Skandal: «Tröpfli» & «Fägnescht» erleichtern Blogger um sauglatte 10 Stutz!

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Quöllfrisch unterwegs an der OLMA 2018

Eigentlich wusste ichs ja: Der typische OLMA-Gänger ist nicht ich. Trotzdem gabs – nebst der Bratwurst ohne Senf* und einem frisch gezapften Quöllfrisch am Stand der Brauerei Locher – einige vergnügliche Höhepunkte wie das Säulirennen

Die olle OLMA. Wer kennt sie nicht, die alte Dame. Die Herbstausstellung aller Herbstausstellungen im Osten der Schweiz. Während der Kindheit ging man mit Familie hin und die Attraktionen waren Plastiksäcke voller Werbegeschenke, Prospekte sowie die Freude an den Lebendtieren. Und natürlich die dazugehörige Chilbi, die man dann im Sekundarschulalter in der Gruppe mit Gleichaltrigen besuchte. Keine Handys, kein Internet, keine asozialen Medien. Mit zunehmendem Alter wurde die sogenannte Degustationshalle zum Ziel. Darin befindet sich auch dieses Jahr der Appenzeller Bier-Stand, eher eine Bar mit Tresen. Um die Mittagszeit anständig besucht, platzte die Ecke um den Stand am Abend aus allen Fugen und Nähten. Der Lärm war auf ein unglaubliches Level angestiegen.  Na, dann: Prost!

Am Abend die Hölle los: Die Stand-Bar der Brauerei Locher um die Mittagszeit.

Schon im OLMA-Sonderzug Zürich HB – St. Gallen-St.Fiden befällt mich das leise Gefühl, dass die OLMA noch genauso ist wie damals vor dreissig, vierzig Jahren. Resistent gegen alles, was die Welt bewegt. Im Abteil gegenüber dementieren zwei heimgärtnernde Paare fortgeschrittenen Alters den Klimawandel: Aufs und Abs habe es schon immer gegeben. Jaja, es gab auch Zeiten ohne Menschen, gell. Und die Dinosaurier sind auch wegen uns ausgestorben. Eben hatten wir noch einen Rekordsommer ohne Wasser und schon heisst es «übermässige Schneefälle in Frankreich» und in der NZZ «Schweizer Behörden warnen wegen Dauerregens vor Hochwasser und Murgängen». Der an der OLMA überall gratis erhältliche Blick warnt zudem bei meinem Besuch: «Da ist Hopfen und Malz verloren. Bierpreis wird wegen schlechter Ernte steigen.» Daran Schuld sei die Erderwärmung. Und, oha, die Brauerei Locher schreibe von einer Missernte (s. auch: Trockener Sommer – Hopfenernte eher bewölkt) und erhöhe die Preise erstmals seit zehn Jahren. Ein paar Tage drauf hopft das Blatt nach: «Hopfertami, die Stange Bier wird schon wieder teurer!» Man beachte dazu auch die Braugerstenserie von Quöllfrisch unterwegs: Part I, Part II, Part III. Das himmlische Treiben ist uns trotz Hightech-Prognosen noch immer unergründlich. Aber dass der Höhepunkt des Tages mit dem Uralt-Rockfeger «Whatever You Want» von Status Quo (!) eingeleitet wird, bestätigt meinen anfänglichen Verdacht, dass bei der OLMA noch (fast) alles beim Alten geblieben ist. Ein verlässlicher Wert in unsteter Zeit.

Himmelhoch jauchzend konnten Kinder und Jugendliche über unseren Köpfen den Seilparcours bewältigen.

Insgesamt erstaunt es mich schon, dass die OLMA so unerschütterlich durchkommt, während die Welt sich im Digitalmeer verflüssigt. Dass die Besucherzahl unter dem Vorjahr liegt, erklärt man sich im Medien-Schlussbericht kurzerhand mit dem «sommerlichen Wetter mit für diese Jahreszeit überdurchschnittlich hohen Temperaturen». Ob diese saloppe Interpretation Hand und Fuss hat, sei mal dahingestellt. Aber oha! Jetzt stosse ich auf wahrlich revolutionäre Zeilen, die vor 40 Jahren undenkbar gewesen wären: «Cannabis Village» zog besonders viele Interessierte an: Die Besucher nutzen die Gelegenheit, sich über Produkte zu informieren und sie gleich vor Ort zu probieren. Vor allem der Wettbewerb um den schnellsten Joint-Dreher war bei Alt und Jung beliebt.» – Aber hallo? OLMA und Welt drehen sich doch!

Die Vorführung der Hirtenhunde (Border Collie) war sehr beeindruckend.

Zurück aus der Zukunft in die kürzlich vergangene Gegenwart. Ich sitze ja in unserer Geschichte immer noch im OLMA-Sonderzug HB Zürich – St. Gallen-St. Fiden. Trotz Online-Shops wird mich die gewichtigste Gewerbeausstellung der Ostschweiz für die neusten Haushaltmaschinen gewinnen wollen. Und einen Kärcher zum Fensterputzen, einen für Garage und Auto und sonst noch irgendeinen für sonst irgendwas. Zum Zähneputzen vielleicht. Die junge Kassenfrau ist noch nicht so ganz bereit und muss immer wieder entschuldigend den Lade abeloh, um Münzrollen aufzuschlagen. Oder sonst ein Problem lösen. Die Schlange vor der Kasse wird lang und länger.

