Alpfahrt, Strom und Weltentanz

Alpfahrt, Strom und Weltentanz

Quöllfrisch unterwegs im Oberhalbstein

Die Gerstenbauern sind mit Mähen der Ökowiesen beschäftigt. Das Festival Origen bringt Weltkultur und warme Betten in die Region. E-Mensch trifft im im Wald auf Zürich und geniesst die grandiose Aussicht im Hotel Ela in Salouf.

Die Berge, Burgen, Kirchen, Täler und Ortschaften im Bündnerland sind Urquell unzähliger Sagen und ebenso wunderbarer wie unheimlicher und unglaublicher Geschichten. Allgegenwärtig sind aller Gattig Hexen, Teufel und Ungeheuer. Sogar von einem Lichtstrahl, an dem einer seinen Tschopen aufhängen konnte, ist die Rede. Und allgegenwärtig sind auch die schwer zu bändigenden Kräfte der Natur. Mannigfaltig und widersprüchlich ist der Clash der lokalen Kulturen und Zeitschichten. Romanisch wird wieder verstärkt gelebt und gesprochen. Und Deutsch, das alle sprechen, wird in der Schule nach Romanisch bzw. Italienisch als Fremdsprache gelehrt.

In den Sagen ist viel vom früheren Getreideanbau die Rede, aber auch die eindrücklichen Terrassierungen an den Berghängen erzählen davon. Weil das Gelände nicht allzu steil sein darf, eignen sich die Hochebenen des Oberhalbsteins bestens für den heutigen Anbau. Als ich einmal einen Bauern beim Heuen in einem ziemlich gächen Stutz frage, ob er auch Braugerste anbaue, sagt er heutrocken: „Wenn du mir sagst, wie das an so einem steilen Hang gehen soll, mache ich es sofort.“ Denn der heutige Gerstenanbau ist nur mit Maschinen rentabel. Überhaupt scheint die gesamte Landwirtschaft nur noch dank einem imposanten Maschinenpark möglich. Mit regelbestätigenden Ausnahmen. Das stimmt mich persönlich schon nachdenklich. Und es beweist: Die heutige Welt ist ein einziger menschgemachter Naturpark, den es zu schützen und nachhaltig zu bewirtschaften gilt – mit Herz, Verstand und Innovationsgeist. Vieles auf unserer Erdenkugel ist so paradox wie verzwickt. Und vor allem: Es gibt kein simples Rezept und keine banalen Allerweltslösungen. Nur wer mit der Zeit geht, lebt in der Zeit. Was nicht heisst, dass man jeden Humbug mitmachen muss.

Sogar die Tradition der Alpfahrt wird meistenorts maschinell bewältigt: Die Kühe würden heute in Anhängern zu den Maiensässen gefahren und wieder nach unten ins Tal gebracht, erfahre ich von Einheimischen. Nichts vom bunten Alpaufzug zu Huf und Fuss mit Schellenkühen, weissen Geissen, Bläss, Zäuerli und Festtracht wie sie im Appenzellerland zur Freude vieler Schaulustiger zelebriert wird. Aber sag niemals nie: Es gibt einige Bündner Orte wie Parsonz, Müstair und Flims, die die Alpabfahrt wieder in voller Pracht ausführen.

Trotz den trutzigen Bergen und Burgen: Das Bündnerland bewegt sich. Die Menschen müssen Ideen und Kooperationen entwickeln, um die anhaltende Abwanderung der Jungen in die Städte zumindest aufzuhalten. Auch um für Touristen attraktiv zu sein. Wobei natürlich die einen schnellgeldigen Jubel und Trubel wünschen und die andern einen gepflegt nachhaltigen, sanften Tourismus. Ich persönlich plädiere für Letzteres; es wird der Luxus der Zukunft sein. Für die mit lauter Musik beschallten Schneebars in den Skigebieten hege ich null Verständnis.

Auch Weltkultur findet statt, hier oben im Krachen. Das Festival Origen bespielt nicht nur die dominante Burg Riom und eine umgebaute Schür mitten im Dorf. Man führt auch ein Café in der herrschaftlichen Villa Carisch, hat auf dem Julierpass einen babylonischen Theaterturm aus heimischem Holz erbaut und Bundesrat Alain Berset zur 1. August-Rede geladen. Der Turm soll fünf Jahre betrieben werden und dann wieder verschwinden. Der umtriebige, in Savognin geborene Festivalleiter Giovanni Netzer hat in den letzten 13 Jahren mit Origen ein Festival von internationaler Bedeutung auf die Beine gestellt. Ich hoffe, auch ihn noch interviewen zu können. Für zwei Monate wärmt er damit einige Betten, die sonst kalt geblieben wären. Auch Erika Bachmann sagt, sie hätte das Hotel Ela dank Origen für zwei Monate voll, hätte gar Leute abweisen müssen.

