«Em Sebe ischt doch all nebes Chogs in Sinn cho.»

«Em Sebe ischt doch all nebes Chogs in Sinn cho.»

Quöllfrisch unterwegs mit der Appenzeller Zeitmaschine

Einer muss einmal angefangen haben mit der Gestaltung der aktuellen Etiketten für die Brauerei Locher: Die älteste und immer noch meistbenutzte ist diejenige mit dem Seealpsee von Alfred Fischli aus dem Jahr 1992, wird also nächstes Jahr dreissig.

In der Sammlung mit Alfred Fischlis Etikette fehlen nur noch das Petite fraîche und Quöllfrisch dunkel.

Simon Enzler hats uns ja schon geflüstert, dass sein Grossvater, der bekannte Bauernmaler und Verfasser von Mundartliteratur Alfred Fischli – geboren am 4. April 1921 in Appenzell, gestorben am am 21. Januar 2007 im Alter von 85 Jahren – die wohl am meisten verbreitete aller Appenzeller Bieretiketten gemalt hat. Sie zeigt den legendären Seealpsee vor dem Hintergrund der Rossmad mit ihrer spitzigen Nase. Weiter hinten kratzen der Alte Mann und der Säntis am Blauhimmel. Fischlis Etikette ist also bereits seit stolzen 29 Jahren im Amt und quasi vor aller Munde. Beispielsweise auf dem zschsch! kühlen Blonden aus der blauen Dose; manche nennen die Büchse zärtilich «mis Quölli», weshalb ja auch das Quöllfrisch unterwegs-Bike auf diesen Namen hört, obwohl der Stromer – wenn nicht gerade voller Prärie- und Saharasand aufgrund abenteuerlichem Höllenritt durch Schweizer Lande – schwärzer als schwarz ist. Oder klack!, schon schäumt das grünglasige Quöllfrisch Lagerbier vor Freude über, schlürf!, grad nomol guet gange. Ahh! Wobei Alfred Fischlis Original für die Dose ordeli verändert wurde (s. Bild oben und entdecke die Unterschiede!), aber davon später. Auch das Quöllfrisch dunkel und das mit westschweizer Gerste gebraute Petite fraîche tragen das Bild des einmalig schönen Seealpsees und des Appenzeller Brauchtums in die Welt hinaus.

Alfred Fischli – verbunden mit Land und Leuten

Alfred Fischlis Eltern waren aus dem glarnerischen Näfels nach Appenzell gezogen, wo der spätere Elektriker, Bauernmaler, Gastwirt, Journalist, Regisseur und Verfasser von Mundartliteratur im Dorfkern aufwuchs. Der Vater war Pöstler, die Mutter die bekannte Innerrhoder Sängerin Marie Fischli-Fässler. Das Künstlerische lag also schon in der Familie und zeigte sich auch im 14 Personen zählenden Mehrgenerationenhaushalt der «Sattler Fässlers». Es war immer etwas los und Kunsthandwerk spielte nicht nur in Alfreds Leben eine tragende Rolle. Aber einfach war und ist das alles nicht.

Ausschnitt aus einer Schweizer Zeitschrift: Alfred Fischli beim Malen, ca. 1954, also ganz am Anfang seiner Malerkarriere.

Alfred Fischli kam als zweites von insgesamt vier Kindern zur Welt – zwei Minuten vor seinem ebenfalls als Appenzeller Volksmaler bekannt gewordenen Zwillingsbruder Markus. Wie bei Zwillingen oft, blieben die beiden das ganze Leben miteinander verbunden, allerdings durchaus auch mit längeren schwierigen Phasen. Der frühe Tod des Vaters Josef Fischli im Jahr 1933 – mit gerade mal 41 Jahren – prägte die beiden. Trotz ihrer künstlerischen Begabung mussten sie einen «richtigen Beruf» erlernen. Alfred absolvierte in der Folge eine 3jährige Lehre im EWA (Elektrizitätswerk Appenzell) und war über 22 Jahre als Landmonteur im Kanton Innerrhoden unterwegs, um die Bauernhöfe mit dem Stromnetz zu verbinden. Ist noch gar nicht so lange her, dass man nicht einfach den Schalter drücken konnte und es ward Licht. Es erinnert an den Quöllfrisch unterwegs-Blogger, wie Alfred Fischli zu den teilweise im hintersten Krachen liegenden Höfe kam: Immer mit Rucksack und seinem «Waffenrad» der Marke «Steyr» (natürlich nur mit Muskelmotor) – und im Winter auf Skiern. Dazu schrieb er später: «Es war eine oft nicht leichte, aber doch schöne und unvergessliche Zeit, die mich in Verbindung brachte mit Land und Volk, mit Seele und Gemüt desselben und mit dem unerschöpflichen Reichtum an Kultur und Brauchtum.»

