Die Ranch, der Heubuuch & das Weltkulturerbe

Die Ranch, der Heubuuch & das Weltkulturerbe

Quöllfrisch unterwegs im Albulatal

Die Ranch Farsox von Cordo Simeon und Partnerin Rebecca Caviezel liegt in Alvaneu Bad und ganz in der Nähe des zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Landwasserviadukts. Fast so berühmt sind auch die Forellen aus der von Cordos Vater Gion Simeon aufgebauten Zucht.

20. Juli 2017: Auf dem Weg nach Alvaneu-Bad nutze ich die Toiletten des zum Bad mit Golfplatz gehörenden Restaurants. Eigentlich hätte ich Lust, mich ein wenig im 34 Grad warmen, nach Teufel riechenden Schwefelbad zu tummeln. Aber eben: Keine Zeit. Ich muss weiter zu Rebecca Simeon, ihr Partner Cordo wird dann später noch kurz dazu stossen. Es ist nicht unbedingt der ideale Tag für das Gespräch mit dem Quöllfrisch-Blogger. Aber – wie schon geschrieben – wir nehmens, wies kommt und machen das Beste draus. Vieles steht ja auch auf ihrer Website und auf Facebook.

Open: Nicht zu übersehende Einfahrt zur Ranch Farsox mit zum Unesco-Welterbe gehörendem Landwasserviadukt. Unten: Eingangstor zur Ranch Farsox, Tipi, Haus mit Hofladen und Stall mit Mutterkuh-Haltung. Weit hinten das Landwasserviadukt.

Bad und Golfplatz liegen kurz vor der nicht zu übersehenden Einfahrt zur Ranch Farsox. Von weitem lacht das Tipi, das ebenso für Übernachtungen wie für Partys, Hochzeiten, Geburtstage und andere Events privater und geschäftlicher Natur genutzt werden kann. Auch ein Bett im Kornfeld gibts übrigens zum romantischen Übernachten. Ein Tor, wie Cordo es öfters in Australien gesehen hat, verstärkt den Wildwest-Touch. „Ich sage immer, du musst nicht besser sein als andere, das ist huere schwierig. Aber du musst anders sein. Ich habe auf meiner neunmonatigen Reise viele Sachen gesehen. Diese Erfahrungen habe ich in den Betrieb eingebracht“, erläutert Cordo. Ein Anlass hat schweizweit Aufsehen erregt – anscheinend bin ich der einzige Mensch auf Erden, der nie davon gehört hat: Neunmal wurde auf der Ranch Farsox die Wahl des Mister Heubuuch ausgetragen, das letzte Mal 2011. Eine Bilanz ist hier zu lesen. Der Gewinner von 2004 wurde ein Jahr später gar zum schönsten Schweizer gekürt. „Alles Natur.“ Genau, der Bio-Bauer Renzo Blumenthal. Auch er baut Braugerste an und wir werden ihn noch besuchen.

Hier scheint fast immer die Sonne & das Parc Ela-Wasser ist wunderbar.

Die Idee dazu sei ihnen auf einer Viehschau gekommen. Man wollte mit dem Mister Heubuuch gute Werbung machen für die Schweizer Landwirtschaft und die Menschen, die dahinter stecken, von einer sympathischen Seite zeigen. „Das ist gelungen. Alle machten mit. Die Medien haben uns neun Jahre lang positiv begleitet. Wir hatten 10vor10 und Glanz & Gloria hier, den Blick und Schweiz aktuell. Kein Spott, nichts. Das ist uh lässig und das mit Renzo ist das Beste, was uns passieren konnte: Ein Biobauer aus dem Oberland, der Rätoromanisch spricht, wird Mister Schweiz.“

