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Hurra, endlich kann man mal wieder in der Biertankstelle von Hopfentropfen unter nicht tropfenden Blauhimmeln hocken!

Der grosse Kanton – landunter. Am Untersee – Situation kritisch. In der Biertankstelle von Hopfentropfen in Unterstammheim – watteweiss wolkenbetupfter Blauhimmel, Brunnengeplätscher, Vogelgezwitscher, unterbrochen von Harrassgeklapper und Flaschenscherbeln. Endlich! Und die ersten Hopfenpflanzen im Hopfengarten haben schon die Höchsthöhe erklettert.

Horizont mit Hopfengarten.

Da ich dem Wetter noch nicht trauen will, nehme ich den Zug nach Stammheim und lasse Quölli im Velokeller. Sogar meinen superkleinen Schweizer China-«German Engineering»-Knirps habe ich vergessen; wollte unterwegs noch einen kaufen, aber aufgrund der vergangenen, total verseichten Tage – ausverkauft. Logo. So en Seich! Aber der Blick an den Himmel beruhigt.

Dass der Knirps nicht, wie bis heute von mir geglaubt, eine Schweizer Marke ist, habe ich übrigens erst beim Fakten-Check-Guguselen herausgefunden: Hans Haupt aus Solingen erfand im Jahre 1927 den zusammenschiebbaren Regenschirm. Dieser wurde im Jahre 1932 patentiert. Die Serienherstellung der später bekanntesten deutschen Schirmmarke übernahm ab 1932 Fritz Bremshey. Der Knirps war der erste Schirm mit Teleskop-Gestell.

Stadelhofen S12, Gleis 3. Winterthur an Gleis 7, umsteigen auf Gleis 6, Richtung Stein a. Rhein, wo ich – nach der Geburt am 1. Juni 1961, 1.10 Uhr, im Kantonsspital Schaffhausen – mein erstes Lebensjahr verbracht habe. Tja, ich war zwar dabei, habe aber keine Ahnung mehr davon. Man hat es mir – wie so Vieles – erst später gesagt. Trotzdem: Ein bitzeli back to the roots-Feeling kommt jeweils schon auf.

Die ersten Hopfenpflanzen kratzen am Himmelszelt

In Stammheim kenne ich inzwischen den Weg. Ich werde zuerst den Hopfengarten aufsuchen, um quasi unwissend zu sehen, was da läuft. Die Sonne brennt ungewohnt kräftig, das fadengrade Bächlein am Wegesrand scheint in den vergangenen Tagen nicht zu einem reissenden Strom angeschwollen zu sein. Nur neben dem Hopfengarten liegt noch eine ordentliche Pfütze.

Spuren der vergangenen Regentage. Am nicht so fernen Untersee sind die Pegelstände einiges höher.

Dem Hopfen scheints sehr gut zu gehen. Wie wir wissen, tut er sich eher schwer mit Hitze und Trockenheit, verträgt also eher Regenwetter. (Hier gehts zum Quöllfrisch unterwegs-Beitrag «Trockener Sommer – Hopfenernte eher bewölkt».) Die ersten Pflanzen haben sich an den rund 20 000 Drähten hochgerankt und erreichen die Querdrähte. Das halten Vater Markus Reutimann und Sohn Christoph später in einem Video fest, kurz vor meiner Rückfahrt mit dem Thurbo. Hätte ich es früher mitbekommen, hätte ich die beiden natürlich gefilmt. (Hier gehts zum erwähnten Instagram-Beitrag. Man muss den Insta-Lautsprecher noch auf laut stellen, um Markus Reutimann sprechen zu hören, gell!). Auch die späten Sorten wirken gut im Schuss und saftig grün. Und im neuen Hopfengarten wachsen die Jungpflanzen heran.

Im Juli werde ich Louis Sutter von Agroscope treffen und dachte, vielleicht sei der – in Zusammenarbeit mit der Brauerei Locher und Hopfentropfen weitergeführte – Versuch mit der neu entwickelten Schweizer Hopfensorte hier schon gestartet worden. Markus klärt mich auf, dass er eine Reihe frei gehalten und in einer andern einen eigenen Versuch mit einer Neuzüchtung gepflanzt habe. Mehr könne er im Moment nicht dazu sagen. Für ihn wäre aber wünschenswert gewesen, dass man ihn mit seiner langjährigen Erfahrung im Hopfenbau schon früher in die Entwicklung der neuen Sorte eingebunden hätte. Man müsse das Rad nicht neu erfinden. Ich finde schon grossartig, wenn die Zusammarbeit zwischen Praktiker:innen und Wissenschaftler:innen überhaupt auf den Weg gebracht wird. Aus dem Wissenschaftselfenbeinturm wird leider viel zuwenig mit der Welt da draussen kommuniziert. Wir bleiben dran.

Noch nicht so weit, aber auch hier strebt alles nach Himmel und Sonne.
Der nahe Hopfentropfen-Hof mit Biertankstelle.

Und siehe: Der Hopfenbartli spricht und zwinkert mir zu

Psst, nöd witersäge: Probiers emol mit scanne!

Aha, es gibt auf dem Hopfenlehrpfad neue Schilder mit dem ZZ Top-Hopfentropfenbartli drauf. Na, dann mal wie verlangt QR-Code gescannt und mit offengelassener Photo-App auf den Bartli gehalten. Siehe, er erzählt Geschichten, zwinkert oder winkt gar. Sobald ich das Phone wegbewege erstarrt er in Schweigen. Halte ich wieder drauf und tippe auf den Button «Verzell!» setzt er seine Geschichte fort. Eine erzählt, warum einer meiner ersten Schwarzweiss-Fernseh-Helden, Tarzan a.k.a. Johnny Weissmüller, im Hopfengarten seine ersten Lianen-Erfahrungen gemacht hat. Ich stand damals oft vor dem Spiegel und wollte meine Chruslehaare nach seinem Beispiel flach bürsten. Ist ebensowenig gelungen, wie mit den Tieren zu sprechen. Eine andere Geschichte verrät in einer gewagten Theorie, warum die Biere eigentlich würkli verschieden schmecken; danach liegt es gar nicht so sehr an Wasser, Hopfen und Malz. Wers wissen will, muss hingehen. Ich verrate (fast) nichts.

Tja, aber lustig und sympathisch, wie das Hopfentropfen-Team der Familie Reutimann mit kleinfeinen Ideen ihr authentisches Hopfengarn webt. Auch auf der Etikette der neusten, mit der Craftbier Brauerei Hopfenfisch zusammen kreierten Hopfentropfen-Bierspezialität «Ariana» lässt sich über den QR-Code dem Hopfentropfenmann die Geschichte dazu entlocken. Unterhaltsam und bezüglich arbeitsintensivem Hopfenanbau sind auch die restlichen Instagram-Filmchen des Hopfentropfen-Teams.

Hier lässt sich gut verweilen: Die Gäste in der Biertankstelle kommen und gehen.

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