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Schlossbier-Trek, Minnesang 1: Schloss Lenzburg

Quöllfrisch unterwegs in Lenzburg AG

Ja, das Sch…wetter! Du stehst am Morgen auf und: Es regnet. Oder: es strätzt. Und: es ist kalt und regnet. Oder: es ist warm und strätzt. Oder: es regnet grad nicht und die Sonne scheint, aber kaum dass du aus dem Schutz des Hauses trittst, seichts dir auf den Kopf. Spontaner Fischzug mit Simon Enzler: Im letzten Moment abgesagt; es wäre ein Fischen im Trüben der braunen Sitterflut geworden. Seit Wochen willst du eine oder mehrere Appenzeller Bier-Beizentouren machen in Kantonen wie Bern, Jura, Thurgau, Schaffhausen. Dieser Sommer flutete – zusammen mit dem Corona-Virus – vorläufig jeden Ansatz dazu. Nun also setze ich mich in den Zug und fahre ins nahe Schloss Nummer 1 auf dem Schlossbier-Flyer der Brauerei Locher: Schloss Lenzburg.

Freitag, 9. Juli 2021. Um 12.58 Uhr werde ich in Lenzburg nach 20 Minuten Fahrt ankommen, um aus dem gspässigen 21. Jahr des dritten Jahrtausends zurück ins Mittelalter gebeamt zu werden. Das Corona-Maskentheater ist noch in vollem Gange. Ins Abteil neben mir stürzt sich eine junge Frau mit Aluminium-Fastfood, den sie in einem Affenzahn hinunterschlingt, wie ich es eigentlich nur von Männern kenne. Wenigstens muss ich dank Maskenpflicht nicht mitriechen.

25 Jahre Schweizer Braugerste – 1 Appenzeller Schlossbier – 25 Schweizer Schlösser

Zum Jubiläum «25 Jahre Schweizer Braugerste» hat die Brauerei Locher aus der einheimischen (sprich: Appenzeller, Bündner und Genfer) Braugerste ein Appenzeller Schlossbier gebraut. Dieses kann auf den 25 Schweizer Schlössern auf dem dazu gedruckten Flyer genossen werden. Beim Googeln ist es auch bestellbar, seltsamerweise aber finde ich es nicht im neuen Online-Shop der Brauerei. Wer alle 25 Schlösser besucht und deren Stempel sammelt, gewinnt ein Schloss-Erlebnis nach Wahl und eine Gnoss-Degustation für 10 Personen im Besucherzentrum Brauquöll : Lassen Sie sich von der kulinarischen Vielfalt des Appenzellerlandes verwöhnen. Sie erleben, wie sich das leckere Appenzeller Bier hervorragend zu Appenzeller Fleisch- & Käsespezialitäten kombinieren lässt. (Nur FoodPairing, kein Apéro!) Naja, das «leckere Bier» ist auch nicht gerade vom Himmel gefallen, wännt weisch, wani mein. Wer 10 Schlossstempel erobert, gewinnt ein Schlössermonopoly und eine Brauquöll-Degustation. Infos dazu auch auf dieschweizerschloesser.ch.

Der Weg ist das Ziel

Das Schloss Lenzburg mit der Nummer 1 befindet sich seltsamerweise auf der Rückseite des Flyers (s. unten). Ich steige also frohgemut in Lenzburg aus und mache mich auf, um herauszufinden, ob ich zu Fuss oder zu Bus aufs Schloss gelangen soll. Aber, Schockschwerenot! Es wird nichts mit der angepeilten Zeitreise von rund 1000 Jahren. Kaum stehst du vor dem Bahnhof – wo die heutige Welt sich allerweltmässig alles andere als traumhaft präsentiert –, hauts dir ein Plakat vor die Nase, auf dem steht: Freitag, 9. Juli 2021, JUGENDFEST, Schloss Lenzburg geschlossen. Es folgt ein «Gefällt mir»-Daumen. Ha-ha-ha! Würkli sauglatt!

Ätsch, schön reingefallen: Bitte bewerte deinen Besuch mit »Gefällt mir»! Danke und tschüss!