Der Landmonteur

Eine Bekannte sagt über den Einfallsreichtum von Alfred Fischli: «De seb Alfred ischt en loschtege Ooflood gsee – em Sebe ischt doch all nebes Chogs in Sinn cho.» Das Schlitzohr zeigt sich auch in folgender Anekdote aus dem gemeinsamen Militärdienst mit dem Zwillingsbruder in der Innerschweiz: Markus hatte sich eine Dorfschönheit angelacht und hielt damit nicht hinter dem Berg. Auch genoss er dadurch gewisse Annehmlichkeiten, die den Kameraden abgingen. Als er an einem Wochenende Urlaub nahm und nach Hause reiste, fand sich Alfred schnurstracks bei Markus Geliebter ein und gab sich als selbiger aus. Sie merkte nichts. Aber der Gehörnte kam ihm auf die Schliche, als sie das Wochenende mit ihm, Markus, als das schönste von allen bisherigen einstufte. Wie sie die Sache miteinander geklärt haben, ist nicht bekannt.

Alfred Fischlis 1976 geborener Enkel, der Kabarettist und Satiriker Simon Enzler (er malt übrigens auch), berichtet aus zwei Ferienreisen ins Südtirol: Ich hatte immer ein ganz spezielles Verhältnis zu meinem Grossvater und war sogar zweimal mit ihm in seinem geliebten Südtirol in den Ferien. Ich hatte den Führerschein noch nicht lange. Mein Grossvater wollte mir den Umbrail Pass zeigen, wo sein Vater im ersten Weltkrieg im Einsatz war. Und er wollte die Passhöhe tatsächlich im zweiten Gang erreichen, höchstens. Er war nie ein guter Autofahrer, aber ein einsichtiger. Dank meinem Mitleid mit dem Getriebe überliess er mir von nun an das Steuer und siehe da: Man kann Serpentinen tatsächlich auch fahren, ohne jedes Mal mit den hinteren Rädern die Randsteine zu touchieren. Ich genoss die langen Abende in Vinschgauer Gasthöfen voller Köstlichkeiten und Nostalgie. Mein Grossvater war ein wunderbarer Erzähler. Bei ihm war alles wichtig und dramatisch. Eines langen Abends, der letzte Marillenlikör war grad getrunken, machten wir uns auf den Heimweg von einem Gasthof zum Hotel. Es war eine kühle Nacht. Vor dem Hoteleingang bemerkte mein Grossvater, dass er den Schlüssel in der Rezeption gelassen hatte. Wir klopften, warfen Steinchen an die Scheibe, es nützte nichts. Niemand öffnete uns. Da blieb uns nichts anderes übrig, als im Auto zu schlafen. Das war eine Szene. Zwei alte Pfadfinder wissen sich zu helfen. Die Vordersitze einigermassen nach hinten geklappt, krempelte sich mein Grossvater den Kragen seines schweren Lodenmantels hoch, drehte sich zur Seite und schlief wie ein Kind. Aber erst nachdem wir eine gefühlte halbe Stunde über uns selber gelacht hatten. 

CD-Cover «Der Landmonteur», erzählt von Alfred Fischli im Appenzeller Dialekt

Er habe seinen Grossvater – den begnadeten Geschichtenerzähler – eines Tages quasi genötigt, sich an den Küchentisch zu setzen, ein Aufnahmegerät aufgestellt und gesagt, so jetzt verzell aus deiner Zeit als Landmonteur. Und damit nicht die Faust, die dieser beim Erzählen immer auf den Tisch haute, die Aufnahme zerstörte, legte er ihm ein Kissen hin. Daraus wurde ein Hörbuch aus Appenzell mit dem Titel «Der Landmonteur (Link zu Download oder CD-Bestellung). Alfred Fischli spricht einen wunderschön urigen Appenzeller Dialekt und als in Zürich lebender Häädler mit panostschweizerischem Dialektgemisch stehe ich bei manchen Ausdrücken wie der Maulesel am Säntis.

