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Den Charakter des Alpsteins in Flaschen festgehalten und als Gürtelschnalle verewigt: Darum lohnt sich der Appenzeller Whiskytrek

Nur diejenigen Personen, die alle 26 Stationen des Appenzeller Whiskytreks abgewandert haben, erhalten eine Gürtelschnalle aus Echtsilber von Roger Dörig. Die 26 Whiskys lagern an teilweise abenteuerlichen Orten. Auf den Wegen dorthin zeigt sich die Vielfalt der Alpstein-Region.

Bollenwees, Risi, Seealpsee, Mesmer: Roger Dörig war schon dort. In dieser Saison, notabene. «Ich bin eigentlich fast jedes Wochenende im Alpstein, man kommt schon weit hoch», sagt der Gurtmacher Ende Mai in seinem «Büdeli». Es befindet sich am Eingang des Dorfes Appenzell, vis-à-vis des Schlosses. Im Haus, in dem schon sein Grossvater Gurtschnallen, Schmuck und weitere Sennensattler-Produkte von Hand hergestellt hat.

Der Zeitgeist der «unmodernsten Werkstatt in Appenzell»

Im Büdeli ist es eng, die Räume sind klein und niedrig, es sind viele Exponate ausgestellt bzw. aufgehängt: Grosse und kleinere Kuhschellen, neuere und historische, die unverkäuflich sind. Es riecht nach jahrhundertealter Tradition, nach Leder, nach Metall und nach etwas anderem, das ich nicht einordnen kann, doch der Geruch bleibt noch lange in der Nase hängen. Es ist ein heimeliger, warmer Geruch. Überhaupt: Die Werkstatt versprüht nostalgischen Charme, die Holzböden sind uneben, die Decke hängt tief, ich fühle mich irgendwie geborgen. Auf der Website finde ich den zutreffenden Satz: «Die Werkstatt ist die älteste, unmodernste und gemütlichste Butik im Dorf Appenzell.»

Roger Dörig betreibt seit 1994 in vierter Generation seinen Sennensattler-Einmannbetrieb. Er pflegt das alte Handwerk, ist dabei immer offen für Neues und gehört zu den bekanntesten Sennensattlern. Sogar der ehemalige US-Präsident Barack Obama liess ein Halsband für den mittlerweile verstorbenen Hund «Bo» bei Roger Dörig herstellen. Die prominenten Kund*innen behandelt er gleich wie alle anderen. So leicht lässt sich der Appenzeller nicht beeindrucken. Auch nicht vom eigenen Erfolg. Sein Geschäft könnte, will er aber nicht vergrössern. «Ich bleibe lieber allein und mache es so, wie es mir passt.» In seiner Werkstatt erzählt er mir mit ruhiger Stimme und doch lebhaft von der Region, vom Handwerk, speziell von der Sennensattlerei. Ich habe das Gefühl, dass diesen Mann nichts aus der Ruhe bringen kann. Wahrscheinlich hat er seine Geschichte schon gefühlt hundert Mal erzählt, dennoch nimmt er sich Zeit. Wir sprechen über den Alpstein, das Handwerk (da spricht eher er, ich höre zu) und den Whiskytrek, der ja auch der Anlass für meinen Besuch ist.

Exklusiv für Whiskytrek-Finisher: Die Whiskytrek-Gürtelschnalle

Das traditionelle Handwerk, Roger Dörigs Leidenschaft und sein Können sind nämlich verewigt in der «Finisher Trophäe» des Appenzeller Whiskytreks. Seit 2021 erhalten Personen, die den Whiskytrek abgewandert und den Whiskytrek-Pass voll haben, einen Gürtel aus dem Büdeli von Roger Dörig. Die Farbe des Leders sowie die Länge des Leders bestimmt der oder die neue Besitzer*in. Die Schnalle, die Roger Dörig fertigt, ist aus Echtsilber (!) und eine äusserst reizende Adaption des Whiskytrek-Logos. Ein Sammlerstück, das nicht käuflich ist, nur erwandert werden kann.

Letzte Saison hätten 22 Personen die Prämie abgeholt, erzählt Roger Dörig, «wahrscheinlich haben nicht wenige einen halb-gefüllten Whiskytrek-Pass zu Hause rumliegen.» Diese Personen können den Whiskytrek dieses Jahr beenden und ihre Trophäe abholen. Dazu kommen sicherlich auch die Originellen bis Verbissenen, die in Gruppen miteinander im Wettstreit stehen, wer pro Tour am meisten Stationen ablaufen kann und wer die Karte zuerst voll hat.

Roger Dörig hat freilich alle Gasthäuser besucht, die beim Appenzeller Whiskytrek mitmachen, mehrere Male. «Aber nicht wegen der Gurtschnalle, einfach, weil’s schön ist», lacht er.

Ein Fass im Zunfthaus

«Das Handwerk liegt mir am Herzen», sagt der Sennensattler während unseres Gesprächs mehrmals. Unter anderem darum hat er gemeinsam mit anderen das Zunfthaus ins Leben gerufen. Es befindet sich gleich neben seiner Werkstatt und beherbergt eine Kunstgiesserei, einen Geigenbauer, einen Holzbauer, einen Fotografen und andere Handwerksberufe. Auch ein Fass Säntis Malt lagert dort und so schliesst sich der Kreis. Ich verlasse die Werkstatt und trete hinaus – zurück in die moderne Welt, in der sich prompt als erstes mein Telefon piepend meldet, das während der Stunde im Büdeli artig geschwiegen hat.

