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Gut Ding will Weile haben

Das alkoholfreie Sortiment der Brauerei Locher wächst und gedeiht. Entsprechend dem Zeitgeist, dass Bierfans vermehrt zu einem Bier ohne Prozente greifen, gibt es mittlerweile sieben alkoholfreie Appenzeller Biere auf dem Markt, neun, wenn wir Senza und Locher Craft Freefall mitzählen. Seit wenigen Wochen ist brandneu Quöllfrisch alkoholfrei auf dem Markt. Quöllfrisch! Alkoholfrei! Was für die einen ein Affront sein mag, ist für andere eine längst fällige Ergänzung des Sortiments. Wie sind die Brauereimitarbeitenden mit dem grossen Namen und dem Druck, den er den Brauern aufbürdet, umgegangen? Und: Wie schmeckt das neueste Appenzeller Bier?

Christian Zieger, stellvertretender Leiter Produktion, ist persönlich kein Fan von alkoholfreien Bieren, wie er mir bei unserem Treffen im Sudhaus lachend verrät: «Ich bin aus anderen Gründen Brauer geworden.» Mit dem neuesten Produkt, an dem sie lang, sehr lang, getüftelt haben, ist er allerdings sehr zufrieden:

«Es ist ein rein natürliches Produkt und enthält Vitamine sowie Mineralien, die unserem Körper guttun. Nun gibt es auch eine alkoholfreie Version, keine unliebsamen Nachwehen und daher keine Nachteile.»

Erster Punkt für Quöllfrisch alkoholfrei.

Ein starker Name braucht ein starkes Produkt

Schon bald kommen wir darauf zu sprechen, was beim neuesten Appenzeller Bier mitschwingt wie eine Kirchenglocke beim 12-Uhr-Schlag: Beim grossen Namen, bei der Marke Quöllfrisch. Die Bekanntheit und Beliebtheit des Bieres in der blauen Dose mit Appenzeller Charme schwebte lange wie ein Damoklesschwert über dem Vorhaben, eine alkoholfreie Variante auf den Markt zu bringen. Christian bestätigt: «Unsere Ehrfurcht vor dem Namen war und ist riesig!» Dementsprechend lange hat die Entwicklung des Quöllfrisch alkoholfrei gedauert. Denn das Endprodukt sollte geschmacklich möglichst nahe am alkoholhaltigen Original sein, damit die Kundschaft aber auch die Biermenschen es «mit Freude» trinken. «Wir wollten einhundertprozentig hinter unserem Quöllfrisch alkoholfrei stehen können.»

Und, ist euch das gelungen? «Ja, auf jeden Fall.»

Sehr nah am Original: Quöllfrisch alkoholfrei

Alkoholfrei ist nicht gleich alkoholfrei

Ich möchte genauer wissen, was Quöllfrisch alkoholfrei von den anderen alkoholfreien Bieren unterscheidet und erhalte einmal mehr einen Crashkurs in Bierwissen.

Exemplarisch, weil es eines meiner Lieblingsbiere ist, kommen wir auf das IPA alkoholfrei zu sprechen. Christian bestätigt, was ich bei jedem Schluck IPA schmecke: Es ist geschmacklich sehr intensiv. «Davon trinkt man höchstens eins bis zwei pro Abend, dann wird es zu herb». Sonnwendlig wiederum zeichne sich durch einen starken Körper und ein gewisse Vollmundigkeit aus, die von der Restsüsse komme. Das entspreche auch nicht dem Geschmack von allen. Im Gegensatz dazu sei das Quöllfrisch geschmacklich «gmögiger», sodass es den ganzen Abend getrunken werden könne. Zweiter Punkt für Quöllfrisch alkoholfrei.

Schonend, ja vorsichtig haben die Biermenschen die Herstellung des jüngsten Bieres angepackt. Deshalb hat die Entwicklung auch lange gedauert – sehr lange. «Es ist definitiv unser ausgefeiltestes Bier momentan. Viel mehr Aufwand wäre nicht mehr drin gewesen», lacht Christian.

Ausgeklügelter als du denkst

In Quöllfrisch alkoholfrei ist natürliches Aroma drin, das den Biergeschmack widerspiegelt. Aroma? Biergeschmack widerspiegeln? Ist denn Quöllfrisch alkoholfrei nicht einfach das legendäre Quöllfrisch hell, das entalkoholisiert wurde?

