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Mumm, Pionierleistungen und Eigensinn: Locher Craft

Wagemutig, kühn, selbstbewusst. So kommt Locher Craft daher. Locher Craft? Ja: Dem Einfallsreichtum der Brauerei in Appenzell ist eine neue Sortimentslinie entsprungen. Marie-Louise Werren erzählt, für wen die Biere sind und was ausser Hopfen, Malz und Wasser sonst noch drinsteckt.

«Genug Mumm?» fragt mich die Website. «Dann steig in unsere Seilschaft ein. […] Dafür solltest du mit allen Wassern gewaschen sein. So wie unser Craft Beer. Das Bier mit Ecken und Kanten. Unkonventionell und entschlossen. Mit Grips. So wie die Menschen, die den Alpstein prägten. […]»

Ich mag Berge, freue mich schon seit Monaten auf kommende Wander- und Bergtouren, ich mag Appenzeller Bier und fühle mich von den Attributen durchaus angesprochen. Ich bin neugierig. Also mache ich mich auf die Suche nach der Geschichte dieser aufgeweckten Biere und treffe mich dafür mit Marie-Louise Werren aus dem Marketing. Die Locher-Craft-Linie ist quasi ihr Baby. «Es war eine lange Schwangerschaft!» lacht sie.

Marie-Louise, Innerrhoderin durch und durch, ist seit 22 Jahren für die Brauerei an Messen im Einsatz. Ihre Aus- und Weiterbildung hat sie in der Hotellerie absolviert. Nachdem sie ein Jahr die Leitung der Messen übernommen hatte, wechselte sie vor drei Jahren ins Marketing-Team. An den Messen nimmt sie, wenn es die Zeit erlaubt, noch immer gerne Teil. «An der Front bist du am Puls, spürst die Leute», schwärmt sie.

Ob es denn wirklich noch mehr Locher-Biere brauche, frage ich etwas provokativ. «Eine gute Frage… Ja!!!», ist die Antwort. «Das Locher Craft unterscheidet sich ziemlich stark von unserem bestehenden Sortiment – im Bierstil und im Aussehen. Die neuen Biere sprechen eine offene, neugierige und experimentierfreudige Zielgruppe an».

Marie-Louise Werren stützt sich auf einen Harass Locher Craft
Marie-Louise Werren, Hazy Climber und Mountain Ale

Markante Bergspitzen, eigensinnige Biere

Gebraut werden die Locher-Craft-Biere im Brauquöll. Die Brauer können sich in dieser Linie ausleben, eigene Ideen einbringen. «Das ist nicht nur für die Lernenden mega spannend.» Es wird in kleinen Mengen gebraut, das macht das Sortiment sehr flexibel, «wir können agiler auf Trends reagieren und saisonal experimentieren».  

Momentan gibt es sieben Locher-Craft-Biere Darunter ein alkoholfreies dunkles Bier (!), ein Dinkelbier und ein Sour Beer mit Kirschen. Sie schmecken eigensinnig, kantig und spannend. «Die kantigen Charaktere der Biere wollten wir auch auf den Etiketten transportieren», erläutert Marie-Louise. Anders als auf dem Appenzeller Bier-Sortiment werden hier keine lieblichen Landschaften abgebildet. Die Craft-Etiketten zeigen Bergsteigerinnen, Kletterer, Träger aus früheren Zeiten, Skifahrerinnen in alpiner Landschaft. «Wir greifen Geschichten von Menschen auf, die im Alpstein und darüber hinaus Heldenhaftes geleistet haben. Keine verblümten Märchen, keine fiktiven Sagen. Starke Geschichten, die das Leben schrieb – oder in einigen Fällen noch schreibt.»

Das Mountain Lager zum Beispiel zollt den Säntisträgern Anerkennung. «Ihrem Mut und körperlichem Einsatz war es zu verdanken, dass die höchstgelegene Wetterbeobachtungsstation in Europa realisiert wurde.» Es waren hauptsächlich Appenzeller Bauern, die im Sommer wie im Winter auf ihrem Rücken Lasten von bis zu 30 Kilogramm von Wasserauen bis zum Säntisgipfel getragen haben. «Eine fast übermenschliche Leistung», erzählt Marie-Louise.

Mittels QR-Codes auf der Etikette kommen Interessierte auf die Website, auf der sie die Geschichte der abgebildeten Person erfahren.

