«Loud & proud» das Appenzellerland in die Welt hinaustragen: Riana und Marius Bear

«Loud & proud» das Appenzellerland in die Welt hinaustragen: Riana und Marius Bear

Sie sind jung, sie kommen aus Appenzell und sind dank ihren grossartigen Stimmen auch einem grösseren Publikum schweizweit bekannt: Die Musiker Marius Bear und Riana. Ich habe die zwei vor ihrem gemeinsamen Konzert im Casino Herisau getroffen und übers Appenzellerland, die Musik und das Bier gesprochen.

Mit breitem Innerrhoder Dialekt werde ich begrüsst, mir wird sofort ein Bier (Quöllfrisch!) angeboten (was ich wegen späterer Fahrtätigkeit ablehnen muss) und los geht’s im Keller vom Casino Herisau. Offen, unkompliziert und sehr humorvoll – so habe ich das Treffen mit den zwei erlebt. Wegen den zeitlich verschobenen Soundchecks habe ich den beiden die gleichen Fragen getrennt gestellt.

Marius Bear

Die Zeiten, in denen sich Marius Bear geschämt hat, zu singen, sind wohl längst vorbei. Seit dem Gewinn des Swiss Music Awards als «SRF Best Talent» 2019 startet Marius Bear so richtig durch. Sein erstes Album «Not Loud Enough» hat er in London produziert und aufgenommen, im Sommer haben er und seine fantastische Band 18 (achtzehn!!) Festivals in der Schweiz gespielt und die Clubtour im Herbst/Winter war fast restlos ausverkauft. Auch das renommierte «Kaufleuten» in Zürich hat der Appenzeller mit seinen Songs und seiner Stimme gefüllt und am Eurosonic Festival in Groningen NL (DAS europäische Sprungbrett für junge Bands) einen überzeugenden Auftritt hingelegt. Nebenbei hat Marius über 90 neue Songs geschrieben. Daher ist es keine Überraschung, dass er sich momentan «nur» auf seine Musik konzentriert. «Das gibt genug zu tun», sagt er. Das Konzert im Casino Herisau, bildet den Schlusspunkt oben erwähnter Clubtour und findet ebenfalls in einem vollen Saal statt.

Was bedeutet das Appenzellerland für dich?

Marius: Heimat. Ich habe zwei Jahre in London gelebt und immer, wenn ich nach Hause gekommen bin, gemerkt, wie schön wir es hier haben. Momentan wohne ich in Winterthur, komme aber ca. 3x in der Woche nach Appenzell als Ausgleich. Ausserdem habe ich mir in meinem Elternhaus wieder ein kleines Studio eingerichtet. (Marius trägt seine Heimat mit einen Appenzeller Sennenring immer bei sich – am kleinen Finger, «wie es die Sennen machen».)

Riana: Viel. Ich bin uh huere gern in Appenzell zu Hause, habe hier meine Familie und meine Kollegen. Ich bin ein Landei, die Stadt überfordert mich, daher komme ich immer wieder gerne ins Dorf zurück. Die Leute hier sind und bleiben bodenständig; das versuche ich auch zu sein.

Welchen Ort im Appenzellerland zeigst du deinen auswärtigen Gästen?

Marius: Den Badeplatz Paradiesli in Haslen. Im Sommer der beste Ort! Das Dorf Appenzell, weil es schön ist. Z’Berg gehe ich auch gerne mit Gästen; zum Seealpsee und dann hänge ich gleich noch den Äscher an.

Riana: Das Dorf, die Hauptgasse finde ich choge schö. Z’Berg gehe ich ebenfalls – egal wohin, einfach nicht die Route Äscher-Seealpsee. Manchmal fahren wir Innerrhoden mit dem Auto ab: Appenzell – Schlatt – Gonten – Weissbad – Appenzell. Das dauert ja nicht lange.