Bei weitem nicht, wie ich erfahre.

«Alkohol ist ein Geschmacksträger, er bindet Aromen. Fehlt er, kommen diese Aromen weniger zur Geltung. Das muss bei der Produktion von alkoholfreien Bieren berücksichtigt und behoben werden.»

Die Tüftler in der Brauerei haben daher viel Zeit und Arbeit in das Produkt investiert.  

Das Resultat, mit dem das Entwicklungsteam um Firmeninhaber und Ideenlieferant Karl Locher, die Produktionsleiter Max Bürki und Christian Zieger sowie Boris Studer aus dem Labor, zufrieden war, wurde zunächst «sehr breit» getestet: Bierfans und abstinente Personen, Sporttreibende, Freizeitwanderer, Frauen und Männer haben degustiert und ihre Kommentare abgegeben. Das Entwicklungsteam hat das Produkt nach Auswertung des Feedbacks nochmals verfeinert. Ein Jahr später ist es nun da:

«Ein geschmacklich überzeugendes Quöllfrisch alkoholfrei, das dem grossen Namen gerecht wird», wie Christian sichtlich stolz ausführt.  

Die Brauer sind zufrieden mit dem neusten Spross. Wie sieht es ausserhalb der Brauerei aus? Was sagen die Kundinnen und Kunden zum Quöllfrisch alkoholfrei? Nach einer Nachfrage und einem beschwingten Selbstversuch weiss ich mehr.

Eindrücke aus Zürich und Gais

Michael Weishaupt, Aussendienstmitarbeiter in Zürich City erzählt mir am Telefon von einem Degustationsanlass bei Gastronomiebetrieben in Zürich. Die Gastronominnen und Gastronomen hätten Quöllfrisch alkoholfrei vor allem als weniger süsslich, als «bieriger» beschrieben, im Vergleich zu anderen alkoholfreien Bieren.

Befallen von einem mittelgrossen Durst, wie öfters beim Schreiben, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Alkoholfrei! Vollkommen ungefährlich, das Bier vor dem Feierabend zu trinken und dennoch die Buchstaben nicht zu verdrehen! Ich trabe aus dem Büro eine Treppe runter zum Kühlschrank, greife mir eine weisse Büchse kühles Quöllfrisch alkoholfrei, tripple wieder hinauf, lasse die Dose zischen und trinke tippend, bzw. tippe trinkend – mit grossen Schlucken. Mein erster Eindruck ist ungelogen: Schmeckt wie Lagerbier, wie Quöllfrisch mit der blauen Etikette. Bierig, nicht aufdringlich, süffig. Vielleicht meinen die Biermenschen genau das, wenn sie Quöllfrisch hell auf der Website ein «weiches, rundes Mundgefühl» zuschreiben? Im wetterwilden April ist es allemal ein sehr willkommener Durstlöscher. Nur bin ich halt kein Fan von Lagerbieren und mag die herberen, eckigeren Biervarianten lieber, die geschmacklich ein bisschen herausfordernder sind. Nun, Geschmäcker sind verschieden. Daher ist mein sehr subjektives Urteil eine Entwarnung an alle hartgesottenen Quöllfrisch-Fans: Quöllfrisch alkoholfrei schmeckt wie Quöllfrisch hell. Ziel erreicht. Vierter Punkt für Quöllfrisch alkoholfrei und maximale Punktzahl für die tüftelnden Biermenschen in Appenzell. Herausforderung angenommen und mit Bravour gemeistert!

Nippend tippen…

Von Dresden nach Appenzell

Christian Zieger ist seit August 2018 bei der Brauerei. Angefangen hat er in der Abfüllanlage, mittlerweile ist er der stellvertretende Leiter Produktion, d.h. der Stellvertreter von Braumeister Max Bürki. Christian kommt aus Dresden, hat in Bayern bei einer kleinen Brauerei mit offener Gärung gearbeitet, trägt ebenfalls den Braumeister-Titel der Akademie Doemens und ist 2018 der Liebe wegen in die Ostschweiz gekommen. Von der Brauerei Locher hat er bis dahin noch nichts gehört, «aber ich habe den Schritt noch nie bereut.»

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