Die Villa Carisch mit dem öffentlichen Café in Riom. Die Confiserie wird mit Gran Alpin-Mehl nach alter Engadiner Zuckerbäckerart gebacken. Rechts die gemütliche Gartenbeiz mit Tanzbühne und atemberaubender Bergkulisse.
Gegen 17 Uhr füllt sich der Blumengarten. Dann geben die Tre Fratelli, drei frisch gebackene Absolventen der Wiener Tanzakademie, ein Stück über die weltberühmten Engadiner Zuckerbäcker. Bezahlung per Kollekte.
Alt trifft neu: „Clavadeira“ – die umgebaute Scheune von Sontga Crousch.
Das Innere: Seit 2015 auch im Winter bespielbar.
Festung, Gefängnis, Partylocation, Theater- und Tanzhaus des Festivals Origen – die rund 800-jährige Burg Riom hat eine bewegte Geschichte. Und die ist noch lange nicht zuende geschrieben.
Modell der Burg Riom und des Turmes auf dem Julierpass im Burginnern.

Und immer wieder trifft man auf von ihren Rucksäcken erdrückte, schweisstriefende Pfadis beider Geschlechter mit hochroten Köpfen, die kaum mehr einen Fuss vor den andern bringen. Und auf kunterbunte Gruppen von jungen Leuten in schlabernden Neohippiehosen, mit mehr und weniger Tattoos, auffälligen Frisuren, lauter Begleitmusik und anderem Love-and-Peace-Outfit, Rucksäcken, teilweise auf Sackrollis montiert, riesigen Boxen und Zelten. Sie fahren zum „Summer Never Ends„-Openair-Festival an den Ufern der Julia, das vom 17. – 23. Juli zur Gemeinde Surses gehörende Rona in Goa-Trance erbeben lässt. Es sei hervorragend organisiert, bezeugen Einheimische, die einen Augenschein vor Ort genommen haben. Und zum manchmal etwas eigenartigen Benehmen der Besucher meinen sie gelassen: Die jungen Leute seien eben alles Künstler. Moment mal, ein Rapid knattert langsamer als mein Quöllfrisch-Bike vorüber: Quöllbisch auch hier? Wo fräst er hin mit seinem Einachser? Goa-Trance? Festival Origen? Alp Flix im Parc Ela?

Alles hängt am Strom – ich auch

Dass ich der Sohn eines Stromers bin, verschweige ich an dieser Stelle. Wohlweislich. Denn nie im Leben wollte ich meinem Vater beruflich nacheifern. Aber Strom ist heutzutage rund um den Globus ein grosses Thema. Selbst im vermeintlich Kleinen steckt die grosse Stromstory. Denn ich bin ja mit E-Bike und andern E- und i-Geräten unterwegs. Auch die Goa-Party wäre nicht lustig ohne E-Power. Hier in Graubünden produziert man Elektrizität naturgemäss mittels Wasserkraft. Auffallend sind die vielen Starkstrommasten, Leitungen und Kraftwerke. Sie prägen die Gegend entscheidend mit, gehören zum Landschaftsbild. Aber als ich bei einem Downhill in Richtung Tiefencastel – zwischen unzähligen Schmetterlingen, Vögeln und Blumenarten – mitten im Wald auf Absperrbänder mit EWZ-Aufdruck stosse, bin ich schon ziemlich verblüfft. Warum genau dieses Areal im Wald abgesperrt wurde, bleibt mir unergründlich. Wahrscheinlich Wiederaufforstung, schliesse ich aus den verrottenden Baumstümpfen. Die Antwort, was die Elektrizitätswerke Zürich mit diesem Teil von Graubünden zu tun haben, ist später schnell im Internet gefunden.

Ein bisschen baff bremst der Appenzeller aus Zürich sein Quöllfrisch-Bike im Bündner Wald. Gehts um Wiederaufforstung?

