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«En Senn het ke Uhr a!»

Quöllfrisch unterwegs in Urnäsch AR

Karin Ammann hat für die Brauerei Locher zwei Etiketten gemalt: Die erste 2012 fürs Appenzeller Glühbier, die zweite 2016 fürs alkoholfreie Biermischgetränk Bschorle. Obwohl keine typische Bauernmalerin liebt und produziert sie idyllische Appenzeller Bilder. Und sie malt auf Wunsch auch Traktoren und andere Fahrzeuge, aber keine Strommasten oder Subarus – und auch beim Säntis lässt sie den Sendeturm lieber weg.

20. April 2021. Ich packe Quölli in den Zug, wo natürlich immer noch die falschen Haken montiert sind, aber ich bin der einzige Bahnvelöli heute, und fräse Richtung Gossau-St. Gallen. Es soll auch ein Test sein, wie lange die Batterie noch hält. Die erste Blustfahrt mit Quölli führt von Flawil SG nach Urnäsch, genauer Aeschen, eine Häusergruppe, die von einer Ausserortsstrasse durchfräst wird, auf der bis 80 Stundenkilometer erlaubt sind. Da kann sich einer wie ich nur wundern. Es gebe keine Möglichkeit, eine Temporeduktion zu erwirken, sie hätten das längst versucht. Es heisse nur, das sei eine Ausserortsstrasse. Alles klar, Herr Kommissar?! Nun machen Karin Ammann und Partner Hansjörg mit einem selbstgemachten Schild «Achtung, Kinder!» darauf aufmerksam, dass hier Kinder spielen und langsames Fahren erwünscht und für alle besser ist. Mein Kopfschütteln hallt in die ganze Welt hinaus.

Den Säntis immer im Blick: Drum gibts hier tausendundein Restaurant, Hotel, Altersheim mit Namen «Säntisblick».

Natürlich fluchen die Autofahrer*innen über Zürichs Autoverleidersystem mit 30er-Zonen und Einbahnstrassen. Aber wie ich unterwegs auf Quölli merke, hat es seine Wirkung schon getan: Die Stadt ist eindeutig ruhiger und angenehmer geworden, obwohl natürlich noch immer hoffnungslos verstopft, während mir auf dem «idyllischen» Land der massive Verkehr auf den Hauptstrassen störend auffällt. Und angesichts der abnormal schmalen und gefährlichen Appenzeller Immerhin-Radwege kann man ruhig auch mal wieder hinterfragen, ob es richtig war, in den vergangenen Jahrzehnten alles der Wunderkiste mit vier Rädern unterzuordnen. Immerhin sind sie statt kleiner mehrheitlich zu lastwagenartigen SUVs angeschwollen, was die Radwege noch jämmerlicher werden lässt.

Kühe mit wunderschönen Hörnern: Auch für Karin Ammann haben richtige Kühe Hörner; nur ungern malt sie hornlose.

Der Winter ist vertrieben, das Glühbier auf Eis gestellt

Das signierte Original-Ölgemälde fürs Appenzeller Glühbier, natürlich mit Säntis: Die «Wüeschte» haben den Winter inzwischen erfolgreich vertrieben; von mir aus hätten sie die häufige Bise grad mitvertreiben können. Nur noch hie und da schmelzen letzte Schneeflecken dahin, auf meiner Fahr zu Karin Ammann. Wer entdeckt den schwarzen Vogel, der in jedem ihrer Bilder irgendwo vorkomme?