Am Konzert spricht Marius das Publikum in Herisau zu Beginn mit «Appenzell» an. «Es ist 2020, da muss es möglich sein, Innerrhoden und Ausserrhoden unter dem Begriff Appenzell zusammen anzusprechen», legt er nach. Und kriegt dafür nicht nur von mir viel Liebe und Applaus zugeschickt. Im Verlaufe des Abends wechselt er auf «Appenzellerland», wenn er die gut 800 Personen anspricht. Am Ende sind wir alle als «Ostschweiz» vereint.

Foto bei „Tageslicht“

Riana

Nach dem Gewinn des BandXOst 2018 war Riana «erstmal zwei Monate überfordert»: Labels, Bookingagenturen, Radiostationen – alle wollten sie. Es folgten Auftritte, Festivals, Clubkonzerte und «es wurde von Auftritt zu Auftritt immer besser». Sie hat sich mit einigen Agenturen und Labels getroffen, sich dann aber entschieden, sich zunächst aufs Musikmachen zu konzentrieren und die Industrie aussen vor zu lassen. Nur das Booking hat sie mittlerweile abgegeben. Vergangenen August war sie im Studio – ihre erste EP erscheint im Verlaufe dieses Jahres. Neben ihrer musikalischen Karriere verfolgt Riana diejenige als Primarlehrerin und studiert in Rorschach.

Was schätzt du an Riana/Marius? Was macht Riana/Marius speziell?

Marius: Riana ist eine der, wenn nicht sogar die beste Frauenstimme in der Schweiz momentan. Ich kenne keine andere, die so viel Potential hat. Wir kennen uns schon lange, haben schon früher zusammengearbeitet. Ich finde, man soll sich gegenseitig unterstützen.

Riana: Seine Stimme ist sein Musikinstrument! Marius ist ein Herzensmensch und auch mit seinem Erfolg einfach Marius geblieben. Er kommt immer wieder zurück nach Appenzell und ist für die Leute da.

Riana hat am Konzert von Marius einen Überraschungsauftritt, um eine hühnerhaut-erzeugende Duett-Version von «Not Loud Enough» zu singen. Himmel nochmals, die zwei harmonieren nicht nur hinter der Bühne! Ein Stimmen-Traumpaar! Stille im Saal, gebanntes Zuhören, frenetischer Applaus am Ende des Songs – mein Höhepunkt des Abends.

Stolz und laut – junge Appenzeller Stimmen erobern die Welt (eh ja…)

Welches ist dein Lieblingsprodukt der Brauerei Locher?

Marius: Das Quöllfrisch Spezli, s’normale Bier. Und: Das alkoholfreie Bschorle habe ich saumässig gern. Das hat mega viel Potential und müsste in jedem Regal neben den gängigen Soft-Getränken stehen!

Riana: Die HOI-Linie, am liebsten Maracuja. Und das Ginger Bier, das ist huere fein.

Warum wurdest du Markenbotschafter/Markenbotschafterin der Brauerei Locher?

Marius: Ich war es schon immer, jetzt werde ich einfach dafür bezahlt. (Lacht)

Riana: Ich wohne vis-à-vis der Brauerei und kenne die Leute schon ewig. Sie sind auf mich zugekommen, weil sie junge Appenzellerinnen unterstützen wollten. Die HOI-Linie ist für Junge, halt auch eher für Frauen. Das passt gut zu mir.

Zu einem Marius Konzert gehört(e) auf dieser Clubtour, dass die Band den allerallerletzten Song unverstärkt inmitten des Publikums spielt – und dabei zwei Harasse Quöllfrisch an die Zuhörerschaft verteilt. Trotz Vorwarnung und Vorbereitung und sehr zuvorkommender Behandlung durchs Management und die Band ist mein Versuch gescheitert, diesen Moment fotografisch festzuhalten. Sorry, gell. Müsst halt selber mal ein Konzert besuchen gehen. Lohnt sich. Am besten in dieser unschlagbaren Appenzeller Kombination mit Riana.

Da ist wieder Ruhe eingekehrt… Artig entsorgt das Publikum die von der Band verteilten Flaschen.

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