Hier eine leicht gekürzte Version auf gr.ch: Zwischen Graubünden und Zürich besteht eine langjährige Partnerschaft, die bereits 1906-09 mit dem Bau des Kraftwerks Sils und des ehemaligen Stauwehrs Nisellas begonnen hat. Die sechs EWZ Kraftwerke Mittelbünden erreichten mit dem Bau der Bogenstaumauer bei Solis (1982-86) nach 70 Jahren ihre heutige Grösse. Die Kraftwerke Mittelbünden nutzen im oberen Teil das Wasser aus dem Einzugsgebiet des Juliabachs und speisen damit die Kraftwerke Tinizong und Tiefencastel. Das Kernstück dieser Anlagen bildet der 62 Mio. m³ fassende Stausee Marmorera. Der Naturdamm fügt sich verhältnismässig unauffällig in die Umgebung ein. Im unteren Teil wird mit den Kraftwerken Sils und Rothenbrunnen das Wasser aus den Einzugsgebieten Albula, Julia und Heidbach genutzt. Der Stausee Solis mit 1. 5 Mio. m³ Nutzinhalt bildet dabei den Mittelpunkt. Die gesamte Produktion der Kraftwerke Mittelbünden, Bergell, Wägital und Zürich wird von der Leitstelle in Sils i. D. ferngesteuert und überwacht. Weiter ist die Leitstelle Sils für den Betrieb des Regionalnetzes Mittelbünden sowie für die Netzregulierung zuständig.

Es geht also in Zeiten der Energiewende und des billigen Stroms auch um die Zukunft der Wasserkraft hier in Mittelbünden. Dazu veröffentlicht das EWZ am 7. August 2017 die Pressemitteilung „Neues Unterwerk Sils Albula – ewz sichert langfristig die Stromversorgung in Graubünden.“ Die einen meinen, das Wasserkraftzeitalter sei vorbei, andere sind optimistisch und glauben an das baldiges Wiedererstarken. So auch das EWZ, das dieses Jahr auch seinen 125. Geburtstag feiert – eine Erfolgsstory, in der Graubünden einige wichtige Kapitel geschrieben hat. Das gegoogelte Wissen nützt aber im Moment rein gar nichts, um die Tücken des verdrahteten und vertrackten digitalen Wireless-Alltags des Quöllfrisch-Bloggers zu meistern. Als nächstes ist nämlich die Speicherkarte der Kamera voll, wobei auch deren Akku langsam im tiefroten Bereich angekommen ist. Einmal mehr bestätigt sich: Wir sind total abhängig. Als in Zürich einmal der Strom ausfiel, wollte ich ein Paket auf der Post abholen. Dort aber klebte ein handbeschriebener und von Hand ziemlich grob ausgeschnittener Karton an der automatischen Schiebetür: Wegen Stromausfall vorübergehend geschlossen. Das Päckli liegt quasi vor deiner Nase, man kann es dir aber nicht überreichen, da der Saft weg ist. Null Plan B. Kein Codeleser, keine Türe, einfach nichts, aber auch gar nichts, geht mehr bei einem Blackout. Alles hängt miteinander zusammen am mehr und weniger sichtbaren Netz der Elektrizität, das weit vor dem weltweiten Digitalnetz um die Erde gesponnen wurde.

Durch diese Bündnerische Sensibilisierung sehe ich sie jetzt im Mittelland auch wieder, die eigentlich potthässlichen Starkstrommasten mit ihren Überlandleitungen. Man nimmt sie einfach nicht mehr bewusst wahr, obwohl sie das Land flächendeckend überziehen. Und von der ästhetisch anästhesierend grauen Autobahn aus, ist sowieso jeder Ausblick ins Grüne schön, ob durch Masten verunziert oder nicht. Im Geiste ersetze ich die Stahlungetümer durch Strom liefernde Windräder und sehe Don Quichote in mittelalterlicher Ritterkluft dagegen anreiten. Man könnte mal so ein Ding wie 2014/15 den Hafenkran am Zürcher Limmatquai aufstellen. Der Mast käme dem Duchamp’schen Glasständer um einiges näher als der Meerhafenkran. Da fällt mir ein: Als einer im Museum in dessen Fountain getiteltes R. Mutt-Pissoir urinierte, musste er eine saftige Busse von mehreren Tausend Franken bezahlen. Lustig, gell?