Ich radle also auf Nebenstrassen bei noch etwas kühlem Traumwetter gen Urnäsch und nehme unübersichtliche Kurven mit allergrösster Vorsicht, da ich weiss, wie die Einheimischen rumblochen. Vorbei an all den tausendundeins Säntisblicks vom Hotel bis zum Altersheim. Der Säntis gehört allen. Und wirklich erstaunlich: Der Appenzeller Superberg (also gebt mir ein Beispiel, in dem er St. Gallisch vereinnahmt wird) erscheint die ganze Zeit vor einem, mal mit Wolkenkappe, mal ohne. Obwohl auch das diesjährige Chlausen von Corona beeinflusst wurde, hat die Wintervertreibung seine Wirkung getan. Es grünt so grün, dass es eine Freude ist. Natürlich bleibt der Winter auf der Glühbier-Etikette, aber vermutlich wird sie erst im nächsten wieder aktiv genutzt werden. Auf den kurvigen Nebenstrassen ist die Idylle einigermassen intakt, praktisch null Verkehr. Wahrscheinlich alle am Mittagessen in den Büezerbeizen. Kühe mit wunderschön gekrümmten Hörnern, keine einzige hornlose, friedlich weidende Schafe. Geissen sehe ich auf dieser Fahrt keine. Ein paar müde Gümmeler in Leuchtplastik gekleidet. Nein, das werde ich mir und dir nie antun, gell Quölli! Ich tätschle ihm beruhigend auf den Akkukasten. Waldstatt – Urnäsch. In Urnäsch wird ja auch der Hornkuhkäse mit dem Appenzeller Holzfassbier hergestellt, gell. Zürchersmühle – Aeschen. Karin Ammann hat mir am Telefon den Weg folgendermassen beschrieben. Käme man von Hundwil her, sei es das Haus, in das man Krachen würde, wenn man in der Kurve direkt davor gradaus führe. Ich Schlaumeier krache lieber nicht, nähere mich von Urnäsch her und ziehe dann später gen Hundwil hin ab.

Vorschlag 2 für Glühbier: Die «Schö-Wüeschte». Em Bläss sinds nöd ghür.
Vorschlag 3 für Glühbier: Die «Schöne». Der Bläss schläft wahrscheinlich schon.

Ein Autofest mit Musik und Geselligkeit als Anfang

Karin Ammann empfängt mich schon vor der Tür. Zusammen mit Ehepartner Hansjörg setzen wir uns an den Esstisch mit dem ordli grossen Fernseher. Ansonsten sind die Wände eher spärlich bebildert. Zwei gemalte Hornkühe auf schwarzem Grund und einige Familienfotos. Der wandmontierte Smart-TV, unter dem ich sitze, wird mich später, wenn Hansjörg schon längst beim Holzen im nahen Wald ist, noch ganz schön erschrecken: Als Karin Ammann über Essen spricht, empfiehlt eine mechanische Frauenstimme plötzlich irgendwelche asiatischen Quinoa-Speisen auf Englisch. Das komme immer wieder mal vor, obwohl der erst kürzlich montierte Apparat nicht mal auf Standby, also ausgeschaltet sei, meint sie, nachdem ich mich von meinem halben Herzchriesi erholt habe. Sie wisse auch nicht, warum. Aber der Gegensatz zwischen idyllischer Tradition und moderner Technikwelt zieht sich wie ein roter Faden durch den Tag. Die Sehnsucht nach problemfreier Harmonie und Geborgenheit trifft auf Vor- und Nachteile von Gegenwart und ungeschönter Wirklichkeit.

Karin Ammann und Partner Hansjörg: Sie erzählt so temperamentvoll, dass die Kamera nur ihn scharf erwirscht hat. Er ist Zimmermann und im Wald mit Holzen beschäftigt, also im «Öbergwändli».

