Angezipft oder angezapft

Angezipft oder angezapft


«Löebelig» sag ich zum Bier dann, wenn es schmeckt, als ob es seit Stunden darauf warten würde, dass ich es trinke. Dann bin ich angezipft. Angezapft aber mag ich mein helles Feierabendbier sehr wohl. Und das geht auch noch andern so. 

Bier aus der Dose, aus der Flasche oder eben «frisch gezapft». Wie magst du dein Bier am liebsten? Priska – langjährige Beizbesitzerin aus Appenzell ist überzeugt: «Frisch gezapft ist toll – ich wünsche mir eine Beiz in Appenzell, die verschiedenste Biere anzapft», meint sie.

Ich mag mein Bier mit Abstand am liebsten direkt aus der kühlen Flasche. Worin aber besteht eigentlich der Unterschied? Weshalb fühlt sich ein Schluck aus der Flasche anders an als einer aus dem Glas?

Zapfguet 😉

«Frisch gezapft» wird von vielen geliebt. Dabei ist die «Zapferei» an sich nicht matchentscheidend. Wichtig ist, wo sich das Bier vor dem Konsum befindet – und beim gezapften Bier befindet es sich eben in einem Fass oder einem Tank. Fassbier enthält ungefähr fünf Prozent mehr Kohlensäure als Flaschenbier. Es bilden sich also mehr Bläschen, dadurch prickelt das gelbe Gold aus dem Zapfhahn mehr auf der Zunge. Die Profis würden von höherer Rezenz reden: Eifach zapfguet.

Die Flaschenkrux

Früher wurde das Bier in Fässern zu 4 bis 5 Litern geliefert und in den Wirtschaften offen ausgeschenkt. Erst in den 50er-Jahren schafften die Gasthäuser den Offenausschank zugunsten der Flaschen weitgehend ab. Priska war von dieser Entwicklung gar nicht begeistert: «Plötzlich hatten wir Kunden, die ihr Flaschenbier vom ersten Treppentritt wollten. Andere vom fünften und wieder andere aus dem Keller. Jeder hatte seine Temperaturvorliebe. Wir lagerten also Bierflaschen an allen möglichen Orten. Ich musste meinen ‘Grind’ zügig zusammennehmen, dass ich mir alle Bestellungen merken konnte», erzählt sie. 

Fact ist, dass eine Beiz für feines, frisch gezapftes Bier genug absetzen muss, damit sich der Hygieneaufwand lohnt. «Bei weniger als zwanzig Hektoliter pro Jahr sollte man sich die Umstellung auf Flaschen überlegen», rät ein Spezialist. Dann ist auch niemand angezipft.

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