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Vom Schreinereitisch an die Messetheken

OFFA, OLMA, Bierprobier, Rhema und LUGA: alles Messen, genauer: Publikumsmessen, wie ich lerne. Gastroprofis unter euch kennen wahrscheinlich die Fachmessen Gastia St.Gallen, ZAGG Luzern und die biennale IGEHO in Basel. An allen ist die Brauerei präsent mit einem oder mehreren Ständen. Dass dies geregelt und sauber über die Bühnen geht, dafür ist seit zwei Jahren Julia Dietsche aus der Abteilung «Verkauf & Messen» verantwortlich.

Zu dieser Abteilung gehören auch die Aussendienstmitarbeitenden, mit denen Julia einen regen Austausch pflegt: «Vor allem in der messefreien Zeit überlegen wir gemeinsam, welche Messen in den einzelnen Regionen Sinn für uns machen, wo sich ein Auftritt anbieten würde.» Sind die Messen festgelegt, legt Julia los: Sie meldet die Brauerei an, zeichnet den Stand, legt in Rücksprache mit dem Verkaufsleiter Ruedi Signer und dem jeweiligen Aussendienstmitarbeiter das Sortiment fest und klemmt sich hinter die Personalplanung.

Ich kann glücklicherweise auf einen grossen Pool an Helferinnen und Helfer zurückgreifen. Die meisten sind Studierende im Stundenlohn, aber auch interne Mitarbeitende. An wichtigen Fachmessen sind auch die Chefs und die Aussendienstler vor Ort, das ist wichtig. An der Bierprobier plane ich auch mindestens einen Brauer ein, denn sie können am besten Auskunft geben über die Eigenschaften und Eigenarten unserer Biere.

Dann ist es soweit: Die Messe steht vor der Türe. Julia packt beim Aufbau selbst mit an – «Ehrensache». Beim Aufbau helfen Servicetechniker beim korrekten Anschluss der Zapfanlagen und an grossen Messen auch ein Standbauer. Steht der Stand, geht es ans Einsortieren der Artikel und ums Dekorieren.

Während den Messen ist Julia nicht nur «Tätschmeisterin» und muss den Überblick behalten, sie arbeitet auch am Stand mit: Sie zapft Bier, backt Pizza, schenkt Essig aus, stellt die Brauerei als Ganzheit vor. Der Kundenkontakt steht an erster Stelle, alle sollen die Beratung und Produkte erhalten, die sie wünschen.

Fast lieber ist Julia jedoch im Hintergrund tätig: «Von dort habe ich den besseren Überblick.» Hinter den Standkulissen wäscht sie Gläser ab, füllt Kühlschränke auf, rechnet die Kasse ab, fugt Harasse und Bierfässer hin und her.

Nach dem Abbau folgt die Nachbereitung: Was lief gut? Was kann optimiert werden? Und: Hat sich der Auftritt an dieser Messe gelohnt? Dann geht das Messejahr wieder von vorne los.

Vom Schreinereitisch an die Messetheke

Julia ist als Quereinsteigerin zur Brauerei gekommen. Sie hat eine Lehre als Schreinerin gemacht und die technische BMS abgeschlossen. Ein Jahr hat sie auf ihrem erlernten Beruf gearbeitet. Nach einer längeren Auszeit – «reisen und jobben» – brauchte Julia «wieder ein bisschen Struktur». Da sie nebst dem handwerklichen Arbeiten auch gerne im Büro tätig ist, hat sie sich «kreuz und quer» beworben. «Du kannst es dir ausmalen: Natürlich stellt keine Firma eine Schreinerin ohne kaufmännische Erfahrung für einen Sekretariatsjob ein!» erzählt sie. Doch, eine Firma hat es getan: Die Brauerei Locher. Ganz ohne Beziehungen ging es allerdings auch bei Julia nicht. Einer ihrer Kollegen arbeitete bei der Brauerei und der Zufall wollte es, dass in seinem Team, dem Messeteam, die besagte Stelle frei wurde. Er hat sie motiviert, sich zu bewerben, Julia wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und hat die Vorgesetzten überzeugt. Sie sieht es als «zeitgemäss», aber nicht selbstverständlich, dass beim Einstellungsprozess mehr auf die Persönlichkeit und nicht nur auf Zeugnisse geachtet wird. Denn vieles könne sich eine Person erarbeiten und lernen, wenn das Setting stimme.

Ich bin den Verantwortlichen bei der Brauerei enorm dankbar, dass ich diese Chance erhalten habe. Sie haben nicht nur auf Diplome, Zertifikate und meine Ausbildung geschaut, sondern auf die Person. Das hat mir Selbstbewusstsein gegeben.

PC-Kenntnisse hat sie sich – learning by doing – erarbeitet. Und die ihrer Meinung nach wichtigsten Eigenschaften für den Job – Flexibilität, Anpacken helfen, Pläne zeichnen – hat Julia mitgebracht. Dass sowohl Arbeitnehmerin als auch Arbeitgeberin zufrieden miteinander sind, zeigt sich an einer sehr aktuellen Veränderung: Die einst «büroferne Quereinsteigerin» ist seit Anfang März die «Leiterin Sekretariat Verkauf». Sie trägt nun die Verantwortung über das ganze Sekretariat, verteilt die anstehenden Aufgaben intern, kontrolliert und koordiniert. «Die Verantwortung für die Messen habe auch weiterhin ich», strahlt sie.

Zum Abschluss stelle ich Julia ein paar Fragen

Was magst du an der Brauerei Locher?

Sie ist innovativ und traditionell zugleich. Auch wenn sie mittlerweile gewachsen ist, ist das Familiäre noch spürbar. Ich finde die Dachmarke Appenzeller Bier mit den Bauernbildern super, auch an den Messen sind wir meistens in Tracht. Das ist ein grosses Alleinstellungsmerkmal.

Was magst du an deiner Arbeit?

Von Anfang an war meine Arbeit abwechslungsreich: Nebst Büroarbeiten wie Verträge schreiben, Pläne zeichnen und organisieren von Messen kann ich auch «raus», bin nahe bei den Kundinnen und Kunden. Ausserdem kann ich zwischendurch selbst anpacken, da drückt dann die Handwerkerin durch.

Wann macht dir dein Job weniger Spass?

Wenn es nicht vorwärts geht. Wenn zum Beispiel unser LKW im Stau steht und deshalb der Aufbau stockt, macht mich das rasend 😉
Wenn Messen nicht laufen und ich und mein Team uns die Beine in den Bauch stehen.
Vor grösseren Messen habe ich manchmal schlaflose Nächte, aber das gehört ein bisschen dazu.

Was ist dein Lieblingsprodukt aus dem Brauerei-Sortiment?

Ich bin ein riesiger Fan vom brewbee Geschnetzeltem und Gehackten – das sind rundum gelungene Produkte! Beim Bier mag ich das Ginger Beer und das Quöllfrisch hell.

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