Ein Winternachmittag auf der Ebenalp

Ein Winternachmittag auf der Ebenalp

„Kommenden Donnerstag fahren wir auf die Ebenalp für ein Interview mit dem Wirt und ein paar Fotos“, sagen mir die Biermenschen. „Na klar!“ antworte ich. Ich kann mir definitiv weniger idyllische Arbeitsorte vorstellen.

Also gondeln Marie-Louise aus dem Marketing-Team und ich mit der Ebenalp-Bahn vom schattigen Tal der Sonne entgegen. Währenddessen versuche ich mich zu erinnern, wann ich das zum letzten Mal gemacht habe. Ich bin eher zu Fuss im Alpstein unterwegs als mit der Bahn. Es muss Sommer gewesen sein. Danach sind wir weiter zum Säntis. Zu Fuss. Schon sechs Jahre her? Ewig.

Zu Fuss gehen wir von der Bergstation zum Berggasthaus und während wir durch den festgetretenen Schnee stapfen und rutschen, gilt ein kurzer Gedanke der kleinen Gruppe älteren Personen, die mit uns in der Bahn waren und mit weniger Schuhprofil und Stapf-Vermögen ausgestattet sind als wir. Ein Blick vom Gasthaus zurück zur Station offenbart: Die Gruppe fährt nach fünf Minuten frischer Luft und den-Blick-rondom-schweifen-lassen wieder mit der Bahn zurück. Kann man auch machen. Auf jeden Fall lohnt sich gutes Schuhwerk, wenn man im Winter zur Ebenalp möchte. Oder man bedient sich der zur Verfügung stehenden Schneeschuhe und Stöcke für noch mehr Halt auf dem Weg zum Berggasthaus Ebenalp.

Schankanlage mit Aussicht

Oben angekommen, halten wir erst mal inne und unsere Gesichter in die warme Wintersonne. Nach einer stärkenden Suppe geht’s los. Das Material (Durchlauferhitzer, Gläser, Bier, Glühbier-Behälter) wurde schon am Morgen mit der Materialbahn angeliefert, mit der das Berggasthaus seine Logistik abwickelt.

Auf der Suche nach dem besten Platz für die Fotos (ebener Untergrund, mit Stromanschluss, Sicht auf den Alpstein, Schnee im Hintergrund und gutem Lichteinfall) umrunden wir das Berggasthaus und einmal mehr bin ich – Obacht, Emotionen! – hingerissen vom Ausblick und überhaupt der Gesamtsituation. Ich habe im Rücken die winterlich mit Schnee bedeckten Berge, vor mir die je nach Höhe grünen oder weiss-gepuderten Hügel des Appenzellerlandes und dann, weit hinten, den Bodensee, mystisch blau-nebelverschleiert. Ganz, ganz grossartig! Alpstein, my love.

Nachdem wir den Tisch gefühlt 10x verschoben sowie den unebenen Boden mit Bier-Harassen ausgeglichen haben, geht’s ans Werk: Utensilien aufstellen, Glühbier-Bag-in-Box an den Durchlauferhitzer anschliessen (easy, oder, Marie-Louise?), aufheizen, Glühbier zapfen. Und das alles fotografisch dokumentieren. Unterstützung erhalten wir von Sepp Kölbener, seines Zeichens „Hüttenwart“ im Berggasthaus. Für Gruppen- und Anstoss-Fotos werden spontan Personen aus dem Team und Bekannte engagiert. Überhaupt: „Spontan und unkompliziert“ fasst die Stimmung an diesem wunderbaren Winternachmittag sehr passend zusammen.

Unser „Shooting“ weckt die Neugier der Gasthaus-Besucherinnen und -Besucher. Sie umrunden unsere improvisierte Freiluft-Gastro-Zapf-Anlage und machen selbst einige Fotos. Vielleicht erzählen am Abend zwei, drei Personen westlich von Winterthur am Stamm- oder Familientisch von der „Brauerei Locher mit dem Outdoor-Glühbier auf der Ebenalp“.

Glühendes Bier und glühende Backen

Das für die Fotos gezapfte Glühbier alles wegzuschütten, wär einerseits schade und natürlich auch Verschwendung. Und gerade nach einem Tag wie diesem, nach Stunden an der Sonne, unter blauem Himmel und in den Bergen, da schmeckt das Glühbier einfach am besten. Also: Ein zimt-nelkiges Prost auf diesen Nachmittag!

Ich halte mein Gesicht nochmals in die Sonne und gondle mit von der Sonne, der Kälte und vom Glühbier geröteten Backen zurück ins Tal.

Prost

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