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Ein Abend mit Nachhall: Die Welttournee endet quasi im Herzen von Appenzeller Bier

Simon Enzler, Martin O. und das Appenzeller Echo waren im Sommer 2022 erneut für wenige ausgewählte Auftritte zusammen auf «Appenzeller Welttournee» durch die Schweiz. Ich war an der Dernière auf der Terrasse vom Berggasthaus Seealpsee dabei – mit Blick auf den See und den Alpstein.

Der Seealpsee, der wohl bekannteste See des Alpsteins, bei Einheimischen genauso beliebt wie bei Gästen, zu denen die Einheimischen wiederum eine gespaltene Beziehung haben; «it’s complicated», wäre der Beziehungsstatus. Dieser Seealpsee bzw. die Terrasse des gleichnamigen Berggasthauses mit traumhaften Ausblick auf den See und die Berge, ist heute Schauplatz der Dernière der Appenzeller Welttournee, gemäss Website ein «aussergewöhnliches Sommerspektakel». Letztes Jahr habe ich ebenjenes Spektakel verpasst und freue mich, heute, bei sommerlichen Temperaturen, im Herzen des Alpsteins dabei sein zu können. Apropos Herz: Während ich das Hüttentobel hochlaufe, oben angekommen die wunderbar klare Luft einatme, an Klein- und Gross-Hütten vorbeigehe, kommt mir der Gedanke, dass vom Seealpsee ganz viele kleine und grössere «Adern» direkt ins Appenzeller Bier fliessen. Ich werde ein bisschen dramatisch: Der Seealpsee ist sozusagen das Herz vom Appenzeller Bier.

Der Nabel vom Appenzeller Bier

Strang eins: Die Quelle, der das Wasser entspringt, das neben Hopfen und Malz die wichtigste Zutat für das Appenzeller Bier ist, liegt ganz in der Nähe. Im Quöllfrisch ist also auch ein Teil des Seealpsees gebannt, um das Pathos noch etwas zu steigern.

Strang zwei: Selbstverständlich lagert auch am Seealpsee ein Fass Säntis Malt. Genau genommen deren zwei, denn sowohl das Berggasthaus Seealpsee als auch «d’Forölle» sind Teil des Appenzeller Whiskytreks. Beim Berggasthaus Forelle hängt das Fass in den Bäumen, über dem See.

Und dann… Ja dann hat es die Brauerei auch geschafft, vor 30 Jahren den beliebten See mit einem Gemäde von Alfred Fischli auf dem Quöllfrisch hell zu verewigen. Ein Geniestreich: Quöllfrisch eroberte die Herzen vieler Bierfans und der Seealpsee vor der markanten Rossmad und dem Altmann und Säntis im Hintergrund wurde zum Fotohotspot.

Diese ikonische Etikette gemalt hat Alfred Fischli, der wiederum der Grossvater von Simon Enzler ist. Was uns in die Gegenwart und zum heutigen Abend zurückbringt. Simon Enzler hat soeben seine «wahrhalsig»-Tour beendet, schreibt an einem neuen Programm und ist ab Herbst damit unterwegs. Sicherlich wird auch in den neuen Nummern das Quöllfrisch eine Rolle spielen. Ich treffe ihn ähnlich verschwitzt auf der Terrasse des Berggasthauses Seealpsee – er hat den direkten Weg genommen, die Strasse hoch.

«Ich bin einfach gerne mit diesen Leuten unterwegs», sagt er über die Appenzeller Welttournee. «Diese Leute», das sind die drei Musiker vom Appenzeller Echo, Josef und Benjamin Rempfler und Walter Neff, und der Stimm-Akrobat Martin O. Gemeinsam nehmen sie das Publikum mit auf eine Weltreise mit Musik, Gesang und Kabarett. Eine äusserst kurzweilige Abendunterhaltung, wie sich später zeigen wird.

Die Bühne, auf der die Appenzeller Welttournee abheben wird, wurde von der Wirtefamilie Parpan-Dörig eigenhändig gezimmert. Überhaupt: «Nur dank dem unglaublichen Engagement des Teams vom Berggasthaus kann die Welttournee in dieser Form heute hier stattfinden», erzählt Martin O. Die Wirtefamilie und das ganze Team habe die Musiker und Techniker*innen bei der Organisation und Bewältigung der Herausforderungen unterstützt, die der Abend an diesem malerischen Ort mit sich bringt – Transport, Strom, Nachschub. «Es isch würkli en Hoselupf gsi, für alli.» Und gemeinsam geht es auch im Appenzellerland am besten.

Aus Appenzell – für die Welt (aka Schweiz)

Die Appenzeller Welttournee ist weit mehr als eine Abendunterhaltung: Sie ist eine riesige Appenzeller Charmeoffensive. Denn die Künstler haben (fast) alle wichtigen Appenzeller Marken mit ins Boot und auf die Tour geholt: die Goba Mineralquelle, Appenzeller Alpenbitter mit seinen verschiedenen Schnäpsen und Likören (Tipp: Abacella –der Appenzeller Lillet), Bischofberger Bärli-Biber, die Metzgerei Fässler (die mit der Whisky-Wurst) und selbstverständlich auch die Brauerei Locher. Alle Beteiligten sind auch am Abschlussabend dabei. Man kennt sich und hilft einander. Franziska Inauen von der Brauerei schreibt die Platznummern auf Klüpperli, die an die Stühle befestigt werden und erzählt gut gelaunt: «Im ersten Jahr [2021] haben die Musiker unseren Anhänger gezogen. Das Miteinander ist schon sehr speziell, sehr schön.» Miriam von Appenzeller Alpenbitter huscht vorbei und ruft: «Gehören eh alle zusammen, alles Mitbewerber, alles eine Familie.»

