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Selbstbewusst im zweiten Lehrjahr

Halbzeit! Von der dreijährigen Ausbildung «Lebensmitteltechnologin mit Fachrichtung Bier» hat Jasmin Christen eineinhalb Jahre hinter und noch vor sich. Ich hatte sie zu Beginn ihrer Lehre bei der Brauerei besucht. Nun statte ich der einzigen Brauerin im Team im Rahmen der Reihe «5 Frauen, 5 Berufe, 1 Bier» einen weiteren Besuch ab.

Im Eingang der Brauerei Mettlen warte ich am langen Holztisch und schaue durch eine Glaswand auf die grossen Sudpfannen, in denen Appenzeller Bier schlummert, arbeitet und blubbert. Die Luft ist warm und riecht nach Maische: süsslich, leicht herb. Da öffnet sich die Schiebetüre und eine selbstbewusste junge Frau kommt mir lachend entgegen. Sie setzt sich zu mir an den Tisch und fängt sogleich an zu erzählen. Ich merke schnell: Es ist viel passiert bei Jasmin in den vergangenen Monaten – beruflich und persönlich.

Fachliche Sicherheit

Die Lernenden lernen immer beide Standorte Brauereiplatz und Mettlen kennen. Allerdings ist Jasmin mittlerweile mehrheitlich in Mettlen, momentan in der KEG-Abteilung – «bei den grossen Fässern». Ihre Lieblingsabteilungen seien aber noch immer das Sudhaus und «der Filter»: «Da sieht man halt am meisten vom Produkt und es ist am nächsten beim ausgelernten Beruf. In diesen Abteilungen passiert wahnsinnig viel.» Die Sudhaus-Abteilung benennt Jasmin als «recht klassisch». Hier werden die Zutaten quasi zu Bier. Im Vergleich zum ersten Lehrjahr verstehe sie die Maschinen und die Programme nun besser. Wenn es eine Störung gibt, weiss sie nun eher, wie sie eingreifen kann. Sie erklärt mir routiniert den Filterprozess: «Das naturtrübe Bier durchläuft von unten die Filterkerzen. Der Kesselraum des Kerzenfilters ist mit Filterstoffen angereichert, die Hefe und andere Feststoffe an sich binden. Das filtrierte Bier läuft nach oben ab.» Aha, Quöllfrisch naturtrüb unten rein, Quöllfrisch hell oben raus? «Ja, so ungefähr», schmunzelt sie.

Nicht verzagen, weiterfragen

Total fünf Lebensmitteltechnologinnen und – technologen bildet die Brauerei aus. Im Arbeitsalltag haben sie wenig Kontakt miteinander, da sie in unterschiedlichen Abteilungen und Schichten arbeiten. Jedoch gibt es am Freitag im Betrieb Theorieunterricht für alle. In diesem Zeitfenster klären die Vorgesetzten Verständnisfragen zu der Arbeit in der Brauerei, zu spezifischen Prozessen und andere offene Fragen, die speziell den Ausbildungsbetrieb betreffen. Die fünf Lernenden helfen sich aber auch gegenseitig, denn «die Jüngeren können die Älteren fragen, wie sie das machen oder wenn etwas in der Schule nicht klar ist». Wobei Jasmin den Vorteil hat, dass sie im zweiten Lehrjahr sowohl «nach oben» fragen, als auch den zwei Erstjahrlernenden Auskunft geben kann.

Eintauchen ins Schwerpunktthema Bier

Ab dem 2. Lehrjahr tauchen Lebensmitteltechnologinnen und -technologen in ihr Schwerpunktthema ein. In Jasmins Fall geht dreht sich der Unterricht nun hauptsächlich um Bier. Der Schulstoff sei anspruchsvoller geworden. Sie erzählt begeistert: «Zum Beispiel die Rohstoffe: von welcher Qualität müssen sie sein, wie beeinflussen sie das Endprodukt. Je höher die Alphasäure der Hopfensorte ist, umso weniger davon gehört ins Bier. Auch der Härtegrad des Wassers beeinflusst das Endprodukt massgeblich. Der Prozess wird detaillierter, irgendwie klarer, aber auch komplizierter, je mehr man darüber nachdenkt…»

Durchsetzen in einer sogenannten Männerbranche

Von den rund 20 Lernenden in der «Bierklasse» sind zwei weiblich. Im Betrieb sei das kein Thema, sagt Jasmin. «Ich habe gewusst, worauf ich mich einlasse und dass die Arbeit auch körperlich anstrengend sein kann, dass ich auch mal schwere Säcke oder so schleppen muss.» In der Schulklasse hätten aber vereinzelte gleichaltrige Kollegen ein Problem, dass eine Frau den Beruf macht. Woran liegt das? «Einige betrachten die Bier-Branche noch immer als Männerdomäne und sehen mich vielleicht als Eindringling. Und wenn ich dann noch die besseren schulischen Leistungen erbringe, kratzt das wahrscheinlich an ihrem Ego…» Wie merkt sie das, frage ich nach. «Es gibt manchmal blöde Äusserungen, aber die gehen bei mir in einem Ohr rein und beim anderen wieder raus. Dass sie ein Problem haben mit Frauen und speziell mit mir in der Ausbildung, ist ihr Problem, nicht meins», sagt sie selbstbewusst und fügt nachdenklicher an: «Du darfst es nicht zu fest an dich ranlassen.»

Im Betrieb und den verschiedenen Teams fühlt sie sich wohl und hat sich nun auch an die Schichtarbeit gewöhnt. «Die unregelmässigen Arbeitszeiten machen schon einen Unterschied. Viele unterschätzen das.» So kommt es, dass Jasmin vor allem im Winter am Freitag den Abend in Ruhe zu Hause geniesst. «Im Sommer bist du eh fitter, wenn es hell ist, da liegt es drin, noch wegzugehen.» Das Gefühl kennen sicherlich auch Menschen mit einem 9-5-Job.

Ein Beruf, den man sich erst anschauen muss

Noch immer mag Jasmin ihre Ausbildung: «Es ist ein spannender Beruf, vielfältig und ich arbeite gerne im Team.» Was empfiehlt sie jungen Menschen, die sich für diese Ausbildung interessieren?

Es ist ein Beruf, den man sich zuerst mal anschauen muss, denn die meisten Menschen haben wahrscheinlich keine Ahnung, was Lebensmitteltechnologen machen und was die Ausbildung ist. Ein, zwei Schnuppertage lohnen sich auf jeden Fall, da sieht man, wie abwechslungsreich die Arbeit ist.

Interessierst du dich für eine Ausbildung in der Brauerei Locher? Dann wende dich ans Personalbüro: personal@appenzellerbier.ch oder informiere dich auf der Website.

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