Handwerk, auch bei der Gestaltung

Gestaltet hat diese Etiketten Sandra Neff aus Appenzell. Sie hat sie von Hand aufs Tablet gezeichnet und dadurch die Bilder direkt digitalisiert. «Die Genauigkeit konnte mit der digitalen Illustration auch erreicht werden», schwärmt die Grafikerin. Die Ursprungsidee für die Etiketten war, dass sie Kletterer im Alpstein zeigen sollten. Daraus entwickelten sich die jetzigen Sujets mit einer vielfältigen Auswahl von Geschichten und Menschen. «Nun sieht man auch die Anstrengung im Gesicht und Körper der Personen.» Wie Sehnen an den Armen und Beinen einer Frau aussehen, die gerade einen Felsvorsprung überwindet (Hazy Climber) oder eines Mannes, der eine senkrechte Wand hochklettert (Mountain Ale), hat Sandra Neff intensiv recherchiert. «Ich habe mir unzählige Fotos von verschiedenen Positionen am Berg ganz genau angeschaut und dann das Muskelspiel abgezeichnet.» Tönt simpel, ist aber eine Heidenarbeit. Einige Figuren tragen auch authentische zeitgemässe Kleider, zum Beispiel der Wetterwart auf dem Sujet von Mountain Spelt, andere Figuren sind zeitlos gekleidet. Das ist ebenfalls eine Spielerei der Grafikerin: «Locher Craft soll keine Retro-Linie sein, sondern ein modernes Bier.» Sandra macht mich auf eine Besonderheit auf den Etiketten aufmerksam: Die Bergkette im Hintergrund ist immer im Alpstein und sei für Kennerinnen und Kenner hoffentlich immer zuordenbar. Das Hauptsujet, also der Mensch am, im oder auf dem Berg, kann überall sein. Dieses Zusammenspiel zeigt für mich ganz anschaulich, was Locher Craft für die Macherinnen und Macher bedeutet: Der Ursprung liegt in Appenzell, traditionell stark verbunden mit dem Alpstein. Allerdings will Locher Craft höher hinaus, zeigt Offenheit und ist überall zu Hause.

Mir ist aufgefallen, dass jedes Bier mit zwei Adjektiven beschrieben wird: «eigensinnig & mild», «selbstbewusst & dunkel», «willensstark & aromatisch». Was es damit auf sich hat, erklärt mir Sandra: Die Umschreibungen gehen zurück auf die Idee, den Bieren Charaktereigenschaften zuzuordnen. «Dann hat sich halt auch diese Idee weiterentwickelt.» Nun beschreibt das erste Attribut beschreibt den Charakter der abgebildeten Person, das zweite das Bier. «Allerdings können beide auch auf das Bier angewendet werden.»

Was macht sie, wenn die erwähnten saisonalen Craft-Biere kommen oder die Braumenschen eine neue Idee verwirklichen wollen? «Ich habe noch weitere Sujets in Petto. Es gibt noch viele Legenden, die erzählt werden können und wollen», grinst Sandra Neff.

Sandra Neff und Hazy Climber

Auf dem Chesterfield-Sofa oder als Essensbegleiter

Zurück zu Marie-Louise mit der Frage, für wen denn die Locher-Craft-Linie gemacht ist, wer die erfrischend neuen Biere trinken soll und wo das möglich ist. Die Beziehung zu den Gastropartnern liegt der Brauerei am Herzen, und «Beziehungen muss man pflegen – egal, wo.» Daher sind die Locher-Craft-Biere in erster Linie in Restaurants und Bars erhältlich «Ich sehe die Locher-Craft-Biere zum einen in hippen Hotelbars, aber auch in Alphütten.», sagt Marie-Louise und beschreibt ein so schönes Bild, dass ich dort sofort Ferien buchen möchte: «Nach einem erlebnisreichen Tag in Museen, Parks und der Innenstadt gehst du fein essen, läufst durch belebte Strassen zum Hotel und trinkst dort in der Lounge auf dem Chesterfield-Sofa ein Mountain Ale oder ein Fruity Cave als Krönung des Tages.» Das tönt urban. Soll es auch sein. Denn Locher Craft spreche nebst den Quöllfrisch-Fans auch ein urbaneres Bierpublikum an. Sie selbst sei «voll in der Zielgruppe». Sie lasse sich gerne von einem aussergewöhnlichen Bier überraschen, gerade auch zum Essen. Die Eignung für Food-Pairing sieht Marie-Louise auch als eine der hervorragenden Eigenschaften der neuen Biere. Für jedes Bier verrät die Website, zu welchen Speisen es passt. Geneigten Gastronominnen und Gastronomen fällt sicherlich auch die eine oder andere eigene selbstbewusste Kombination ein.

Ab sofort sind die neuen Bierkreationen im Getränkefachhandel und in der Gastronomie erhältlich. Im Besucherzentrum können sie auch ab Zapfhahn degustiert werden. Also: Seid mutig und wagt den «vertikalen Einstieg».

*Eine gewollte Anspielung auf den geplanten Film von Victor Rohner.

Titelfoto: ZVG

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