Franziska Inauen ist seit neun Jahren bei der Brauerei Locher, «nach 13 Jahren Familienzeit». Sie kommt aus der (Spitzen-)Gastronomie, lebt für ihren Job, den Kontakt mit den Leuten, die Produkte. Wobei ein Produkt der Brauerei ihr Herz besonders hoch schlagen lässt: «Weisst du, Whisky ist noch die grössere Leidenschaft von mir als Bier», sagt sie mir strahlend. Franziska hat unglaublich viel Energie, «die hole ich mir in den Bergen». Ah ja, ich erinnere mich, sie ist eine Frühaufsteherin und wahrscheinlich schon um 5 Uhr unterwegs. «Lieber um 4», lacht sie. 2022 war sie bei jedem Halt der Appenzeller Welttournee dabei, «es ist eine Ehre für mich, die Brauerei an diesem tollen Event zu vertreten. Die Künstler holen die Leute in der ersten Minute, reissen sie mit. Wir umrahmen den Abend mit unseren Produkten. Wir nehmen ein Stück Innerrhoden mit und geben es weiter.»

Bevor das Publikum eintrifft, wechselt sie vom Sport-Tenü in ihre Innerrhoder Tracht. «Hier ist es natürlich nicht so besonders, aber an anderen Orten drehen die Leute fast durch, wenn sie uns in unserer Tracht sehen.» Es sei ein Spiel mit Tradition und Moderne – auf und neben der Bühne. Am heutigen Abend wird Franziska von Emil «Migg» Broger unterstützt, dem Aussendienstmitarbeiter für die Regionen Appenzell Innerrhoden, Ausserrhoden Vorder- und Mittelland, Rheintal und das Fürstentum. «Ich bin der einzige ADM fös Ossland», grinst er.

Fascht e Familie

Neben dem Bierstand verkauft Reto Fässler mit seinem Team Whisky-Würste (logo: mit Säntis Malt) und den «Welttournee-Spiess». Simon Enzler gesellt sich zu ihm und erzählt, wie er Vater Fässler jeweils beim Schwimmen im neuen Hallenbad treffe. Der Abend verspricht, ein grosses Appenzeller Familienfest zu werden. Die Crew versprüht den «Tour-Groove», eine Vertrautheit, die entsteht, wenn man längere Zeit zusammen unterwegs ist, die ab dem späteren Nachmittag eintrudelnden Gäste kennen sich über sieben Ecken alle und mindestens eine Person auf der Bühne. An diesem einen Abend «gehört» der Seealpsee den Einheimischen.

Heute startet das Programm «etwas später», wie Simon Enzler mir erzählt. «Weil es schon ein bisschen dunkel sein muss, sonst bringt das ganze Licht ja nichts.»

Ich begleite die Band, bzw. wechselnde Zusammensetzungen, da immer wieder einer irgendwo hin verschwindet, weil er jemanden kennt oder «noch was muss». Zum Beispiel zum Fototermin, zur Begrüssung von Bekannten, zum Umziehen ins Bühnenoutfit.

Nach dem Nachtessen setze ich mich auf meinen Platz, geniesse die Aussicht, schaue in den (wolkenverhangenen) Alpstein. Um mich herum wuseln die Leute, ich höre Lachen, Gesprächsrauschen und mich beschleicht das Gefühl, heute an einem besonderen Abend dabei sein zu können, einem besonders speziellen.

Kurz vor dem Auftritt erzählt mir Martin O., dass es schon etwas Besonderes sei, diese Appenzeller Welttournee. Weil alle – Publikum, Künstler und Crew – begeistert seien. «Überall werden wir gefragt, wann wir das nächste Mal vor Ort seien.» Und? «Da weiss me no nöd…» Ich blicke in die aufkommende Nacht und denke, dass dieser Abend vieles bringen kann.

Fern- und Heimweh und das Echo vom Alpstein

Und dann reisen wir alle gemeinsam los, vom Seealpsee einmal rund um die Welt. Wir reiten, schwitzen und laufen über die Kontinente, bzw. rudern, hüpfen und springen von einem zum andern. An den Zwischenstationen hören wir Musik, orientalische Melodien, afrikanische Rhythmen, irische Melancholie mischt sich mit Appenzeller Streichmusik und Beatboxen und Anekdoten. Zwischendurch wird vielleicht etwas zu arg auf Klischees rumgeritten, doch die Spielfreude, die die Künstler versprühen, ist dermassen ansteckend und macht vieles zweitrangig.

Die Feuchtigkeit macht wiederum den Instrumenten etwas zu schaffen, das Hackbrett verstimmt schneller, Geige und Kontrabass brauchen ebenfalls mehr Stimm-Aufmerksamkeit, Martin O.s Symphonium (sein «Loopgerät aus Appenzeller Nussholz») setzt für kurze Zeit aus, was der Entertainer gekonnt mit Improvisation überbrückt. Das Publikum kuschelt sich derweil in die bereitgelegten Decken mit Alpstein Panorama von Appenzeller Bier. Manche wärmen sich von innen und trinken Appenzeller Alpenbitter, dessen Etikette ebenfalls den Seealpsee zeigt. Eben: Der Bauchnabel von Appenzell. 

«Appenzeller sind Hehweh-Födle», sagt Enzler zu Beginn des Abends und so endet dieser und auch die Welttournee 2022 im Herzen des Alpsteins, am Seealpsee.

«Hey!!», singen die Musiker, «Hey!» rufen wir, «Hey, hey, hey…», gibt das Echo zurück.

Nachtrag: Mittlerweile ist eine weitere Station der Appenzeller Welttournee bekannt: Mittwoch, 30. November 2022, Tonhalle Wil. Ohne beleuchtete Bäume, dafür mit TV-Aufzeichnung. Infos & Tickets

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