Als hätte ichs geahnt, hat mich ja auf der Fahrt schon die ganze Autofahrerei beschäftigt. Es war Intuition. Denn die Initialzündung zur Auftragvergabe der Glühbieretikette fand an einer Auto-Ausstellung mit Festwirtschaft und Musik statt. Da machten jeweils alle Autogaragen der Gegend mit. Und weil der Schwiegervater ihrer Tochter dort Musik machte, seien sie natürlich da gewesen, erzählt Karin Ammann. Dort habe man Raphael Locher getroffen, den Cousin von Karl Locher; die beiden haben 1996 die Brauerei Locher in der 5. Generation übernommen. Hansjörg kannte Raphael, der sich inzwischen aus dem Geschäft zurückgezogen hat, aus der RS und der musizierende Schwiegervater habe irgendwann gesagt, dass hier eine Malerin sitze, falls er einmal eine schöne Etikette brauche. Danach vergingen einige Wochen, bis eines Tage jemand aus dem Marketing anrief, ob er vorbeikommen könne, um Karin Ammanns Bilder anzuschauen. Er kam und der Auftrag fürs Glühbier mit ihm: Es sollten Ausserhoder Silvesterchläuse drauf. Sie malte dann drei Bilder mit schönen, wüesten und schön-wüesten Silvesterchläusen. Die Brauerei wählte die Wüesten. Das «Umehocke» beim Autofest hatte sich also ausgezahlt.

Wikipedia erklärt: Die «Schöne» haben kunstvoll und reich verzierte Kopfbedeckungen, sogenannte Hauben, mit Szenen aus dem bäuerlichen Alltag, dem heimischen Brauchtum, dem Handwerk, spezielle Bauten, Sport, oder dem Familienleben, die in Handarbeit in hunderten von Freizeitstunden angefertigt werden. Sie tragen eine Tracht-ähnliche Kleidung. Die «Schö-Wüeschte» haben eine Kostümierung aus Tannenreisig, Moos und anderen Naturmaterialien und Kopfbedeckungen, die eine ähnliche Form derer der Schöne gleicht, aber mit Naturmaterialien verziert ist. Diese Zwischenform gibt es erst seit den 1960er-Jahren. Die «Wüeschte» tragen ein Kostüm aus den gleichen Materialien wie die Schö-Wüeschte, jedoch sind diese Kostüme viel grober und wuchtiger in ihrem Aussehen. Auf dem Kopf befindet sich bei den Wüeschte ein schön gearbeiteter Hut oder ein Helm, der ein wildes Erscheinen hat.

Der fliegende «Kollege» und die Oberegger Hochstämme

Plötzlich sagt Karin Ammann zu Hansjörg: «Din Kolleg suecht di.» Sie meint den Milan, der vor dem Fenster grad einen Schatten des Vorüberfliegens geworfen hat. «Er hät no nüt z Mittag übercho.» Sie hätten sich im Garten eine sehr feine Locher-Pizza geteilt. Der Milan, der sonst immer etwas abbekomme, sei wohl enttäuscht; aber eine Pizza durch drei, wär dann doch zuwenig. Tatsächlich ist auch mir schon der in Hausnähe kreisende grosse Raubvogel mit dem «Schwalbenschwanz» aufgefallen. Der habe eine Spannweite bis einen Meter sechzig, sagt Kollege Hansjörg, der von Beruf Zimmermann ist und zuständig für alles Handwerkliche. Als wir draussen nach ihm Ausschau halten, muss sich ennet der Strasse ein «Hühnervogel» oder Mäusebussard grad einer Krähe erwehren. Meist ziehen ja die Raubvögel genervt von dannen. Der Milan segelt hingegen seelenruhig auf der andern Seite am Himmel. Die Szene passt gut zu den beiden: Sie sind sehr naturverbunden. Das leben sie auch mit ihrem Wohnmobil leidenschaftlich aus, vor allem seit Hansjörg pensioniert ist. Immer dabei sind dann auch zwei 25-kmh-E-Bikes für Tagesausflüge. Und sie geniesst es, leidenschaftliche Grossmutter der Kinder ihres Sohnes und ihrer Tochter zu sein.