Ich versuche also, den Anfang der Geschichte «E Becheli Holderwii» einigermassen original wiederzugeben, quasi als Müsterli seiner lebendigen Erzählweise: «Wieder emol häts denn en Wechsel geh, im Werk i de Leitig. Und zwor häts en neue Chefmonteur geh. Das wo döre gsickeret isch, denn i de Bude onne, jo, es sei ein vo Zöri und sei ganz en tüchtige Ma. Jojo – wa hetemer wölle mache. Denn ischte ebe cho. Hät sech den aschtändig vogschtellt, Lamparter häss er, ond er hoffi uf e guets Iverneh. Ond eh, wär natürli möglich gseh, dass öppen en Änderig gäb. Do hani scho gschtutzt ond tänkt, jäh, de Tüüfel trout em Apotheker! Ond wes eben ischt ond weme z Innerrhode all gsät het: Di neue Bäse fürbet wohl, ond di alte wesset d Winkel all. Isch ou asen use cho. Ganz sachte ond möglechscht fii häts dänn det en Änderig gäh ond denn plötzlech isch näbis cho, wome gar nöd in Chrom ine passt het: e neuis Rapportsyschtem. Da ha doch i gar nöd kennt als Landmonteur. …»

Eine schöne Geschichte ist auch die des «kommunistischen» Gewerkschafters Fischli, der am Tag der Arbeit schon um 6.45 Uhr im katholischen Appenzell – mit extra in der EPA St. Gallen gekaufter knallroter Krawatte und im Sonntagsstaat und «miteme Prögel ond eme rote Tuech, we en Fahne» – von den «Genossen» des Verbandes Öffentliche Dienste im Stich gelassen mausbeinallein auf dem Landsgemeindeplatz demonstrierte. Sie hatten abgemacht: Am erschte Mai wert rondament nöd gewächet! Als er einen um den andern im Übergewand zur Bude schleichen sah, gab auch er auf und ging «voll Täubi» arbeiten. Aber organisieren werde er sich nie mehr: «Jetz bin i de Laggierte ond de Esel, göll, ond stand do mit em schöne Hässli ond em Grawättli, göll, ond er versecklet äm eso!» Schluss mit der Partei.

Ein Fischli und drei Vögel

1952 heiratete Alfred Fischli Heidy Signer. Bis 1965 kamen sechs Kinder zur Welt. Ein-zwei Jahre nach der Hochzeit muss Alfred Fischli in der Freizeit als Autodidakt zu malen begonnen haben. Seine Bilder zeigen praktisch immer Alpfahrtsszenen und Landschaftsdarstellungen, wie auf dem mit 1992 datierten Bild der nächtlichen Ebenalp im Winter. Er wollte das Leben der Appenzeller Bauern und ihrer Familien wiedergeben – so wie er es bei seiner Arbeit erlebt und beobachtet hatte. Bei dieser nicht-akademischen Malerei kommt es zumeist weniger auf die «richtige» Perspektive an, umso mehr auf winzige Details. Und fast immer geht es auch um die Harmonie von Mensch, Tier und Landschaft. Die beruhigenden Idyllen tragen vermutlich wesentlich zur allgemeinen Beliebtheit der Appenzeller Volksmalerei bei. Hier oben im Appenzellerland ist die Welt eben noch rondom in Ordnung.

Alfred Fischli: Ebenalp im Winter, 1952. Mit typischen Signaturmerkmalen: Name, Initialen, Fisch und Jahr (unten rechts); drei V-förmige schwarze Vögel am Himmel (oben links).

Der weltbekannte Jean Dubuffet nannte diese gefühls- und herzgesteuerte Kunst «Art brut»; seine weltbekannte Sammlung Collection de l’Art Brut ist dauerhaft in Lausanne zu sehen – ob allerdings die Appenzeller Malerei darin vertreten ist, weiss ich im Moment nicht. Der mittlerweile berühmte und inzwischen zu ordentlichen Preisen gehandelte Hans Krüsi, der am Bahnhof St. Gallen, aber auch in Zürich, Alpenrosen und seine – auf Altkarton, Servietten und anderem, was ihm grad in die Hände fiel – gemalten Sujets verkaufte, hat mit ziemlicher Sicherheit Eingang in die Sammlung gefunden; bei Gret Zellweger, der Gestalterin zweier Appenzeller Bier-Etiketten, habe ich über der Tür zwei seiner Werke entdeckt.