Es grüsst das tägliche Murmeltier der digitalen Demenz

Wie konnte ich das auf schloss-lenzburg.ch übersehen? Mir ist in Erinnerung, dass es auf der Website hiess, am 2. Juli finde das Jugendfest statt, also eine Woche zuvor. Auf Nachfrage, ob das Schloss wirklich zu sei, antwortet der erstbeste Bus-Chauffeur: «Keine Ahnung. Davon weiss ich nichts.» Am SBB-Schalter meint die freundliche Dame beim Nachschauen: «Ja, das ist wirklich sehr unglücklich kommuniziert.» Des Rätsels Lösung lautet: Feiertage geöffnet, 2. Freitag im Juli (Jugendfest) geschlossen. Ich habe also die Feiertagsangabe als unproblematisch abgehakt und dann nur noch «2. Juli (Jugendefest) geschlossen – ebenfalls unproblematisch» ergänzt. Da der 2. und folglich auch der 9. Juli tatsächlich Freitage waren, fiel das bei der üblich gewordenen Internetflüchtigkeit in Sachen Schreib- wie Lesefehlern durch die Maschen. Tja. So bin ich also quasi selbstverschuldet voll in den Hammer gelaufen.

Keine Lust auf LBGTQI*-Gegendere, aber sicher eine sehenswerte Ausstellung im Stapferhaus Lenzburg.

Kommunikationstechnisch ist solcher Art Darstellung eines Termins, bei dem das Datum klar bekannt ist, fast so verboten, wie das Wörtchen «spannend», das einen zum Lesen langweiliger Geschichten animieren soll. Da erschlafft jede Spannung von selbst. Erweist die Geschichte sich nicht durch sich selbst als lesenswert, nützt auch die mit Ansage aufgedrückte Spannung nichts. Na, und weil heutzutage eine von mir oben geschriebene Bemerkung wie «eine junge Frau mit Aluminium-Fastfood, den sie in einem Affenzahn hinunterschlingt, wie ich es eigentlich nur von Männern kenne» gendertechnisch schon recht heikel sein könnte, wäre natürlich der Besuch der Ausstellung GE SCHL ECHT im gegenüber liegenden Stapferhaus die folgerichtige Ersatzlösung. Aber ganz ehrlich, bleibt eher nur bei SCHL ECHT: Das ganze LBGTQI*-Gegendere hängt mir derart zum Hirn raus, dass ich postwendend den nächsten Schnellzug nach Zürich besteige. Obwohl ich das Stapferhaus genau wegen seiner toll gemachten Ausstellungen sehr schätze und wahrscheinlich auch diese ganz gut fände.

Wer 10 Schlossstempel erobert, gewinnt ein Schlössermonopoly und eine Brauquöll-Degustation. Wer 25 Schlossstempel vorweisen kann, hat ein Schloss-Erlebnis nach Wahl und eine Genuss-Degustation für 10 Personen im Besucherzentrum Brauquöll zugute.

Zurück in die Zukunft

Tja, dann verdorrt dieser Ausflug halt schlossbierfrei und sonnig in feuchtwarmer Tages-Trockenheit. Die Medien warnen rundum vor Hochwasser, Murgängen und anderen Naturgefahren wegen übermässigen Regenfällen. Baden und Böötlen auf der Limmat ist im Moment verboten. Gefährlich sei es auch an der Sitter, wo wir – wie eingangs erwähnt – vor rund einem Monat fischen wollten. Die NZZ titelte gestern: «Regen, Regen, Regen: Schweizer Honig dürfte knapp werden». Der Tagi von heute: «Dieser Sommer bricht schon jetzt Rekorde!» Stabiles Hochdruckwetter sei weitherhin nicht in Sicht. Was bedeutet das für die Ernten von Gemüse und vor allem auch von Braugerste und Hopfen? Oder den Tessiner Reis? Wir werden sehen, wie es weitergeht. Geplant ist im Rahmen des Schlossbier-Treks als nächstes ein Besuch auf dem Wasserschloss Hallwyl – Nummer 6 auf dem Schlossbier-Flyer – samt Schiffsrundfahrt im Burggraben. Nein, im Ernst: Schiffsrundfahrt auf dem Hallwylersee natüterli! Mal sehen, was bei soviel Wasser von unten und von oben alles hinein fällt.

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