Karin Ammann mag wie ich die lustigen und schlauen Krähen. Auf ihren Bildern habe sie immer irgendwo einen schwarzen Vogel als Markenzeichen drauf. Auf dem Glühbier-Bild habe ich ihn entdeckt. Aber auf der Bschorle-Etikette finde ich auch nach längerer Suche keinen; der auf dem Kirchturm entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Kreuz. Das liegt vielleicht daran, dass es eine Auftragsarbeit war. Dafür fällt ins Auge dass der Birnbaum im Vordergrund und die dahinter stehenden Apfelbäume gleichzeitig Blüten und Früchte tragen. «Ich würde das nie so malen», sagt sie, die es dann doch getan hat. Aber Karl Locher und ein Brauereimitarbeiter, ein Hoher, dessen Namen sie nicht mehr weiss, wünschten das, als sie ihnen ihren Entwurf unterbreitete. Also habe sie geantortet: «Ja, wenn ihr das so wollt, mache ich es.» Eigentlich male sie nur, was sie sehe, also nichts Surreales. Die beiden hätten ihr das Blaue vom Himmel herunter erzählt, das sei ja gerade das Besondere an den Oberegger Hochstämmen, dass sie Blüten und Früchte trügen. Und das wiederum sei ja auch grad das Besondere am Bschorle. Fast hätte sies geglaubt, so überzeugend waren die beiden. Dann hat es sie aber doch «vertätscht» vor Lachen.

Das «Bschorle» hat ja immer Saison: Darum tragen die blühenden Bäume schon Früchte. Dass sie auf dem Oberegger Kirchendach die Photovoltaikanlage ganz unbewusst mitgemalt hat, wird Karin Ammann erst jetzt wirklich glauben. Die Obereggler haben mir ihre Freude darüber schon früher mitgeteilt.

Vielleicht ist dabei der schwarze Vogel ins Vergessen geflogen… oder die drei überstelligen Katzen haben ihn vertrieben. Ausserdem hätte man doch gleich auf den Bäumen schon Äpfel mit Birnen und Blüten mischen können, also Ganzjahres-Bireöpfelböm. Da würde die Welt noch mehr staunen! Rechts hinter der den Hochstammbäumen ist das Dorf Oberegg mit der auffälligen Kirche zu sehen. Ich habe schon beim ersten Besuch bei Fredi Klee darüber berichtet, dass die Obereggler sehr stolz auf «ihr» Bschorle sind – und auch darauf, dass die Künstlerin das Kirchendach samt neuer Photovoltaik-Anlage gemalt habe. Karin Ammann wollte es nicht glauben, als ich sie darauf hinwies. «Nei, da moli nöd!», sagt sie entschieden. Die graue Fläche auf ihrem Bild könnte natürlich auch ein Blechdach sein. Aber schon wieder zeigt sich: Die Technik stösst auf die Obstpflück-Idylle, die heutzutage zumeist in Niederstammanlagen stattfindet. In echt steigt ja kein Mensch für Mostobst auf der Leiter den Baum hoch, um die Birnen von Hand zu pflücken. Das Fallobst wird aufgelesen, die Bäume je nachdem geschüttelt. Aber gut: Damit die Blüten an den weltweit einzigartigen Oberegger Bschorle-Bäumen nicht mit heruntergeschüttelt werden, muss man die reifen Birnen einzeln pflücken. Logisch.

Detailreichtum und Genauigkeit – und was nicht passt, bleibt weg

Hansjörg verabschiedet sich, um im vom Haus aus sichtbaren Wald weiterzuholzen. In Karin Ammanns Bilderwelt fliesst nur ein, was sie erlaubt. Was ihr gegen den Strich geht, lässt sie einfach weg. Bei Auftragsbildern springt sie aber schon auch mal über den eigenen Schatten, um Kundenwünsche zu erfüllen. Aber einen Subaru vor dem Haus würde sie nie malen, sagt sie empört. Was sie auch nicht mag, sind die neuen Ställe, die nicht zu den alten Häusern passen, im Vergleich zum Haus viel zu gross und plump sind. Überhaupt kommt Karin Ammann ordli in Fahrt, wenn sie darüber referiert, was sie auf ein Bild drauf nimmt und was nicht. So lässt sie auch Strom- und Telefonmasten oder Satellitenteller, äh, -schüsseln, «äfach da Glump do» konsequent weg. So ist der Sendeturm auf dem vielgemalten Säntis oft nicht zu sehen. Nicht immer, aber ägetli lieber. Es geht um die Harmonie der gemalten Szenen. Was sie in der Wirklichkeit stört, lässt sie einfach weg. Das Resultat sind Bilder, die Frieden und Lebensfreude ausstrahlen. Probleme gibts ja in der Welt genug, da muss man sie nicht noch malerisch darstellen.