Zwei Originale und ein Plakat eines Originals: 3 x Hans Krüsi bei Gret Zellweger.

Alfred Fischli restaurierte und bemalte auch – wie sein Bruder Markus – alte Schränke, Kommoden und Truhen. 1963 machte er das Malen zu seinem Hauptberuf, da die Appenzeller Sennentum- und Bauernmalerei gerade einen Höhenflug erlebte. Bald schon wurden seine Werke in vielen Schweizer Galerien gezeigt – einmal auch in München. Viele angehende Appenzeller Volksmaler lernten bei und von ihm. Zu seinem Leidwesen erhielten manche von ihnen den Appenzeller Kulturpreis, der ihm Zeit seines Lebens verwehrt blieb. Alfred Fischli signierte mit seinem Namen, seinen Initialen, einem Fisch und mit drei V-förmigen schwarzen Vögeln im Himmel seiner Landschaften.

Alfred Fischli um 1958 mit den ersten drei seiner sechs Kinder: Lukretia, Aurel und Isabella.

Es war aber nicht alles Idylle, was Alfred Fischli künstlerisch anpackte: 1959 schrieb und inszenierte er mit grossem Erfolg für die Theatergesellschaft Appenzell mit der Tragödie «Anna Koch» ein abendfüllendes historisches Theaterstück nach einer wahren Geschichte, in der Gattin Heidy Fischli-Signer die Hauptrolle spielte. Zu ihrer Leistung am 5. November 1959 im Saal des Hotels Säntis am Landsgemeindeplatz berichtete der Appenzeller Volksfreund vom 7. November: «Mit einem ebenso kraftvollen Talent im Wort wie in der Mimik wird hier die Hauptfigur mitreissend gestaltet. Beim ersten Wort der Anna Koch spürt man, dass ein Stück Leben auf die Bühne gebracht wird. Sie treibt mit fast elementarer Kraft den Ablauf des Geschehens auch über die teilweise langatmigeren Stellen hinweg und sie vermag sogar seelische Vorgänge überzeugend darzustellen …». Das Stück handelt von der Mörderin Anna Koch (Heidy Fischli-Signer), die fälschlicherweise ihren Liebhaber Johann Baptist Mazenauer (Hans Sutter, Saul/Gehrenberg) beschuldigte, Magdalena Fässler umgebracht zu haben. Sie war der letzte Mensch, an dem im Kanton Appenzell Innerrhoden die Todesstrafe vollstreckt wurde.

Weitere Theaterstücke folgten, die Alfred Fischli als Autor und Regisseur etablierten. Bei mehreren grossen Festspielen führte er Regie, darunter 700 Jahre Appenzell im Bund der Eidgenossen, 700 Jahre Appenzeller Käse, 500 Jahre Teufen, 300 Jahre Wald, 1200 Jahre Goldach. Zudem reüssierte er auch in einem weiteren Brotjob als Zeichnungslehrer am Appenzeller Gymnasium.

Vom Tischset zum Quöllfrisch-Sujet

Rote Backen sind Trumpf: Das nach wie vor quöllfrische Tischset, das Alfred Fischli 1971 für die Brauerei Locher malte.

Neben ihren künstlerischen Tätigkeiten betätigten sich Alfred und Heidy Fischli auch als Gastwirte und schenkten da mit hundertzwanzig prozentiger Sicherheit auch quöllfrisches Appenzeller Bier aus: 1969 führten sie für 5 Jahre das Bahnhofsrestaurant Wasserauen, danach für 6 Jahre das Restaurant «Säntisblick» in Urnäsch und schliesslich noch für 2 Jahre das Restaurant «Zebra» in Appenzell. Ich nehme mal an, sie haben das 1971 von Alfred Fischli für die Brauerei Locher gemalte Tischset rege genutzt – jassende Bauern in einer hämeligen Appenzeller Wirtsstube, die von einer Kellnerin in Tracht mit Appenzeller Bier bedient werden. Und weil es auf dem Schiefertisch keinen Platz hatte, stellte man die Getränke einfach auf den Boden. Auch ist noch weit und breit keine elektrische Lampe zu sehen, nur ein Öllämpchen steht auf dem Kachelofen. Tausende von Menschen haben dem Tischset ihre Essen genossen – über rund ein halbes Jahrhundert. Weitere Werbeaufträge folgten. Als er 1992 dann den Auftrag für das Quöllfrisch-Sujet bekam, ahnte er nicht, dass sein Bild sogar per Flugzeug in alle Welt getragen werden würde. Es ist rechts über den Geissen mit den Initialen AF, dem Fisch und der Jahreszahl 83 signiert; auch die drei schwarzen Vögel sind am Himmel zu sehen. Es machte ihn als Appenzeller Bauernmaler weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Alfred Fischlis Original-Gemälde von 1983. Rechts über den Geissen die Signatur AF mit Fisch und Jahreszahl; am Himmel (links oben) auch die drei schwarzen Signatur-Vögel.