Aber im Ernst: Ist es nicht eigentlich – trotz physikalischer Erklärbarkeit – schon ein unglaubliches Wunder, dass wir mit unbedachter Selbstverständlichkeit einen Schalter drücken und es wird Licht? Aber dessen nicht genug, das Wunder wird immer verreckter. Dank heutiger Sensoren müssen wir immer öfters nicht mal mehr irgendwas drücken. Selbstfahrende Postautos werden getestet. Drohnen fliegen uns wie Wespen um den Kopf. Die schöne neue, ach so smarte Digitalwelt automatisiert den analogen Alltag unermüdlich weiter. Unser Zentralnervensystem wurde mittels Elektrizität global erweitert. Der Prozess macht auch vor den höchsten Gipfeln aus Bündner Granit nicht Halt. Graubünden ist Zürich ist Appenzell ist die ganze Welt. Ich bin auch die ganze Welt, solange ich am Strom hänge. Was noch lange nicht heisst, dass Ersatzakku und Speicherkarte auf besagter ganzer Welt einfach so verfügbar sind. Nein, dazu muss ich – nachdem man mich für ein paar untaugliche von Pontius zu Pilatus bzw. von Drogerie zu Kiosk geschickt hat – bis nach Thusis hinunter. Es empfiehlt sich also bei einer Reise hierher, alle Geräte samt Zubehör genaustens zu überprüfen und den eigenen Ansprüchen entsprechend aufzurüsten. Vorher, wohlgemerkt. Alle.

Wie Bauer und Fuchs die Mäuse tanzen lassen

Schnell wird auch klar: Im Bündnerland, dem grössten Kanton der Schweiz, kommt man um physische Wege nicht herum. Wer etwas braucht, findet es nicht einfach – wie der Städter – vor der Haustür. Oder im Internet, wobei dieses in Sachen Online-Bestellungen sicherlich gerade hier sehr nützlich ist. Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren nicht so häufig wie in der Stadt. Und nach 22 Uhr wird es oft schwierig, ein abgelegenes Ziel zu erreichen. Also geht ohne Auto nicht viel. Nicht selten muss man nicht nur einige Kilometer zurücklegen, sondern auch immense Höhenunterschiede und Pässe bzw. Talsohlen in unzähligen Serpentinen bewältigen. Immer wieder rutschen Strassen ab oder werden verschüttet. Von den frühen, strengen und langen Wintern gar nicht zu reden. Das Leben in den Bündner Bergen lässt sich nicht ohne Hindernisse und Rückschläge auf der widerstandslosen Flugbahn des modernen Lebens planen und „barrierenfrei“ durchfetzen. Man wird immer wieder aufgehalten und muss damit leben. Die vielbeschworene Demut wird zur überlebenswichtigen Tugend. Daran halte auch ich mich und rege mich überhaupt nicht auf, wenn die Akkus im dümmsten Moment versiegen und ich euch keine Bilder liefern kann. Es kommt, wie es kommt. Das Leben ist und bleibt unberechenbar. Und ein Wunder.

Das erste Gerstenfeld in Graubünden, das ich entdecke. Es ist eigentlich schon auf dem Bild weiter oben zu sehen, das Riom mit der markanten Burg von der Albula-Strasse her zeigt.
Der Beweis, dass es nicht nur Gerste ist, sondern Gran Alpin-Bio-Braugerste (rund 1200 m.ü.M.), die an die Brauerei Locher geliefert wird. Auch Meinrad Collet und seinen Hof werde ich porträtieren.Und der Beweis.

Jedenfalls: Ich habe fertig, Batterien leer. Mit etwas Glück kann ich noch das obige Gran Alpin-Gerstenfeld ablichten. Dann ist Schluss. Nun aber heisst es auch – kurz vor dem Ziel –, den trotz absoluter Leere nicht leichter gewordenen Bike-Akku auswechseln und an der dominanten Kirche vorbei, hoch zum Hotel (ca. 1300 m.ü.M.) etwas ausserhalb des Dorfes zu radeln. Die Tour de France wär eindeutig nichts für mich. Ich bin schon nach den heutigen paar Kilometern mit E-Unterstützung fix und fertig. Da braucht ihr nicht lange über Wärmekameras zur Entdeckung eines versteckten Motörchens zu diskutieren. Ich hab nur den offiziellen E-Antrieb und werde mich erst beim Abendessen mit legalem Gran Alpin-Bier dopen. Zudem hatte ich im Gegensatz zu den Strassengümmelern ein paar wilde und schweisstreibende Cross- und Akrobatik-Einlagen zu meistern, gell.