Im Hintergrund der Säntis «mit» von Karin Ammann: Kästchen mit Schnitzereien von Hans Haas.

Karin Ammann zeigt mir auf dem Handy Fotos von Aufträgen, auf denen vor dem Appenzellerhaus ein Traktor steht. Damit hat sie überhaupt kein Problem, das ist ein Werkzeug, das heutzutage auf den Bauernhof gehört. Hier ein Überblick ihrer Bilder auf ihrer Website. Auch einen Blochwagen, mehrere Lastwagen, eine Postkutsche und einen Oldtimer zeigt sie mir. Bau- und Holzerkräne habe sie ebenfalls schon gemalt. Auf Wunsch macht sie das gerne. Meistens bekommt sie ein Foto und malt damit dann ein Bild, manchmal muss sie selber fotografieren. Für die Weissküferei Stauffacher in Ennetbüehl kann sie viele Aufträgsarbeiten ausführen, vom beschnitzten Käseteller bis zur Wanduhr oder Eimerböden. Dort muss sie manchmal preisgekrönte Kühe ohne Hörner malen, geht nicht anders. Aber sonst sagt sie zum Hornlosvieh: «Da tuet jo weh bim Mole.» Vom Weissküfer, der auch Postkutschenfahrten anbietet, kommt «en Art all Woche öppis Chlises». Und siehe: Da steht doch tatsächlich auch ein schwarzer Ford Mustang mitten in der in der grünen Wiese – vor blühenden Bäumen ohne Früchte. Und fast hät ich den Victorinox-Sackhegel vergessen, bedruckt ihrem Gemälde einer Schuppel «Schöne», die an einem Holzzaun entlang durch den Schnee stapft.

Die zäuerlnde Säge mit «Schöne» und «Wüeschte» in tief verschneiter Winterlandschaft.
Die friedlichste Säge zeigt der Welt bunte Zähne.

Karin Ammanns Grossvater war Kupferstecher, sie war viel bei ihm. Und eigentlich habe sie immer gemalt. Von da kommt vielleicht die Genauigkeit, mit der sie Details wiedergibt. Beispielsweise die Knüpfungen der Wagenladungen; da sieht man nie moderne Spanngurten in leuchtenden Farben. Natürlich müssen auch die Reihenfolge und die Trachten der Alpaufzüge stimmen. Am meisten habe sie bezüglich der korrekten Darstellungen der Bauernmalerei-Sujets vom bekannten Herisauer Schnitzer Hans Haas, einem früheren Verdingkind, gelernt. Der habe sie angefragt, Hintergründe für seine Kästen mit Holzfiguren zu malen. Wenn sie beispielsweise eine Hochzeitsgesellschaft machen musste, die Beschläge der Pferde und so, konnte konnte sie zu ihm in sein winziges «Schnitzbüdeli» gehen und sagen: «Du, Hans, i sött da und da mache.» Er sagte: «Wart!», machte den Kasten au und zog ein Bild hervor. Als sie einmal einen Senn vor der Alphütte mit Kühen, Geissen und Bläss gemalt hatte, sagte er: «Da chascht gad vergässe! En Uhr a!» – «Aber dä hät wörkli en Uhr a gha.» – «En Senn hät ke Uhr a!» Die haben eine Sackuhr. Ein Gelbhösler darf weder mit Uhr noch mit Stecken gezeigt werden.

