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«Wenn du nicht unterwegs bist, verkaufst du nichts.»

Als Teil der Retail-Abteilung sorgt Angela Klausberger an vorderster Front dafür, dass die Produkte der Brauerei Locher an möglichst prominenter Stelle in den Regalen der Detailhändler stehen. Dass sie für ihren Job brennt, kommt nicht von ungefähr, denn Angela hat eine besondere Gabe. Ein Portrait.

Die Idee, Angela an ihrem Arbeitsort zu besuchen, verwerfe ich nach dem ersten Telefongespräch. Denn der sei in ihrem Auto, lacht sie. Sie verbringe ungefähr eineinhalb Stunden pro Tag vor dem Computer, die übrige Zeit sei sie unterwegs und vor allem bei der Kundschaft. So treffen wir uns in einem Café zwischen unseren Wohnorten zum Gespräch. Obwohl wir uns zum ersten Mal sehen und sie davor «schon ein bisschen nervös war», verläuft unser Gespräch, als ob wir uns schon Jahre kennen würden.

Ihr Team besteht aus sechs Männern und zwei Frauen. Alle setzen sich – «leidenschaftlich», wie Angela sagt – dafür ein, dass Appenzeller Bier, brewbee-Produkte, CréaCeto-Balsamessig und die Säntis-Malt-Whiskys in den Ladenregalen stehen. Angela schwärmt: «Wir arbeiten eng und ehrlich zusammen, unterstützen uns gegenseitig und mit dem Vorgesetzten kann ich auf Augenhöhe sprechen. Ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit.» Das ist mal ein Statement zum Einstieg! Ich will mehr wissen: Was macht ihr denn so grosse Freude?

Keine Arbeit für Schüchterne

Dazu holen wir zunächst aus und schauen uns an, wofür Angela zuständig ist. Ihre offizielle Bezeichnung ist Junior Key Account Manager, sie ist also Aussendienstmitarbeiterin für den Detailhandel. In ihrer Funktion betreut sie knapp 1000 Detailhändlerinnen und -händler.

Wir unterscheiden zwischen «Muss»- und «Kann»-Sortiment. Das «Muss»-Sortiment legen die Zentralen der Grosskunden fest. Beim «Kann»-Sortiment ist die Filialleitung freier und hier wird es spannend für mich.

Wenn sie vor Ort ist und ihre Ansprechperson trifft, preist sie neue Produkte an, hebt deren Vorzüge hervor und geht dabei individuell auf den jeweiligen Betrieb ein. «Wenn ich Potenzial sehe, zum Beispiel für die brewbee-Produkte, klinke ich mich ein und erkläre, warum plant-based oder die Pizzas die passende Wahl für genau dieses Geschäft sind.» Bei allfälligen Neukunden «hole ich noch weiter aus, stelle die Firma und die wichtigsten Produkte ausführlich vor. Ich möchte, dass sich mein Gegenüber für unsere Produkte entscheidet, insofern strecke ich meine Fühler aus, um herauszufinden, wie er oder sie tickt. Meistens merke ich schnell, ob es ein Match ist oder nicht.»

Dass sie dies mit viel Charme und Engagement macht, wird mir schnell klar. Angela hat diese besondere Gabe, dass Menschen sich ihr gegenüber öffnen. Für mich kommt es deshalb nicht von ungefähr, dass sie für ihre Arbeit brennt. Angela bestätigt meine Beobachtung: Kundenbesuche, Kundenpflege, Kundengespräche – es sei ein «People’s business». Die persönlichen Beziehungen seien eminent wichtig für diese Arbeit. Und das ist einer der Aspekte ihres Jobs, die Angela am liebsten mag.

Ich lerne viele, interessante Leute kennen. Manchmal erzählen sie sehr persönliche Geschichten. Wenn du dieses Vertrauen gewonnen hast, hast du die Leute «im Sack», das ist meistens der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit.

Menschen und Messen

Angela ist mehrsprachig aufgewachsen, sie spricht fliessend italienisch. Daher ist es naheliegend, dass sie für die Region Tessin zuständig ist. Weil sie zudem über 15 Jahre in Spitzenbetrieben der Engadiner Gastroszene gearbeitet hat, kann sie dort auf ein riesiges Netzwerk zurückgreifen. Das ist für ihre aktuelle Arbeit ein grosser Vorteil. Sie reist drei- bis viermal pro Jahr ins Engadin und zweimal ins Tessin. Vor Ort sind die Arbeitstage durchgetaktet: Besuchen bei den verschiedenen Betrieben, Gespräche mit Kundinnen und Kunden, Austausch mit den Aussendienstmitarbeitenden vor Ort.

Eine spezielle Stellung in ihrem Jahresablauf nehmen die Detailhandelsmessen ein. Detailhandelsmessen?!? Das seien Messen von jeweils einem Retailer, klärt Angela mich auf. Die Filialleiterinnen und -leiter sind anwesend und besuchen die verschiedenen Stände. An diesen Ständen stellen Firmen wie zum Beispiel die Brauerei Locher ihre Produkte vor, die ins Sortiment genommen werden wollen. Man lernt sich kennen, sieht sich wieder, plaudert, erklärt, bewirbt, umwirbt und degustiert. «Wir haben Zeit, die Marktleitungen haben Zeit, es ist wunderbar», strahlt Angela. People’s Business, halt.

Gastronomie-Brauerei einfach

Einmal mehr ist der Weg, wie meine Gesprächspartnerin zur Brauerei gekommen ist, vom Zufall und von Beziehungen geprägt. Nach ihrer «tollen, aber anstrengenden» Zeit in der Gastronomie wollte sie «eigentlich einfach mal Pause machen». Dann hat sie doch einen neuen Job angenommen und im Rahmen einer Weiterbildung den Bier-Sommelière-Kurs besucht. «Dort habe ich Philip [Herrmann, ihr jetziger Vorgesetzter] getroffen. Wir haben uns gut verstanden und nach dem Kurs kam der Anruf, dass er einen Job für mich hätte», erzählt Angela. Sie hat zugesagt und war zu Beginn für die Betreuung von Detailhandelskundschaft zuständig. Sie war relativ frisch im Betrieb, als sie im März 2023 mit dem Team eine Weiterbildungsreise durch Schottland machen durfte. Sie seien «tief in die Whisky-Materie eingetaucht», haben verschiedene Destillerien besucht. «Da hat es mir den Ärmel reingezogen.» Und nun ist es ebenfalls Teil ihrer Arbeit, Säntis Malt an Messen zu vertreten.

An ihrem Arbeitgeber schätzt sie, dass es ein Familienbetrieb ist und trotz der Grösse noch traditionell und familiär sei. Ausserdem:

Viele Menschen verbinden das Appenzellerland mit Ferienerinnerungen. Wenn du in Zürich sagst, dass du für Appenzeller Bier arbeitest, herrscht beim Gegenüber sofort Ferienstimmung. So eine positive Reaktion ruft längst nicht jede Firma hervor!

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Madeleine C. Böni

    Diese Frau kann man überall hinstellen! Gastfreundlichkeit, Einsatzwille, Zielstrebigkeit, Teamfähigkeit und Führungskompetenz sind immer gleich gross. Sie hat eine fundierte Ausbildung und Wissen, welches über die Berufsjahre nur zugenommen hat!

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