Die grandiose Aussicht von der Hotelterrasse und die herzliche Aufmerksamkeit der Wirtefamilie Erika, Lukas und Franziska Bachmann entschädigen mich für die Mühen des Tages. Es braucht nicht immer ein Design- und Erlebnishotel zu sein. Einfach und sauber ist die 1.5-Zr.-Wohnung mit Küche. Letztere werde ich nicht benutzen, aber für Wanderferien mit Freunden oder Familie keine schlechte Wahl. Und nicht zu teuer. Die dazugehörende kleine Terrasse mit Tisch liegt prächtig. Nach einer Dusche mache ich mich auf zum Abendessen auf der grossen Hotelterrasse mit den blühenden Oleanderbüschen. Es gibt Kalbsvoressen mit Härdöpfelstock und Broccoli. Einfache bürgerliche Küche mit regionalen Spezialitäten (Region-für die Region), Gran Alpin-Produkten und Bio- oder SwissPrim-Fleisch, frischem Suppe, Salat und Dessert. Und wer noch nicht genug hat, bekommt auf Nachfrage seitens der Gastgeber eine weitere Portion. Also noch einmal an die gesamte Welt: Macht Wander-, Bike oder sonstige Entschleunigungsferien in Surses!

Die beiden Häuser des Hotel Ela von oben (im Vordergrund, rund 1300 m.ü.M.). Dazwischen liegt das Restaurant mit Terrasse (gelbe Tischtücher).
Blick von der Terrasse des Hotels Ela. Wunderbar blühender Oleander statt der verbreiteten Geranien. Die Wolkenmalereien beweisen: Giovanni Segantini lebt und arbeitet weiter im und am Himmel.
Die Downhill-Fluch-Wunden des Tages.
Stillleben mit Kaffeemühlenkachel, leerer Gran Alpin- und ebenso leerer Bschorle-Flasche.

Quöllfrisch unterwegs im Hotel Ela in Salouf:

Wie schon gesagt: Die Zeiten ändern sich. Auch in den Bergen. Nicht nur die Menschen arrangieren sich mit den sich wandelnden Gegebenheiten. Auch die Füchse lernen, die Veränderungen für ihre Zwecke zu nutzen: Frau Bachmann erzählt, früher habe der Bauer die Wiese oberhalb der Hotelterrasse mit dem Einachser gemäht. Hinter ihm sei jeweils ein Fuchs hergelaufen und habe sich die aufgeschreckten Mäuse geschnappt. Jedesmal, wenn er eine erwischt habe, sei er verschwunden, wahrscheinlich um sie den Jungen zu bringen. Danach kam er wieder und setzte die Jagd fort. Nach einem ehrfürchtigen Blick in den mindestens in doppelt unendlicher Zahl glitzernden Sternenhimmel – es war noch völlig wolkenfrei – und einem tiefen Atemzug in der herrlich frischen Abendluft aber sagen wir nun Füchsen und Hasen gute Nacht. – Ich schlafe tief und fest.

Impressionen vom Hotel Ela aus (17. – 21. Juli 2017):

Am nächsten Tag um neun werde ich Leo Thomann, den Gemeindepräsidenten von Surses, in seinem Büro treffen. Die Fusion von Bivio, Cunter, Marmorera, Mulegns, Salouf, Savognin, Riom-Parsonz, Sur, Tinizong-Rona zur flächenmässig drittgrössten Gemeinde der Schweiz wurde anfangs 2016 Wirklichkeit. In einigen dieser eingemeindeten Ex-Gemeinden wird Braugerste angebaut. Das heisst: Ich komme wieder. Oder mit Arnold Schwarzenegger in good old Neudeutsch gesagt: I’ll be back. Genauso folgt das Porträt des Braugerstenproduzenten Andri Devonas mit seinem Hof samt Hühnerstall und Glacéproduktion (romanisch: Glatsch) in Surava im Albulatal (ca. 900 m.ü.M). Oder die Geschichte der Ranch Farsox von Cordo Simeon in Alvaneu Bad (rund 1000 m.ü.M.) mit Forellenzucht, Bett im Kornfeld, dem nahen Welterbe-Landwasserviadukt und der schweizweit für Schlagzeilen sorgenden Wahl des Mister Heubuuch, die 2004 von einem ebenfalls in näherer oder fernerer Zukunft zu porträtierenden Bio-Gerstenbauern gewonnen wurde. Der wiederum wurde später Mister Schweiz. Ratet mal, wer?

Demnächst: Quöllfrisch unterwegs bei Leo Thomann, Gemeindepräsident/Mastral von Surses.