Kann man immer brauchen: Karin Ammanns Sujet auf dem Victorinox-Sackhegel.
Die sieben «Hörnli-Schuppel»-Figuren des Wandbildes im Hirschen Hundwil hat sie für sich noch einmal gemalt:

Meist verwendet Karin Ammann Acrylfarben, fürs Glühbier hat sie mit ungeliebten Ölfarben gemalt; sie mag schon den Geruch nicht. Die beiden Originale fürs Glühbier und das Bschorle gehören der Brauerei. Zudem hat sie unterschrieben, die beiden Bilder kein zweites Mal zu malen. Auf dem Rundgang durch das Haus und ihr kleines Atelier entdeckt man Malereien auf Sägen, Fenstern und Stalltüren. Fotografieren ist aufgrund der vielen Ecken und Engen und Beleuchtungssituationen im Haus relativ schwierig. Me nämeds, wies chunt. Die meisten Bilder sind auf Leinwand gemalt, andere auf Holzstücke mit Rinde. Die Sujets: Appenzeller Landschaften mit Appenzeller Bauernhäusern oder ohne, Sennen, Kinder, Kühe, Geissen, Bläss, Kuhglocken. Silversterchlausszenen mit Wüesten, Schönen oder Schön-Wüesten, immer schön unter sich. Alpauf- und Abfahrtsszenen. Also die klassischen Sujets der Appenzeller Bauernmalerei. Aber eine «richtige» Bauernmalerin sei sie nicht, dafür male sie zuwenig naiv.

Neu und alt, Kuh und Muni: Bemaltes Fenster zwischen zwei unbemalten.

«Da isch de Hörnli-Schuppel», erklärt sie vor sechs Bildern im Gang. Diese Figuren habe sie im Hirschen in Hundwil an die Wand gemalt und danach für sich noch einmal auf Leinwand. Viele Bilder legen wir zum Anschauen aufs Gästebett. Eine panorama-artige «Öberefahrt» mit vorgezeichneten Figuren und Häusern hat sie in Arbeit. Eine Auftragsarbeit. Sie brauche noch einen «Sauewage», die gebe es eben heute gar nicht mehr. Die Sauen dürfen im Lastwagen fahren, darum sind sie auch von den Darstellungen verschwunden. Das Appenzeller Brauchtummuseum Urnäsch beschreibt die Alpfahrt (Öberefahre) so: In Urnäsch spielt die Alpfahrt eine besondere Rolle. Die meisten Alpen Appenzell Ausserrhodens sind über die Hauptstrasse des Dorfes erschlossen. Jährlich ziehen rund 60 Sennten (Viehhaben) anfangs Sommer durch das Dorf, um ihre Alpen zu bestossen (mit Vieh zu besetzen) und kehren im Spätsommer auf demselben Weg zurück.

Work in progress mit Säntis: Fehlt noch der Sauenwagen ganz hinten, also ausserhalb der Fotografie, der Rest ist zumindest vorgezeichnet.

Die grösste permanente Ausstellung hat Karin Ammann im Café Restaurant und Laden im Hirschen Hundwil. Dort könne sie die Bilder auch selbständig auswechseln. Auch ein Wandbild mit schönen Silvesterchläusen und Säntis (ohne Sendeturm) hat sie dort geschaffen. So fräse ich denn kurz vor Ladenschluss nach Hundwil und darf in den menschenleeren Innenräumen die ständige Ausstellung anschauen und ein paar Föteli schiessen. Dann gehts runter nach Gossau, wo ich das Fläschchen Quöllfrisch hell mit der Hans Fischli-Etikette geniesse, das mir der vom Wald zurückgekehrte Grillmeister Hansjörg mitgegeben hat. Ob der Milan etwas vom Znacht bekommen hat, weiss ich nicht.

Grosses Wandbild vom «Hörnli-Schuppel» im Restaurant Hirschen in Hundwil. Mir gefallen natürlich auch die küssenden Kalenderschweine über dem Home-Kissen.
Im Café sitzt zur Zeit leider niemand.
Auch da: Neue Technik verstellt den Blick auf die Bauern- und Sennenidylle der hoch hängenden Bilder.
Brotlose Kunst? – Mitnichten. Zwei Bilder von Karin Ammann in der abendlichen Bäckerei des Hirschen Hundwil.

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