Kühle Quöllfrischträume im Paradies

Kühle Quöllfrischträume im Paradies

Quöllfrisch unterwegs im Safiental

Es gibt ja so wunderbare Orte auf der Welt. Zum Verweilen, Abhängen, Chillen, Geniessen, Sein. Beispielsweise die Beiz mit dem gspässigen Namen «Café Zwischenstation & Handwerk» im ausgedienten Bahnhof Valendas-Sagogn. Einziger Wermutstropfen: Kein Quöllfrisch.

Du pedalst zwischen bedecktem Himmel und Regen. Manchmal trifft gar ein Tröpfchen dein behelmtes E-Bike-Köpfchen. Auch der Wind zaust über den Fahrtwind hinaus an dir rum. Und gelegentlich suchst du mal wieder den richtigen Weg, um abseits der unangenehmen Autostrassen romantisch dem Rhein entlang zu pedalen. Aber: Den romantischen Weg gibts nur in deinen Träumen. So bist du denn in der Wirklichkeit des öfteren schlicht und einfach auf dem Holzweg und kehrst da um, fährst dort wieder retour, glaubst den Wegweisern und landest trotzdem in einer von allen guten Velogeistern verlassenen Kiesgrube. Oder auf einem Golfplatz. Fluchst. Da soll noch einmal wer kommen und sagen, der Weg sei das Ziel! Und das alles bei bedrohlich fallendem Akkupegel.

Also fragst du dann mal die zwei bunten Mountainbike-Vögel, die mehrmals an dir vorbeiflattern, nach dem Weg zum Traumweg, den es nicht gibt. Sie nennen dir einen und tatsächlich gehts sacksteil bergab Richtung Rheinschlucht, da kannst du gleich noch einige Prozent Akkuladung rekuperieren. Ganz unten dann eine Brücke. Fährt ein Mannli übers Brüggli mit dem Rucksäckli auf dem Rüggli, s Mannli lacht, s Brüggli kracht – nicht. Aber vor dir schliesst sich die Barriere. Du wartest und wartest und wartest. Endlich, endlich hörst du aus der wuchtigen Felswand flussrunter Zugkeuchen.

Der Zug erweist sich als Güterzug, ein Wagen plakatiert mit Grünflaschenglobalbier. Die rote Lok bleibt genau vor der Barriere stehen. Steht und steht und steht. Du stehst und stehst und stehst. Irgendwann muss das Ding ja mal weiterfahren. Dazwischen Juchzer von im wahrscheinlich höchst erfrischenden Schmelzwasser badenden Gummiböötlern. Es geht alles bachab, gell. Ausser mein Stossgebet zum grauen Himmel in Graubünden. Als würde dieses erhört, öffnet sich die rot-weisse Schranke. Und ist er nicht abgefahren, so steht er noch immer da, der Güterzug mit der roten Lok. Ich jedenfalls bin dann mal weg.

Und zack! um die Ecke eine gemütliche Gartenbeiz, weg vom Schuss im ausgedienten Bahnhof. Das Café Zwischenstation & Handwerk. Ein ganz spezielles Plätzchen und trotz Teerplatz sehr gemütlich. Dass es hier kein Appenzeller Bier gibt, ist schon an den überdimensionalen, eckigen Sonnenschirmen zu erkennen (ich habe sie per Photoshop nicht perfekt neutralisiert und die Gesichter der Gäste unkenntlich gemacht). Was solls: Auch das Paradies ist eben nicht perfekt. Hier ist jedenfalls der ideale Ort für ein Mittagspäuschen. Nein, es ist ein grossartiger Ort für jede Art von auch mal ausgedehnteren Päuschen. Natürlich passt der Stecker an der ins Auge stechenden Veloladestation überhaupt nicht. So muss ich den Akku rausnehmen und in der heimeligen, kleinfeinen Gaststube neben dem Klavier laden. Normale Stromstecker im Aussenbereich sind allgemein recht schwer zu finden, muss ich konstatieren. Wahrscheinlich wegen dem zunehmenden Stromklau.

Vier Stecker für eine Gratisladung. Hallelujah, keiner passt: Schöne neue Elektrowelt. Mein Stromergaul «Quölli» – ja, genau: neu; werde davon noch berichten –bräuchte eine stinknormale Steckdose.

Der Caféname enthält übrigens den Zusatz Handwerk, weil das ganze Interieur vom freundlichen Wirtepaar eigenhändig zusammengehandwerkt wurde. Sie wohnen oben drin. Das Café läuft auf Alexandra Primuth, die grad frisch geschnittene Blümchen auf die Tische stellt. Im Winter gibts Fondue. Und das einzige Problem sei manchmal, dass man trotz Abgeschiedenheit einfach nie richtig allein sei. (Wer mehr wissen will, klickt oben im Lead auf den Link, gell.)

Ich bestelle ein Plättchen mit dreijährigem Alpkäse, dazu eine Bügelflasche mit dem umwerfend originellen Namen «Bügel». In der Werbung sagte man dem früher – schon damals völlig zynisch und politisch nicht korrekt; mir blieb die Herkunft dieses Spruchs immer ein Rätsel – «Neger vor Hütte», wenn ein Bild mit dem Offensichtlichen angeschrieben wurde. Ein anderes Bier heisst «Brauquell». Das wiederum klingt sehr nach Appenzeller Bier, einfach ohne Ö. Wenn man keine eigenen Ideen hat, bleibt einem halt nur das Abkupfern. Und wenn die Werbung so langweilig ist wie das Bier, dann ist sie wenigstens ehrlich. Schön selber Schuld, gell!

Die Tomate ist schon weg: Hauseigener Alpkäse im Café Zwischenstation & Handwerk.

Der Käse mundet, das Brot könnte besser sein, am Bier lässt sich halt grad nicht rütteln. Hauptsache kühl. Das Leben ist schön. Später gehts dann hoch und hoch und höher. Der Rhein gerinnt zum türkisgrünen Rinnsal. Dass ich genau auf der schönste Strecke ein Problem mit den Gängen bekomme und nicht mehr richtig schalten und pedalen kann, gehört dann in ein nächstes Kapitel von Quöllfrisch unterwegs.

Demnächst: Quöllfrisch unterwegs bei Renzo Blumenthal, dem schönsten Bio-Braugerstenproduzenten des Landes. 

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