Der Anlass sei mit jedem Jahr gewachsen und mit ihm der Druck, erzählt Cordo Simeon weiter. „Nach neun Jahren hat meine Seele zu mir gesagt: Cordo, es ist Zeit, einen Gang runterzuschalten. Das tat ich. Und es ist gut, wie es ist. Auf Deutsch gesagt, haben wir Landwirte doch einfach den geilsten Beruf, den man haben kann. Du kannst dich in dem Gebiet verwirklichen, das dir Freude macht. Schau dir da vorne den Bio-Mais an, was will ich noch mehr. Ich kriege den hin ohne Chemie, ohne zu spritzen. Die Braugerste auch. Das macht Freude, das ist Lebensfreude.“ Biolandbau sei schon aufwendig, aber er sei glücklich damit. Braugerste baue er für Gran Alpin und somit die Brauerei Locher seit rund zehn Jahren an. Vielleicht auch acht, er wisse es nicht mehr so genau. Eine alte Sorte, die hierher gehöre. Alles andere funktioniere nicht. „Landwirtschaft hat auch mit Glück zu tun. Einen Teil kannst du lenken, aber es kann immer etwas schiefgehen. Zu wahrscheinlich mehr als 50 Prozent kannst du den Lauf der Dinge nur geschehen lassen. Das ist Natur, das schafft, das lebt, hängt von immer wieder anderen Einflüssen ab.

Der Himmel auf Erden: Braugerste, Mais, Kunstwiese, Ranch Farsox, rechts oben im Hintergrund Alvaneu Dorf.

Rebecca sagt: „Hier ist das Paradies. Diese Lebensqualität kannst du nirgends sonst haben. Schau dir das an: Du hast einfach deine Ruhe. Wir haben immer Sonne. Nicht so lange, aber an vielen Tagen im Jahr. Wenn ich nur schon nach Chur gehe, denke ich: Ach, ist das schön, wieder nach Hause gehen zu können.“ Sie führt den Hofladen mit eigenen Produkten und solchen von Freunden und Bekannten aus der Region. Ihre hauseigene Spezialität sind – nebst den weit herum bekannten Forellen aus der eigenen Zucht – die Rindfleischprodukte aus ihrer Mutterkuhhaltung; darunter der Fitness-Salsiz ohne Schweinefleisch. Auch eigene Alpschweinprodukte sind im Laden zu haben. Und Alpkäse und Glatsch Balnot von Andri Devonas. Cordo und Rebecca führen auch Caterings ausserhalb des Hofes durch, nach Möglichkeit mit regionalen Produkten.

Der Grossvater von Cordo Simeon wurde 1967 belächelt, als er aufgrund der Güterzusammenlegung aus dem Dorf hier herunter in den Talboden gezogen ist, um die 24 Hektaren zu bewirtschaften. 1973 übernahmen die Eltern Mariann und Gion den Betrieb. Im September desselben Jahres brannte der Stall ab und die Familie überwinterte samt Vieh auf der Alp. Das ist Geschichte. Gion brachte den Hof erfolgreich auf den neusten Stand und baute die zwei Naturteiche für die Forellenzucht mit dem kristallklaren Wasser der eigenen Quelle.

Ich habe ein gutes Gewissen, weil ich weiss, wir haben ein gutes Produkt. Die Fische, die wir dazu kaufen sind nicht Bio, das Futter auch nicht. Aber sie werden nicht mit Seich gefüttert. Zudem haben wir Topwasser und ich musste – Holz alange! – in 40 Jahren noch nie Medizinalfutter verwenden.“ Die Kunststoffbecken dienen zur Vorsortierung der Fische. Gerne würde er als überzeugter Bio-Bauer auch die Forellen nach Bio-Richtlinien produzieren und die vielen Leute, die die frischen Fische direkt im Hofladen kaufen, wären auch bereit, den höheren Preis zu bezahlen. Nicht aber die Hotels, Restaurants und Läden. Aber es stimme für ihn so.

Rebecca findet, wenn ich schon hier in der Nähe sei, müsse ich schon noch schnell zum Landwasserviadukt radeln mit meinem Quöllfrisch unterwegs-Bike. Es sei total eindrücklich, wenn man darunter stehe. Es laufe ein Projekt, das Unesco-Welterbe-Viadukt zum Wahrzeichen von Graubünden zu machen. Gesagt, gefahren.

Auf dem Rückweg nach dem riesigen Landwasserviadukt begegnet der Blogger am Strassenrand einem geheimnisvollen Zwergenvolk und einem Golfspieler mit Laubbläser. Ist das nicht gegen die Spielregeln?

Demnächst: Quöllfrisch unterwegs mit Bruno Prina, Ansprechpartner für Appenzeller Bier im Raum Zürich.