Endlich drinnen, begrüssen mich riesige SUV-Schüsseln von Whirlpools. Die haben an Zahl und Grösse gegenüber früheren Zeiten eindeutig zugelegt und bedürfen wohl auch grösserer Parkplätze. Aber sie zeigen: Wenn wir hier in der Schweiz jammern und untergehen, dann wenigstens auf luxuriösem Wellness&Spa-Niveau. Da ich eigentlich bescheiden lebe und weder eine nichtgekapselt abge-federer-te Jura-Kaffeemaschine brauche noch eine zweite Kettensäge, könnte ich jetzt eigentlich schon wieder umkehren. Aber es ist der Tag des Esels. Und das Säulirennen um 16 Uhr verspricht einen quietschgeilen Höhepunkt. Ich setze beim Wettbüro je fünf Stutz auf «Rippli» und die «Wilde Hilde». Ein Doppelfehler, wie sich zeigt. Aber nun gibt es auch kein Zurück mehr. 

Rennsäuli? Wers glaubt, wird schläfrig. Eine heisst – Nomen est Omen – «Sau Vignon», eine andere «Sau-Cisson», «Rippli» wurde schon erwähnt.

Auf die Eselschau nach dem Mittag freue ich mich, ziehe derweil meine Runden. Eine Geiss mit wunderbarem Gehörn liegt demonstrativ in der Rückansicht. Ein Gockel gockelt wichtigtuerisch um seine Glucken herum. Riesige Munis und euterstrotzende Kühe mit und ohne Hörner ertragen die Neugier der zunehmenden Besucherzahl stoisch und wiederkäuend. Mehrere Bauern sagten mir bei meinen Hofbesuchen, ihre Kühe seien von Geburt auf hornlos. Darin wird wohl die Zukunft liegen. Wie die NZZ am Sonntag schreibt, gab es schon im alten Ägypten genetisch hornlose Kühe. Der Mensch habe sich bei der Domestizierung des Rindes für horntragende Rassen entschieden. Nun scheint deren Stündchen mehr und mehr geschlagen zu haben: Denn Laufställe mit Hornkühen müssen grösser sein, sind dementsprechend teurer.

Hornvieh ohne Horn: Wird als Kalb durch den Tierarzt operativ behandelt.

Die vor mir hornlos glotzende Kuh wurde als Kalb vom Tierarzt operativ so behandelt, dass sie keine Hörner mehr ausbilden kann. Der Redner erklärt detailliert, wie das geht: Spritze wie beim Zahnarzt, Lötkolben, Gefässverödung, Blut, wochenlange Schmerzen und so weiter. Ich kann nicht sagen, dass mir das gefällt. Es gibt Leute, die erzählen, solche Kühe hätten lebenslang Kopfweh. Ich aber bin weder Kuh noch Stier und weiss es nicht.

Zwei prächtige Stierexemplare mit.
Friedliches Nebeneinander, aber kein Laufstall: Kühe mit und ohne.

Während die Schau der von mir geliebten Esel für meinen Begriff ein bisschen zu herzig ausfällt, beeindruckt mich die Leistung der Hirtenhunde. Unglaublich beweglich und lautlos – also keinerlei Gekläff oder Geschrei – treiben die Border Collies Schafe, Ziegen, Gänse, Hühner und Schweine anstandslos dahin, wo Hirt und Hirtin diese haben wollen.

Am Tag des Esels wurde mir der Esel irgendwie zu familienfreundlich präsentiert – aber der Esel bin wahrscheinlich eher ich. Auf dem Rücken der Dame hängt ein Baby.

Vor dem grossen Höhepunkt – nach dem Eichhof(!)-Marsch einer Luzerner Militärmusik – genehmige ich mir noch ein dunkles Quöllfrisch. Der Stand ist voll, das Bestellen nicht einfach. Auch wegen dem ohrenbetäubenden Lärmpegel, verursacht durch die im Tagesverlauf immer angeregteren Gespräche und Diskussionen der Gäste. Ich trinke mein Bier praktisch am Stand gegenüber (Gossauer Bier) und beobachte die Szenerie. Dann mache ich mich auf zur rammelvollen Arena. Der fade Marsch verklingt und der Moderator startet die Einheizrunde mit dem Eingangs erwähnten Uralt-Kracher «Whatever You Want» von Status Quo: Das Publikum steht auf und klatscht sich und die vor Rennfieber kaum zu haltenden Säuli heiss. Der Speaker ergreift als Lokalpatriot eindeutig Partei für «Schützi» im Mänteli von Schützengarten. Foul, finde ich! «Schützi», Eichhof-Marsch – ja, häegozack, Quöllfrisch wo?

Das Rennen ist so sauschnell, dass der Videostill die Akteurinnen nur etwas unscharf widergeben kann.

Den ersten Lauf gewinnt «Fägnescht» im Mänteli von Bergrennen Hemberg; im zweiten überquert «Tröpfli» im Mänteli von Stedy Gewürze zuerst die Ziellinie. Die Rennen selbst sind echt sauschnell vorbei. Und wie ich von meinem nicht allzu guten Platz aus sehe, seckeln die meisten auch neben dem Hindernis durch und müssten disqualifiziert werden. Bschiiss, Bschiiss! Ich schleiche mich zwei Fünfliber leichter von dannen. Bald gibts wieder Metzgete, höhöhö! Whatever you want. Alles Gute für die Zukunft, gute alte OLMA, auf dass du dir auch die nächsten hundert Jahre treu bleibst! 

*Übrigens: Kennt ihr den? 

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