Trockener Sommer – Hopfenernte eher bewölkt

Trockener Sommer – Hopfenernte eher bewölkt

Quöllfrisch unterwegs bei Hopfentropfen in Unterstammheim

Am 30. August begann das Hopfentropfen-Team in Unterstammheim mit der diesjährigen Hopfenernte. Quöllfrisch unterwegs war für euch dabei.

Ich entschliesse mich trotz bedecktem Himmel, zumindest den Hinweg von Zürich aus per Bike zu machen und bin – wie angekündigt – um 10 Uhr auf dem Hopfentropfenhof in Unterstammheim. Der Regen blieb zum Glück aus, hätte aber letztlich keinen Einfluss gehabt auf die Ernte. Aber der trockene Sommer hat den Pflanzen zugesetzt. So wird die Ernte dieses Jahr auch nicht grad der Superjackpot – nachdem letztes Jahr der Sturm einen Hopfengarten zerlegt hat.

Manche Hopfensorten haben die Hitze ganz gut überstanden. Wichtig ist, dass das wertvolle Lupulin ausgebildet wurde (s. nachfolgendes Bild).
Das gelbe Lupulin ist für Geschmack, Konservierung und eine schöne Schaumkrone wichtig. Es wird in Alphawerten angegeben. Weniger lupulinhaltige Sorten haben beispielsweise den Alphawert 4, während andere mit 16 auftrumpfen.

Im Hof steht schon eine Ladung Hopfen bereit neben dem Förderband, das die Hopfendolden über ein Gebläse in die oberste Ofenlage befördert. Dort werden die Blüten zwei bis drei Stunden bei rund 60 Grad getrocknet. Danach fällt das Fuder mit Dreheffekt runter auf die zweite Ebene, wo sie rund weitere zwei Stunden verbleibt, während zuoberst wieder eine frische Ladung eingefüllt werden kann. Nach weiteren zwei Stunden auf dem untersten Boden ist die Trocknung vollzogen. Die spätere Pelletierung muss nicht sofort durchgeführt werden, die Anlage steht im früheren Kuhstall schon bereit. Das Wichtigste aber ist vorerst die sofortige Trocknung nach der Ernte. Denn rumliegen darf der Hopfen nicht.

Die Pelletier-Anlage im früheren Kuhstall steht schon bereit. Sie kommt aber erst später zum Einsatz.

Los gehts mit dem Pflücken. Vorsichtig lenkt Thomas Reutimann das Dieselpferd linkerhand einer Rankenreihe. Der rote Arm schneidet die Ranken ab, während eine Förderkette sie erfasst und nach hinten befördert, dort wird sie durch die langsame Fahrt des Traktors mit einem trockenen Knall heruntergerissen und fällt rauschend in den Ladewagen.

Der rote Arm schneidet die Ranken ab und befördert sie Richtung Ladewagen. Der Traktor fährt langsam weiter und reisst die Dolde herunter. Sie landet meistens perfekt auf der Ladefläche.
Muss ich einfach zeigen: Am Anfang war das – Pferd.

Ist der Wagen voll, gehts in flottem Dieselrosstempo rüber zur Pflückmaschine. Aber vorher noch zum Zmittag. Und wie man sieht, muss mancher – auch der Blogger – auf Schusters Rappen zum Hopfentropfenhof zurücklatschen. Kein Grund zur Klage, ist ja nicht weit. Quölli hängt dort an der Steckdose, da ich von Zürich her geradelt bin und aufgrund der zerhackten und dementen Velowege – höchste Zeit für ein gesamtschweizerisches Veloverkehrsnetz, Himmelarschundzwirn! – auf ziemlich viele Holzwege und Leerlaufschlaufen geführt wurde. Mit rund 25% Ladung komme ich nun also trotz tollem Akku nicht mehr allzu weit. Aber woher hat Brigitte nur diese Original-Quöllfrisch-Satteltasche, während Quölli noch jungfräulich ungelabelt ist?

Nach dem Mittagessen flyere ich also gmüetli rüber zur vielleicht einen Kilometer entfernten Pflückmaschine. Ein riesiges, blaues, lärmendes, klopfendes, alles bzw. Hopfen verschlingendes und spuckendes Metallmonster namens Wolf. Räder, Riemen, Ketten, Haken, Schlingen, Ösen, Förderbänder in alle Richtungen, mal breiter, mal schlanker. Ein wenig Schiff, ein wenig Charlie Chaplin in Modern Times und ein wenig wie in der Computertomographieröhre. Das Fuder wird vor der Maschine abgeladen. Wie zuvor beim Pflücken erfasst eine Förderkette – meist mit menschlicher Entwirrhilfe – das Rankenende und zieht die Pflanzen über eine Walze in den Maschinenschlund. Nun werden die Dolden von Stengeln, Blättern und Drähten getrennt. Im gesamten Prozess der verschiedenen Bänder werden die brauchbaren Dolden von Stengeln, Blättern und Drähten getrennt und am Ende ausserhalb der Scheunenwände ausgespuckt. Letzteres landet gehäckselt auf dem Kompost, während die Dolden nach diversen Schüttel- und Aussiebungsprozessen auf einen weiteren Ladewagen befördert werden.

Vorne die Doldenernte, hinten der werdende Kompost.
Am Ende wird der Komposthaufen ziemlich viel Platz beanspruchen. Er entwickle eine riesige Hitze, die sogar die Drahtstücke ziemlich schnell verschmürzeln.

Dieser transportiert sie danach zum Trocknungsofen auf dem Hopfentropfenhof. Ich fahre hinter ihm her und begutachte noch einmal den Trocknungsofen. Das am Morgen eingebrachte Fuder liegt schon unsichtbar auf der mittleren Trocknungsebene, während die zweite Ladung oben eingeblasen und verteilt wird. Es riecht kräftig und wunderbar.

Die oberste von drei Lagen im Ofen. Auf jeder Lage werden die Hopfenblüten rund 2 Stunden getrocknet.

Es war aus Hopfenbauernsicht ein schwieriges Jahr. Brigitte Reutimann ist etwas besorgt, dass auf meinen Fotos nicht nur schön grüne, sondern auch braune Hopfendolden sichtbar sein könnten. Natürlich gebe ich mir Mühe, trotzdem ist es nicht gänzlich zu vermeiden. Und wir wollen ja der Wahrheit ins Auge sehen und sie nicht unter den Teppich kehren. Die Natur schlägt den Menschen halt trotz schlauer Technik und Methoden immer wieder ein Schnippchen. Nobody is perfect. Da wir den Hopfentropfer*innen aber nur das Allerbeste wünschen, wollen wir die Realität mit ein bisschen kreativem Wunschdenken beschönigen: Seht ihr also irgendwo ein braunes Döldchen, denkt euch einfach, sie sei von saftig hellem Grün. Zumal die tatsächliche Qualität der diesjährigen Hopfenernte ja erst nach dem Trocknen durch ein Labor bestimmt wird. Wie schon oben erwähnt, ist der Lupulingehalt wichtig. Wir bleiben also dran. Hoffen wir, dass nächstes Jahr eine Prachtsernte eingefahren werden kann und weder Hopfen noch Malz jemals verloren sind – so dass uns das frische Feierabendbier von der Brauerei Locher und von Hopfentropfen noch lange wohl bekomm!

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