Moderne Kunst und altes Handwerk

Moderne Kunst und altes Handwerk

Adalbert Fässler ist Künstler. In sechster Generation führt er ein Atelier für Kunsthandwerk in Appenzell. Er fertigt geschickt und von Hand Gürtel, Hosenträger, Schuhschnallen, Hunde-Halsbänder, Sennenartikel und anderes. 

Was hat Herr Fässler und sein Kunsthandwerk mit der Brauerei Locher zu tun? Nun – der Vater des Künstlers hatte damals, im Jahr 1986, zum 100-jährigen Jubiläum der Brauerei eine Etikette entworfen. Und der Herkunft dieser Etiketten gehe ich auf den Grund.

Die Etikette zum Jubiläum zeigt ein festlich beflaggtes Appenzell, das Schweizerkreuz, die schwarz-weisse Appenzeller-Fahne, in Blau das frühe Locher-Wappen und auf grüner Wiese braune Bauernhäuser. Das erklärt mir der Sohn, der in die Fusstapfen des Vaters getreten ist und selber als Künstler tätig ist.

Schon beim ersten Schritt ins Atelier von Adalbert Fässler bin ich fasziniert. Es riecht nach Arbeit. Nach Leder. Nach Metall und Zeit. Hier stehen keine Maschinen, hier sitzt ein Mann am Holztisch. Gerade arbeitet er an einem Ledergürtel. Er legt kleine Figuren aus Metall, die er zuvor mit einer Laubsäge ausgeschnitten hat, auf das Leder. Dann befestigt er die kleinen Figuren mit Nägeln, zwackt diese ab und vernietet sie.

Adalbert Fässler entwirft Motive nach Wunsch. «Ein Kunde von mir arbeitet bei ‹Ärzte ohne Grenzen›, für ihn fertige ich einen Gurt mit einem Helikopter», erzählt er. «Und sein Freund ist ein Schwarzer, ein Tuareg. Tuaregs leben in der Sahara und sind Nomaden. Deshalb mache ich für ihn einen Gurt mit Kamelen drauf.»

Gebraut nach mittelalterlichem Rezept

Für das Mittelalter-Spektakel in Appenzell, das jährlich im August stattfindet, entwarf Adalbert Fässler zwei Mal in Zusammenarbeit mit einem Grafiker eine Etikette für ein Spezialbier. Dieses wurde jeweils in den Wirtschaften verkauft – einmalig und nur fürs Mittelalter-Spektakel nach mittelalterlichem Rezept gebraut. 

Auf der Etikette von 2005 ist die Schlacht am Stoss abgebildet. Auf der Etikette von diesem Jahr sieht man ein Pärchen aus dem 15. Jahrhundert, das sich zuprostet. «Hofer-Bräu» heisst das diesjährige Bier. «So heisst es, weil man zu den Menschen, die im Dorf wohnten, früher ‹Hofer› sagte.

Ob Etikette, Gurt oder Bilder. Dahinter steckt hohe Kunst. Und ein tolles Handwerk. 

Da lohnt sich ein Besuch: http://adalbertfaessler.ch

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