Lieber eigenständig als eigenartig: Das neue Root Beer

Lieber eigenständig als eigenartig: Das neue Root Beer

Das neueste Bier aus dem Hause Locher bringt Sommerstimmung in die winterliche Stube und hat glücklicherweise wenig mit dem gleichnamigen Getränk aus Nordamerika zu tun.

Seinen Ursprung hat Root Beer in Nordamerika, enthält traditionellerweise keinen Alkohol und «Beer» nur des Verkaufsargumentes bei Minenarbeitern wegen im Namen. Eigentlich wurde es als «Root Tea» gebraut. Das traditionelle Root Beer ist eher Limonade als Bier und spaltet mit seinem eigenartigen Geschmack die Gemüter. Die Brauerei Locher hat vor Kurzem ihr eigenes «Root Beer» lanciert. Hier ist Bier drin, wo «Beer» draufsteht. Und Wurzeln ebenfalls, nämlich rote Karotten, Iris- und Angelikawurzeln.

Dies ist der Bericht einer kleinen Privat-Degustation unter Root-Beer-Neulingen. Gleich vorneweg: Die Erwartung, dass das Bier sehr erdig schmeckt, wird sich nicht erfüllen.

Nicht vom Äusseren in die Irre führen lassen…

Die Etikette von Ingrid Sanguanini-Gollino (Königskind) zeigt die Zugehörigkeit zur IPA- und Ginger-Beer-Familie, also zur jüngeren, urbanen Geschmackslinie der Brauerei Locher. Für die eher Experimentierfreudigen und Neugierigen unter den Bier-Fans. So, wie unsere Degustationsgruppe. Das äussere Erscheinungsbild mit dem schönen, satten Rot weckt unweigerlich Assoziationen mit Randen. Wir schenken uns ein. Die bemerkenswerte Farbe führt zum ersten Gruppen-Kommentar: «Es sieht aus wie Himbo!» Hallo, Kindheit.

…und auch nicht vom ersten Eindruck!

Nach den visuellen Eindrücken halten wir die Nase semi-professionell ins Bierglas und schnüffeln. Und nochmals kommen Kindheitserinnerungen hoch: Das Root Beer riecht tatsächlich nach Tiki-Brause! Kicherkicher… Nun hält uns nichts mehr, wir nehmen einen ersten Schluck und sind… Überrascht! Der leicht bittere, herbe Geschmack spricht mich als Americano-Campari-undsoweiter-Liebhaberin sofort an. Mit einem Eiswürfel und einem Orangenschnitz wird das Root Beer zu einem erfrischenden, anregenden Aperitif-Getränk. Meine Mit-Degustantin wird poetisch (Wir haben Januar, der Schnee kommt noch und die Wandersaison ist noch weit, weit weg…): «Füsse nach einer Wanderung in den Bergbach halten und eine Flasche Root Beer dazu!»

Sieht aus wie Himbo, schmeckt wunderbar nach Bitter-Aperitif.

Mit Bier hat das mit 2,4% Alkoholgehalt leichte Getränk wenig zu tun. Fast so wenig wie das amerikanische Root Beer. Das und die Zutat Bitterorange machen das Appenzeller Root Beer zu einer charmanten, leichteren Alternative zu den Bitteraperitifs. Die gleiche Mit-Degustantin – sprachlich in Hochform – hat auch eine Idee, wie das Root Beer passender heissen müsste: «Root Bitter».

Alle drei fassen wir den Vorsatz, schon mal ein bisschen Frühsommer-Stimmung ins Haus zu holen und einen Karton der neuesten Locher-Schöpfung kalt zu stellen. Damit wir zumindest in der Vorstellung die Füsse in einen Bergbach halten können.

Glücklicherweise eigenständig, nicht eigenartig

Wir gehen zum zweiten Teil unseres Degustationsnachmittages. Da ich auf die Schnelle kein amerikanisches Root Beer gefunden habe, greifen wir zu einer australischen Marke. Durch die vorangegangene Recherche bin ich ein wenig vorgewarnt und dann trotzdem überrascht vom strengen, medizinischen Geruch, der mir beim Einschenken entgegenkommt. Auch meine Mit-Degustantin wird plötzlich einsilbig: «Mundspülung». Der Geschmack: Undefinierbar, eigenartig. Zu süss, zu medizinisch. Auch der «Root Beer Float» – man gebe Vanille-Glacé ins Root Beer – bringt uns das Getränk nicht näher. Wenigstens hat es ordentlich geschäumt.

The Root Beer Float

Einig sind wir uns alle drei: Gut, haben sie (Lochers) das Root Beer nicht zu sehr ans Vorbild angelehnt, sondern mal wieder eine eigenständige Variation kreiert und produziert!

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