Das Fischli-Original zeigt drei Appenzeller Sennen in Tracht am Ufer des Seealpsees – neben dem legendären Berggasthaus Seealpsee am linken Rand – beim Schellenschütten. Wobei nur zwei die Schellen schütten und einer mit Stock daneben steht. Und der eine Schellenschütter hat noch Zeit, sein Lindauerli aus dem Mund zu nehmen, um etwas zu sagen oder zu singen. Ja, was wohl?

Natürlich seckelt ein Appizölle Bläss herum. Nein, der Bläss seckelt überhaupt nicht herum, obwohl ihm seine rote Zunge genauso weit zum Hals raushängt, als hätte er sie sich aus dem Leib gerannt. Er säumt die Sennen auf der linken Seite. Pro Spezie Rara: Wie alle Schweizer Sennenhunde ist auch der Appenzeller Sennenhund von den Bergbauern auf seinen Einsatz als Hüte- und Wachhund hin selektioniert worden. Entstanden ist ein intelligenter, mutiger und ausdauernder Helfer, der sowohl als Arbeits- wie auch als Familienhund sehr geschätzt wird. Das Pendant zum Bläss auf der rechten Seite ist eine etwas klein geratene Braunvieh-Kuh mit Hörnern. Könnte es sein, dass sie ihre Glocke zurück will? Gang rüef de Brune, gang rüef de Gäle…

Im Hintergrund weiden sieben weisse Appizölle Gäässe. Die sieben Geisslein? Pro Spezie Rara: Die ganze Schweiz kennt die eleganten weissen Ziegen, die im Appenzellerland seit Generationen jedem Alpauf- und abtrieb vorausgehen, mindestens von Fotos. Appenzellerziegen sind ein Paradebeispiel für die kulturelle Verankerung einer Rasse in ihrem Ursprungsgebiet. Die Menschen und Tiere in der sorgfältig und detailgetreu wiedergegebenen Appenzeller Landschaft und auch die roten Blumen zeigen die tiefe Verbundenheit Fischlis mit seiner Heimat. Hier noch die Auflösung der anfangs gestellten Beobachtungsaufgabe: Auf der Büchse ist nur ein Senn zu sehen, der Bläss und die Kuh – und die Rossmad ist etwas schaurig moosgrün geraten.

Zum Schluss noch dies: Quöllbisch – auch ein Fischli?

Auf der Suche nach Quöllbischs Aussehen fand Simon Enzler den männlichen Appenzeller Urtypus nicht in Form eines bärtigen Bauern. Typisch seien vielmehr eine markante Nase und Backenbärte. Ein Bart wäre viel zuviel Arbeit, also nichts für einen waschechten Appenzeller. So bekam Quöllbisch vom Zeichner Misch Messmer also seinen Charakterzinggen und seine Backenbärte ab. Und eine zumindest äusserliche Verwandtschaft mit den Fischli-Zwillingen schleckt kä no so oscholdig wiissi Appizölle Gääss weg, oder?! Wie Quöllbischs Haarpracht unter dem Deckel aussieht, steht in den Sternen.

Eine kleine Drilling-Backenbart-Ahnengalerie: Alfred (l.) und Markus (r.) Fischli sind auf den Bildern 80 Jahre alt, dazwischen hat sich der hemlifässe Quöllbisch (m.) geschmuggelt und eine gewisse Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen.
Illustration von : alp, mit Ach & Krach manipulierte Geburtstagskarte des Museums Appenzell aus dem Jahr 2001.

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