Nahaufnahme (von Thomas Biasotto)

26 verblüffende Lagerorte, 26 einzigartige Whiskys, eine Sammelkarte

Bereits seit 2015 existiert im Alpstein der höchstgelegene Whiskytrek der Welt. Nicht nur Whisky-Kenner*innen sind begeistert von der Kombination von Wandern und dem Entdecken von speziellen Whiskys. In 25 Berggasthäusern und dem Besucherzentrum Brauquöll befinden sich 26 unterschiedliche Holzfässer, in denen Säntis-Malt-Whisky lagert. In jedem Whiskyfass befindet sich das gleiche Grunddestillat, nämlich der Säntis Malt der Brauerei Locher. Abgesehen davon ist nichts gleich. Denn: Jedes dieser Fässer ist ein Unikat. Es unterschiedet sich von den anderen Fässern zum einen durch die Holzart und zum anderen durch die vormalige Belegung. «Die Fässer sind aus amerikanischer, portugiesischer, französischer oder russischer Eiche und waren gefüllt mit Süßwein, Merlot, Pinot Noir, Sauvignon, Gamay, Zweigelt, Portwein, Sherry, Rum, Bourbon, Zwetschgenbrand oder Bier», wie auf der Website zu lesen ist.

Und so kommt ihr zu eurer Trophäe: Beim Kauf einer 1dl-Flasche Whisky gibt es einen «Fass-Bon», der in den «Whiskytrek-Pass» (erhältlich in den Berggasthäusern) eingeklebt wird. Ist dieser Pass voll, gehst du damit ins Besucherzentrum Brauquöll oder direkt zu Sennensattler Roger Dörig. Die Aktion gilt bis Saisonende 2023 – ihr habt also noch zwei Sommer Zeit.

«Into the mystic»

Einheimische und Eingeweihte wissen: Der Alpstein ist bei durchzogenem Wetter fast am schönsten, weil die Stimmung sehr dramatisch sein kann. Natürlich lieben wir alle die sonnigen, warmen Tage in den Bergen. Aber wenn Nebelschwaden sich lichten, Wolken um die Bergspitzen sich mäandern, wenn Sonnenstrahlen die Feuchtigkeit vertreiben: Dann wird der ganze mystische Reiz der Alpstein-Region entfesselt. Der Whiskytrek ist eine spannende Gelegenheit, alle Seiten der Region kennenzulernen. Denn die Berggasthäuser sind teilweise hoch gelegen, die Wege führen durch Wälder, entlang von Seen, über Geröll. Der Whiskytrek ist kein Spaziergang, eine geeignete Ausrüstung und Trittsicherheit sind ein Muss. Vor allem die höher gelegenen Berggasthäuser sind nur über teils anspruchsvolle Wege zu erreichen. Je nach Ziel ist die Wanderung schweisstreibend und energieraubend oder ziemlich gemütlich. Informationen zum Wegzustand und mögliche Routen findet ihr auf der Website von Tourismus Appenzell. Am Ziel oder Zwischenhalt angekommen, ist allein schon die Besichtigung der Fässer ein Erlebnis: Teilweise haben die Wirtsleute («cask keeper») ausgefallene Lagerorte für das Fass gefunden. So «hängt» die Edition Seealpsee im Baum und die Edition Ahorn ist in einer kleinen Höhle verborgen, in der Bollenwees laufen die Gäste im Keller am «Fassraum» vorbei.

Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Höhe des Lagerorts wirken sich auf den Reifungsprozess des Whiskys aus. Je höher ein Fass liegt, desto mehr Flüssigkeit verdampft, desto stärker wird die Konzentration. Die Höhendifferenz zwischen dem Brauquöll in Appenzell und dem Berggasthaus Alter Säntis beträgt rund 1700 Meter. Mit jedem Meter wird der Whisky dementsprechend stärker. Für das Reifungstempo ist die Temperatur des Lagerortes ebenfalls ausschlaggebend. Tiefere Temperaturen verlangsamen die Reifung. «Aus der Vielfalt der Lagerorte entstehen 26 einzigartige Whiskys, die nur vor Ort im jeweiligen Gasthaus gekauft werden können (1dl- oder 5dl-Flaschen). Die Whisky-Editionen unterscheiden sich nicht nur geschmacklich, sondern auch farblich. Die Palette reicht von bernsteinfarben und Weißgold bis Rotgold und dunklem Kupfer.» (Whiskytrek-Web)

Man könnte also sagen: Die Säntis-Malt-Editionen des Whiskytreks bannen den ganzen Charakter des Alpsteins – zwischen lieblich und dunkel-geheimnisvoll – in Flaschen. Das macht sie zu perfekten Souvenirs für Whisky- und Alpsteinfans. Dazu der Gürtel aus Echtsilber, wenn alle Berggasthäuser besucht wurden: Mehr Alpstein-Verbundenheit kann gar nicht zur Schau getragen werden!

Für Familien gibt es seit der Saison 2022 einen weiteren Anreiz, die Berggasthäuser im Alpstein zu besuchen: Der Alpsteinpass ist eine andere «Sammelkarte» von Tourismus Appenzell, als Belohnung winken hier nicht hochprozentige Schätze und handgefertigte Silberschnallen, sondern hochwertige Kleidungsstücke. So haben alle etwas von den Wanderausflügen.

Fotos:
Michaela Tanner
Andreas Butz
Thomas Biasotto

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