Pech weg. Glück rein.  

Pech weg. Glück rein. 

Früher wurden Bierfässer innen mit Braupech versiegelt. Damit vermied man, dass das Bier nach Holz schmeckte und Kohlensäure entweichen konnte. 

Aber nichts hält ewig. Das Pech wurde rissig und so drang über die Jahre trotzdem Bier in die Holzfasswand ein. Wurden die Fässer dann neu mit Pech ausgekleidet, versiegelte man quasi Bierextrakte in den Fassdauben. Die Brauerei Locher lagert in solchen Bierfässern heute den Säntis Whisky Malt. 

Zwanzig Jahre ist es her, seit für den Bau einer Abfüllanlage ein Stall abgerissen wurde. Dort fand Karl Locher haufenweise alte Utensilien. Verstaubte Bierfässer, Schnapsflaschen mit verwitterten Zäpfchen und ein altes Getreiderezept seines Urgrossvaters. Davon habe ich euch schon im Blog «Eine erfolgreiche Schnapsidee» berichtet.

Heute produziert die Brauerei Locher AG Whisky, der vielprämiert ist und in eben diesen alten Bierfässern lagert. «Man sagt, 1/3 des Aromas komme vom Destillat, 1/3 vom Fass und ein 1/3 vom Wasser», erklärt mir Kuno Mock, der Säntis Malt Brand Manager. «Aber ich glaube, die Aufteilung ist anders. 2/5 Brand, 2/5 Fass und 1/5 Wasser. Es ist unglaublich, was das Fass, die Lagerung, bewirkt. Faszinierend. Jedes Fass hinterlässt eine andere Spur. Jeder Whisky ist einzigartig.»

Bevor das Gerstendestillat eingefüllt wird, restauriert der Küfer jedes einzelne Fass. Er entfernt die Pechschicht und «toastet» die Fassdaube leicht. Durch die Hitze öffnen sich die Holzporen und die kostbaren Aromen können freigelegt werden. 

«An den Fassdauben kann man gut erkennen, dass die Bierextrakte über die Jahrzehnte bis zu einem Zentimeter tief in die Dauben eingedrungen sind. Diese jahrhundertealten Aromen und Bierextrakte werden auf die gleiche Weise aus den Fässern gelöst, wie es andere Whiskyproduzenten mit Sherry-, Port oder Bourbon-Fässern tun. 

Eben. Pech weg. Glück rein.

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