handy lösen, sich kurz nerven, weil dieses erneut das Einloggen im Swisspass vorschlägt, obwohl ich das längst schon gemacht habe. Alles Digitale will mehrmals getan und gelöscht und noch einmal wiederholt werden. Verblödung pur. Oder ist das nur immer bei mir so? Einfahrt des Zugs, das Quöllfrisch-Bike barrierefrei reingerollt und angeschnallt. Wie Butter. In Buchs das Ganze raus, etwas zum Knabbern kaufen im Migrolino, der grad schliesst. Warten auf Gleis 3, wo zur Zeit noch der superschöne Orient-Express steht. Ein versichernder Blick auf den Fahrplan offenbart: Kein Veloselbstverlad im österreichischen Railjet. Velotransport nur mit Reservation. Sch… ! Ich frage eine SBB-Zugbegleiterin, wie ich denn jetzt reservieren könne. „Geht nicht mehr“, sagt sie. – „Ok., es ist der letzte Zug, was kann ich tun?“ – „Sie können den Kollegen fragen, ob Sie mit Velo einsteigen dürfen.“

Der Orient-Express sei das legendäre Original, versichert mir ein Freund vom Fach später. Bei seiner Abfahrt zeigen sich an den ovalen Türfenstern diverse Köche und Küchenhilfen. Als Zeichen, dass alle da sind? Bevor sie sich dahinstellten, beobachtete ich mit Fragezeigen in den Augenen einen Zugbegleiter im Anzug, der entnervt auf die leeren Türen schaute und erst weiterging, als sie in ihnen Menschen zeigten. Sie bleiben stehen, bis die rollende Traummaschine ausser Sicht ist.

Endlich kommt dann auch mein Railjet und ich gehe mit einiger Nervosität auf den weit vorne aussteigenden Zugbegleiter zu. Der Zugbegleiter mahnt mich nach meiner etwas ungestümen Problemschilderung: „Immer mit der Ruhe, junger Mann. Man sagt erst einmal Grüezi.“ – „Habe ich nicht gesagt? Dann also Grüezi. Eben: Kann ich das Velo ohne Reservation einladen?“ – „Haben Sie ein Velobillett?“ – „Ja, habe ich.“ – „Dann dürfen Sie.“ – „Wo, bitte?“ – „Da, wo man das Velo immer einlädt, beim Velosignet.“ – „Und wo ist das, bitte?“ – „Ganz hinten.“ Logisch, denke ich und will auf einer Pedale möglichst rasch nach hinten trottinettlen. „Ist Fussgängerzone, junger Mann!“ – „Ja, reicht es noch, wenn ich stosse?“ – „Jaja, das reicht längst.“ Hinten angekommen, hieve ich das schwere Teil die Tritte hoch, würge es um die sehr enge Ecke und in den Haken und setze mich. Als der Kondukteur bei mir ankommt, sagt er: „Es lässt sich alles lösen, junger Mann.“ – Für den Moment bin ich einverstanden mit seinem nicht in jedem Fall haltbaren Statement.