Im Uhrzeigersinn gen Himmel

Im Uhrzeigersinn gen Himmel

Breaking News – Quöllfrisch unterwegs bei Hopfentropfen in Unterstammheim

Ich habs versprochen. Und versuche das zu halten. Ihr wisst schon, dass ich an einem Tag helfen werde, die jungen Hopfentriebe an ihre Steigdrähte zu führen. Ich schaffe grad noch alle Termine aneinander vorbeizubringen, um am Donnerstag, dem 26. April ein paar Stunden zu helfen zu können. Ende Woche ist die Hauptarbeit getan.

Der Hopfengarten, wo vor zwei Wochen noch kein Grün zu sehen war. Der einsame Arbeiter heisst Sergej. Bald bekommt er Verstärkung.
Daneben zeigt auch schon die Braugerste ihre ersten Grasspitzen. Das Feld gehört ebenfalls zum Hopfentropfenhof.

Ein leerer Kanister, ein mit Schnur befestigtes Schaumstoffpolster, Handschuhe und ein mit Sägezähnen bewehrtes Schäufelchen – das ist mein Werkzeug. Damit gehts in den Hopfen, wie man sagt. Dort sitzt schon Sergej, der seit einigen Jahren mithilft und weiss, was zu tun ist. Brigitte instruiert mich.

Brigitte Reutimann zeigt, was zu tun ist. Möglichst gleich lange Pflanzen an einen Draht führen. Der Hopfen – das wisst ihr natürlich schon, oder? – wächst immer im Uhrzeigersinn. Drei bis vier Triebe an jedem Draht. Sie hat den blauen Kanister, den ich wollte. Nix da: Ist der Chefin-Kanister.
Die zarten Triebe sind voller Härchen, die ihnen beim Hochranken Halt geben. Darum die Handschuhe. Diese Pflänzchen werden zum zweiten Mal angeführt. Immer schön rechts rum, gell. Es bläst ein recht bissiger Wind. Das hat der Hopfen nicht so gern und wir Menschen leiden auch drunter.
So geht das den ganzen Tag, Stock für Stock. Aufstehen, rüber und runter zur nächsten freien Pflanze. 2000 Pflanzen mit je zwei Drähten = 4000 Ranken pro Hektare. Manchmal spendet die Sonne gar etwas Wärme. Wie auch die immer wieder lustigen Gespräche.

Die Pflänzchen sind zart und manchmal killt man ungewollt ein Köpfchen. Manche klemmen den Kopf in selbstmörderischer Blödheit ein, so dass man sie vorsichtig ins Leben zurück bringen muss. (Ging auch mal schief, ich gebs zu.) Andere wachsen erst gar nicht, dann knüpft man eine möglichst farbige Markierung an den Draht. Man sitzt also von Pflanze zu Pflanze und führt pro Draht drei oder vier Triebe an. Den Rest reisst man aus oder sägt ihn ab. Knifflige Sache, ich sags euch. Man ist Herr (oder Herrin) über Leben und Tod: Wer darf weiterwachsen, wer nicht?

Manche Pflanzen machen wir zum zweiten Mal, da sie beim ersten noch zu klein waren oder die Ranken vom Wind weggerissen wurden und nun auf der Erde liegen. Es gibt solche, die schon über ein Meter hoch sind, andere schauen kaum zum Boden raus. Streng ist das Wechseln von Stock zu Stock. Aufstehen, rübergehen, absitzen. Nach zwei Minuten sollte eine Pflanze gemacht sein. Am Anfang habe ich natürlich etwas länger, danach bin auch ich im Hopfenflow. Brigitte freut sich schon auf mein Geächze und Gestöhne wegen Rückenschmerzen und so, aber nix da. Der Schreiberfuzzi ist strenge Arbeit gewohnt und merkt auch am nächsten Tag nicht allzuviel. (Wahr, im Fall.) Nebst Sergej helfen zwei Gymnasiastinnen. Sie sind schon die ganze Woche dabei und verdienen sich – streng, aber zufrieden – einen Zustupf. 

Znünipause. Mittagessen. Dazwischen die Handarbeit im Hopfen. Jedes Pflänzchen erfährt individuelle Aufmerksamkeit. Danach sei der Aufwand nicht mehr so gross bis zur Ernte. Auch ein möglicher Kälteeinbruch sei meist unproblematisch. Wir werden sehen. Ich werde ich versuchen, bei der Ernte dabei zu sein, um zu mitzuerleben, wie die Hopfen-Pellets für die Brauerei Locher (und andere) weit vor dem Samichlaus in den Sack kommen.

Nach der Zvieri-Pause – natürlich ein frisch gezapftes Stammer Bier – gehts zurück zum Bahnhof und mit dem Zug nach Zürich. Zuvor darf ich mir im Laden noch ein paar Hopfentropfen-Produkte als Lohn aussuchen: prämierter Stammheimer Gläreli Whisky, Hopfenspargel, Hopfen-Balsamico, Hopfen-Geist Klar, Hopfen-Pesto, Brezel-Chips und Knuspermalz. Sonja gibt mir in der Küche noch zwei Treber-Brötchen mit, das rund 1/4 Biertreber enthält. (Mit dem macht doch der Locher seine echt guten Tschipps!) So etwas werde ich nicht mehr so schnell zu essen bekommen, meint sie. Ich nehme zwei auf den Weg. (Später: Mmhh, super!) Dann zupfe ich noch einige nussig schmeckende Köpfchen des Hopfenstocks im Garten hinter der Küche. So lässt sichs leben. Bis bald.

Und schon bald werden sie die 7 Höhenmeter zurückgelegt haben, die Hopfenranken im Hopfengarten…

Zu guter Letzt:

Gaby Reutimann schickt mir dieses Bild mit der Erklärung: Die ersten Hopfen sind bereits „angehäufelt“ (Erdkamm). Somit gibt es keine weiteren Ausläufer und das Unkraut wurde auch zugedeckt. (Ausser der Löwenzahn dort links…)

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